Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 3 (1842)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1842)
- Date
- 1842-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelis des neunzehnten Jahrhunderts. Ei« Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von Br. M. Heß, Großhcrzoal. Wcimarschcn ^a»d-Raddinen;» Start LcnqSfclS, bei Si>'c>lacK. Nr. 3< Sonntag, den 16. Januar IS±2. III. Jahrgang Motto; Entschieden, freisinnig, muthrosi und wudr. Schreiben -es Nabbinen H. in $. an den Heransgeber. Sie kennen mich, mein verehrter Freund! und wissen wohl, daß ich gleichwie Sie und die meisten unserer Amtsbrüder weit entfernt bin, das neue Gebetbuch des Hamburger Tempels für nicht streng religiös zu hallen. Nur gegen die Zweckmäßigkeit desselben habe ich ein Bedenken, das ich Ihnen zur Veröffentlichung in dem „Israeliten" mittheilen muß.' Wenn ich mir nämlich so manche Äeußerungen in den Vortragen der Prediger Kley und Salomon vergegenwärtige, wenn ich ferner erwäge, mit welcher Consequenz man schon in dem früheren Gebetbuche alle diejenigen Stellen, die irgend eine unlautere Vorstellung von den Hoffnungen Israels und der Besiegung seiner Feinde (der Feinde der Menschheit) zu enthalten scheinen, abgeandert, und sie mit den besseren der Siddurs in alter Zeit verrauscht hat: so ist es mir zur Gewißheit, daß die Gründer des Tempels nicht nur einen erbaulichen Gottesdienst einrichten, sondern auch ein reineres, erleuchteteres Judenthum repräsentiren, demnach durch die Anstalt zugleich reformatorisch auftteten wollten. Von dieser Idee scheint jedoch der Tempelverein nach und nach zurückgekommen zu sein, und es war dieses auch sehr natürlich, da im Verlaufe des Bestehens der Anstalt das Judenthum in Deutschland ohnehin sich reformirte und regenerirte; es bedurfte also dieses Elements nicht, beim Tempelgottesdienste so scharf hervorzutreten, sondern es mußte jetzt vielmehr dahin gestrebt werden, den verbesserten Gottesdienst dem Populär bewußtftin, das teilweise noch immer gegen ihn ist, näher zu bringen. Davon scheinen auch die Bearbeiter des neuen Gebetbuches ausgcgangen zu sein, weßhalb sie nicht nur wieder ältere Ritualien darin ausgenvmmen, sondern geradezu in dem Vorberichte erklären, daß die Tempclgemeinde sich nur in einigen Formen ihres Culrus von anderen israelitischen Gemeinden unterscheide, nicht aber in Religionslehren. Ist dieses aber der Fall, dann möchte ich fragen, warum man diesen Weg der Vermittelung nicht werter geführt, warum man nicht, um auch das Populärbewußtftin (das der jüdischen Theologen und höher gebildeten Laien ist natürlich langst dem Tempel gewonnen) auszuführen, nach dem Beispiele im Wiener Tempel, von der andern Fassung der betreffenden Gebetstellen abstrahirt und der hebräischen Sprache noch mehr Anwendung gestattet hat? Ich denke mir, man hat vor Augen gehabt, daß daS ohne sie im Fortschreiten begriffene Popularbewußtsein, sich doch immer mehr der Anstalt zuwenden und daß am Ende eine solche Accomodation an dem aufgeklärten Sinne der Tempelmitglieder selbst Anstoß finden werde. Doch genügt mir dieses, wenn ich damit das, wozu man zur Beruhigung des strengorthodoxen Sinnes sich doch verstanden, zusammenhalte, nicht ganz und es würde mir daher sehr lieb sein, und ohnehin zum besseren Berstandniß dieser Angelegenheit dienen, wenn ich von Ihnen oder mittelst Ihrer Zeitschrift von den Hamburgem selbst hierüber bessere Auskunft erhrelte.