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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-01-09 · Heft 2 (9.1.1842) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 2 (9.1.1842)
Date
1842-01-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I seinem persönlichen Unmuthe den Schein eines heiligen Zornes zu verleihen. — Aber er wird seinen Zweck gewißlich nicht erreichen; es wird vielmehr dieser Angriff nur dazu dienen, im Auslande sowohl, wie in Hamburg stlbst, dem Tempel neue Verehrer zuzuwenden. Gottlob! unsere Zeit ist eine ganz andere, und der Tempel, welcher bei seiner Errichtung dem Bewußtsein der Rabbinen, wie den der meisten Gemeinden entgegentrat, steht und wurzelt jetzt in beidem. Die nächste Folge des Bernaysischen Verdammungsurtheils wird also das Beistimmungsurtheil der meisten deutschen Rabbinen sein. Der Gottesdienst im Hamburger Tempel, dem bisher die neuen Rabbinen nur ihre stille Theilnahme zuqewendet, wird jetzt ein Gegenstand öffentlicher Besprechung werden, und mancher Israelit, der noch, eingeschüchtert durch das Ketzergericht des vidieb Habrith, gegen jenen Gottesdienst eingenommen war, wird sich ihm setzt mit frischem Muthe zuwenden können. Aber auch in Hamburg selbst, wo man über den Tempel nichts wußte, als was das Rabbinat von 1819 und der jetzige Chacham davon gehalten, wird das entgegengesetzte Urtheil anderer deutschen Rabbinen von nicht geringer Wirkung sein, wie denn durch diese Anfechtung von außen der Eifer und das Interesse der Tempelmitglieder selbst zweifelsohne einen neuen heiligen Schwung erhalten dürfte. So wird es sich denn durch diesen Vorgang auf's neue und herrlichste bewähren, daß jeder Kampf gegen die Wahrheit dieselbe nur weiter bringt, daß in den Händen einer göttlichen Weltregierung das Böse und Unlautere selbst das Mittel wird, die Herrschaft der Finsterniß zu vernichten, und das Reich des Lichtes, den Dienst und die erleuchtete Verehrung des einigen Gottes immer mehr zu fördern. Selch ich tr des Tages. Einen höchst betrübenden Eindruck bringt es hervor, daß Preußen in neuerer Zeit wieder die Bahn der Rechtsbeschränkungen gegen seine israel. Unterthanen verfolgt. So sind nach der neuen Landgemeindeordnung für die Provinz Westphalen die Juden selbst von dem Amte eines Dorfverordneten ausgeschlossen, wahrend nach der vom höchftseligen König erlassenen Städteordnung dieselben Stadtverordnete werden können. Man erinnert sich bei diesen Verfügungen der Worte deö jetzigen Königs, welche derselbe nach seiner Thronbesteigung an die Depu.ation der Berliner Judenschaft richtete: „Mit Vergnügen habe ich die schönen Worte vernommen, die Sie, meine Herren, eben an mich gerichtet. Sie sollen bei mir gut aufgehoben sein. Bei dem Patriotismus, den die jüdischen Gemeinden meines Staates und besonders die Berlins zeigen, läßt sich schon weiter bauen, und «S soll, verlassen Sie sich darauf, weiter gebaut werden. Wenn der seelige König daö Werk, das er begonnen, nicht vollendete, wenn in einzelnen Provinzen die bürgerlichen Verhältnisse der jüdischen Untcrt-an n, wie z.B. in Posen, noch zurückstehen, so lag dieS in Umständen, die man, ohne ungerecht zu sein, nicht beseitigen konnte. Meine Herren, ich bin, glauben Sie es mir, kein Anhänger der blinden Vorurr theile früherer Jahrhunderte;" man denkt an das, waS der König in dieser Beziehung noch kürzlich der Deputation der Schlesischen Israeliten eröffnere, „Ich habe bereits mit dem Staatsmmisrerium darüber gesprochen, daß die Amtsfähigkeit der Juden erweitert werde, und finde es für angemessen, daß die Bestimmungen, welche das Edikt vom 11. März 1812 für die Regulrrung der kirchlichen und Gemeindeangelegenheiten ln Ausficht stellt, ins Leben tretenund findet hierin Trost und Beruhigung für die Zukunst, und sagt sich, daß die Worte eines so frommen Königs nicht täuschen können, und daß die Zukunft im Großen und Allgemeinen zuversichtlich das gewähren werde, was vielleicht aus momentanen Gründen im Einzelnen die Gegenwart versagt. Was aber in dem hochgebildeten, gelsiesfreien Deutschland von der Zukunft noch erhofft wrrd, daS sieht in anderen Staaten schon jetzt das Helle Licht des Tages. So hat Dänemark kürzlich auch die Bekenner des mosaischen Glaubens für fähig erklärt, Mitglieder von Kirchspielvorsiänden und Amtsräthen zu werden. Desgleichen rst nach dem neuen Grundgesetze des Großherzogthums Luxemb u r g in die Devutirtenkammer jeder geborene oder naturalisirteLuxemburger, ohne Unterschied der Religio n, wählbar. Die vonCremieux errichtete Schule luKairo trägt schon jetzt goldne Früchte. Am 12.Sepr. fand eine öffentliche Prüfung in derselben statt. Die meisten europäischen Consuln, der armenische Bischof, sowie eine Deputation der griechischschiSmatischen Geistlichkeit wohnten derselben bei, und krönten die allgemeine Freude über die Fortschritte der Anstalt. Die Mehrzahl der Schüler laS französisch mit Leichtigkeit, rechnete schon die 4 Speoies und zeigte überall Talent und Ordnungsliebe. Die Mädchen machten hübsche Stickereien und zogen noch die Aufmerksamkeit durch ihre gute Haltung auf sich. Das Bedürfnis nach veredelten religiösen Institutionen thut sich jetzt auch im südlichen Frankreich kund, und die Bemühungen der beiden Rabbinen Cahen nnd Mark finden bei den Confistorien die lebhafteste Unterstützung. Letzterer hat sogar jetzt die Confrrma krön für die Jugend beiderlei Geschlechts eingeführt. Immer allgemeiner werden aber die mannichfache» Verbesserungen des Cultus in Deutschland. So sollen nach e»ner Verordnung des israelitischen Oberraths rm Großherzogthum Baden überall die Jugend in den Spnagogen» choralen unterrichtet und das Versteigern der gottesdienstlichen Eeremonien abgeschafft werden. Bei diesem immer mehr erwachenden bessern» Geiste in Deutschland muß das Treiben der Fürrher Zeloten gegen de» würdigen Rabbiner» Ur. Löwl; sie sollen mit den elendesten Waffen kämpfen, sich polltischer Denuncrationen bedienen und zu der schlechtesten Art der Finsterlinge gehören. Dennow werden »hre Klage» von der Regierung, welcher sie den Dr. Lörvi alt trat Haupt der von ihr gehaßten Neologie schildern, gehört. — O möchten -och alle

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