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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-01-16 · Heft 3 (16.1.1842) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 3 (16.1.1842)
Date
1842-01-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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VeVe» die Wahl eines Rabbinett. *) (Aus Frankfurt a. M. eingesendet.) Die großen Fortschritte der wissenschaftlichen Bildung, der verbesserte Jugendunterrkcht und die zunehmende Betreibung der bürgerlichen Gewerbe haben in den Religionsmeinungen und in der Lebensweise unter den Israeliten eine große Veränderung hervorgebracht. Dadurch ist besonders in den größeren Gemeinden eine Spaltung entstanden, welche die Wahl eines Rabbinrn oder Geistlichen zu einer schweren Aufgabe macht. Auch unter den Christen herrscht eine große Divergenz in den Ansichten vom Christcnthume; allein diese bleibt auf dem Gebiete der religiösen LPeculation, auf die Beschaffenheit des Dogma beschränkt und hat auf das religiöse Leben keinen Einfluß; führt der Geistliche einen seiner Stellung angemessenen sittlichen Lebenswandel und beobachtet er in den seltenen Fallen, wo er das Dogma berühren muß, die nöthige Vorsicht in der Wahl seiner Ausdrücke, so kann er sich im Vertrauen aller Partheien erhalten und allen Genüge leisten. Ganz anders verhält es sich im Judenthume. Der Unterschied zwischen dem Thalmudgläubigen und dem, welcher den Thalmud verwirft, oder zwischen dem Ält- und Neuglaubigen gibt sich im täglichen Leben kund; von dem Augenblicke an, wo jener sich vom Lager erhebt, bis zum Schlüsse des Tages hat er unzählige Gebrauche zu beobachten, die dieser unterläßt, und sich vieler Handlungen zu enthalten, die dieser für erlaubt halt; noch greller tritt diese Verschiedenheit an den Sabbath¬ und Festtagen beim Gottesdienste, und bei vielen öffentlichen Religionshandlungen in die Augen. Wie soll nun der Geistliche beschaffen sein und wie soll er sich verhalten? Gehört er zu den Pharisäern und erkennt er die Autorität des Thalmuds und der Rabbinen an, so sind alle Glieder seiner Gemeinde, welche. nicht nach den Vorschriften des Thalmuds leben, in feinen Augen nicht nur Ketzer und Irrgläubige, sondern zugleich Menschen, die täglich, ja stündlich sündigen und freveln und er darf nicht ermüden, dieselben durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel auf den rechten Weg zurückzuführen; diese aber können in einem solchen geistlichen Vorsteher nur einen dumpfen Bigotten sehen, dessen Religion in Menschensatzungen und Aberglauben besteht, und den sie unmöglich als ihr geistliches Organ, als ihren Religionslehrer betrachten können. Gehört aber der Rabbiner zu denen, die den Thalmud verwerfen, und ein reineres mit dem jetzigen Leben harmonirendes Iudenthum herbeiführen wollen, und ist er zugleich verpflichtet, die herkömmliche Function des sogenanntenfT:pDD die Entscheidung der an ihn gelangenden vielfältigen Fragen über die Ceremonialgebrauche im häuslichen und öffentlichen Leben, zu versehen, dann ist seine Stellung noch mißlicher. Um da§ Vertrauen der Altgläubigen nicht zu verlieren, *) Vergleiche hiermit den Aufsatz „Rabbinenwahl," Jahr« ganz H, M 28 «. 29 dieser Blatter. Die Redaktion. muß er nicht allein nach thalmudischer Weise leben und alle jene Gebrauche, die er für alberne Menschensatzung erkennt, beobachten, selbst in seinen Predigten und seinem Religionsunterrichte darf er seine Gesinnung und Ueberzcugung nicht aussprechen, noch weniger eine wahrhafte Reform einführen. Jeder Verdacht, den er erregt, würde ihn bald unfähig machen, jene Function der Entscheidung von Fragen über das Ritualwesen zu versehen, und zu gerechten Beschwerden und Anklagen von Seiten der Thalmudglaubigen Veranlassung geben. Diese Function setzt ihn offenbar in eine ganz falsche Stellung. Er soll nach dem Wunsche der Antitbalmudisten ein reines Judenthum lehren und ins religiöse Leben einführen, und zugleich die Stelle eines strengen Thalmudisten spielen; er sieht sich in seiner Wirksamkeit gelahmt, und wird entweder in die Rolle eines heuchlerischen Pfaffen, oder in unthatige Gleichgültigkeit versinken. Diese Betrachtungen, deren Wahrheit Niemand bestreiten wird, führen uns zu der Ueberzeugung, daß die religiösen Functionen des Rabbiners oder Geistlichen nicht einer Person übertragen werden können, sondern, bei der so großen Verschiedenheit der religiösen Gesinnung der Gemeindemitglieder, wenigstens unter zwei Personen getheilt werden müssen. Die altrabbinische Function der Beantwortung der mbüiet u. dgl. können alsdann einem strengeren Thalmudisten übertragen werden, während ein wissenschaftlich gebildeter und in der Gesinnung bewahrter Theologe als Prediger und Religionslehrer seiner Ueberzeugung folgen und im Sinne des Fortschritts wirken kann. Grtchichte des Tages. Segen, tausendfache,.' Segen dem freien Boden Ame» rikaS, wo allen Bekenntnissen eine freie Sprache gestattet ist, und wo die geseßliche Freiheit die noch höhere des Geister und GemütheS erzeugt, die in der Menschenachtung und Men, schenwürde keinerlei Unterschied zwischen Hoch und Niedrig, zwischen Reich und Arm anerkennt, wie folgende zwei Stel» len aui einer Rede, welche ein Herr kesser bei einer Prüfung in der Sonntagsschule zu Philadelphia gehalten, beweisen: „Israels gan:e Wachsamkeit ist nb'thig, um sich gegen die Artigkeit und gegen die scheinbare Lheilnahme für unsere traurige Lage, welche an die Stelle der frühern Feindseligkeit getreten ist, zu schützen. Noch fehlt die Großherzigkeit, welche den Gegner schont. Mit andern Worten, das offenkundige Streben nach Bekehrung, das beständige Anreizen der Un» wissenden unter uns, um sie dah,n zu bringe», die Fahne eines Glaubens zu verlassen, unter welcher Israel und Juda siegten und triumphirttn, und unter deren Schutze sie einst friedlich im Lande, das von Milch uud Honig überfließt, wohnten, und welchem sic, Zerrissen und zerrüttet und mit Füßen getreten, stets anhänglich geblieben sind, werden tag, lich kecker. Wir bedürfen aller Energie, um rhren dreisten und listigen Angriffen zu widerstehen. Ferne jedoch fei von mir die Absicht, euch meine lieben Brüder und Schwestern im Glauben, eine Gesinnung

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