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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1842-01-09 · Heft 2 (9.1.1842) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
3 (1842)
Issue
Heft 2 (9.1.1842)
Date
1842-01-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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8 bessergesinnte» baierschen Israelis» sich vereinen, und -er Regierung so klar und so evident als es in Wahrheit ,si zeit ge«, baß wenn eS auf N e o l o g i e ankommen sollte, es keine größere Neologen gegeben, als die früheren Rabbinen, die z« der rem mosaischen Lehre noch hundert und tausend fremdartige Gebote und Satzungen hinzugefügt haben; daß aber die neuen Rabbine», welche nur darnach streben, das Judcnthum zu seiner ursprünglichen Reinheit zurückzuführen, es in Einklang zu bringen nut den Forderungen einer höheren Sittlichkeit und einer von allen deutschen Regierungen gewünschten Cwilisation, keineswegs jenen Namen verdienen. Den weitesten Begriff von Neolog i e scheint aber der Rabbiner S. m M. (bekannt durch sein Benehmen regen den würdigen Landrabbinen Friedländer) zu haben, indem er je-, nen Begriff auch auf Mäßigkeit und Billigkeit rn Erhebung von RabbrnatsgefaUen (selbst wenn sie durch einen Vertrag geboten ist) aüsdehnte. Allein die königliche Regierung in Llrensberg war nicht dieser Meinung, sondern hat den Herrn Rabdinen bedeuten lassen, sich künftighin auf die rn jenem Vertrage enthaltenen Ansätze zu beschranken, widrigenfalls er wegen 'Erpressungen werde zur Untersuchung gezogen werben; auch dem Obcrrorsteber Heuwitz rn Soft aufgegebcn, etwaige Ueberschreitungen sogleich berichtlich der Regierung anzuzelgen. . , . So eben kommen uns zwei neue Schritten zur Beurtheu lung zu, die erne von Dr. G. Salomo., über das neue Hamburger Gebetbuch und ferne Verketzerung weist mit den schlagendsten Gründen die Unhaltbarkeit jenes VerkctzerungsversucheS nach, die zweite unter dem Titel „der wahre Sabbarh" sucht die Gründe für die Verlegung des israelitischen Sabbaths zu widerlegen. Wir werden auf beide Schriften noch ausführlich zurückkommen. Die Berge und Thüles in dem Gebiete -es ifvaelitifchreligrÄferr Lebens. *) „Denn getheilt und gespalten ist das Haus Israel, und wie einst sein Stammvater Jacob kann dieß heute von sich sagen: „Mit meinem Wanderstabe bin ich durch die Fluthen des tausendjährigen Mißgeschickes gefahren, und nun, da die Stürme nicht mehr so gewaltig toben und ich mich dem ersehnten Hafen nabe glaube, sehe ich mich in zwei Lager getheilt." Das eine Lager stellt sich auf die Höhen der Zeit und will nur der Anerkennung und Geltung zugestehen, was vor ihrem freien und unbeengten Forscherblick bestehen kann. Das andere Lager verschanzt sich in einem engen Thale und will auch kein Fußbreit aus seiner Verschanzung weichen. Alles, was in diesem engen geschichtlichen Kreise einst Geltung hatte, soll für die Ewigkeit, unbekümmert um Zeit und Raum, seine Geltung behaupten. Zwischen *) Aus einer Predigt deö Land-Rabbinen Df. Holdheim in Schwerin, betitelt „Zuruf an die israelitische Gemeinde m Frankfurt an der Oder." Bei dieser Gelegenheit müssen wir unser aufttchtiges Bedauern darüber anssprechen, daß der Redacteur des'Orients sein sonst so gediegenes und allgemein zu empfehlendes Blatt einem höchst partheüschen und gallsüchtrgen Urtheile über die Vorträge und dreWtrkjamkeit des Dr. Holdheim öffnete, und es wäre nicht nöthig gewesen, daß Letzterer selbst darüber ein Wort verlor, da seine Leitungen aller Welt vorlicgen und bereits überall die rühmlichste Anerkennung gefunden haben. Die Redaction. beiden feindlichen Lagern streckt sich eine große Ebene des religiösen Lebens aus, die, weil von so Wenigen betreten, einer Wüste gleicht. Auf dieser steht der religiöse Führer der Gemeinden. Steigt er mit Jenen auf die Höhen, so läßt er die Andern im Thale zurück. Senkt er sich mit Diesen herab, so verliert er Jene in der Höhe. Daher: „Eine Stimme rufet" — es ist die Stimme Gottes — „in der Wüste bahnet den Weg des Ewigen, ebnet in der Steppe eine Straße unserem Gotte! Jedes Thal hebe sich und jeder Berg senke sich, und es werde die Krümmung zur Ebene und die Hügel zur Fläche." Die auf den Höhen mögen bedenken, daß man auf den Bergspitzen, wo die Luft so rein und der Blick so frei ist, wohl einige Stunden behaglich verweilen, aber nicht für's ganze Leben da zubringen könne, denn es fehlt an hinreichender Lebenswärme. — Und also auch mit dem Leben des Geistes, mit der Religion! Man kann nicht immer in den geläuterten Sphären der freiesten Anschauung verweilen. Es muß der Glaube, der heilige, göttliche, feurige Glaube das Gemüth erfassen, den Geist erleuchten, aber auch das Herz erwärmen, ernährenden und erwärmenden Lebensstoff ftw's ganze menschliche Dasein, in allen seinen Thcilen und Lagen, ausreichend gewähren. — Und die im Thale mögen auch ihrerseits wohl beherzigen,^ daß, so lange Israel von den großen und offenen Märkten und Plätzen des geistigen Lebens und Treibens zurückgedrängt war, es allerdings in ein enges Thal sich einschließen mußte, dem alle Zu- und Ausgange verschlossen waren. Und war die Lust auch noch so schwül und drückend, der Aufblick noch so sehr beengt, so bot es doch wenigstens eine Zufluchtsstätte dar zur Wahrung und Erhaltung des Glaubens und der auf dem Heerde dieses Glaubens gepflegten geistigen Kraft und genährten Empfänglichkeit für "bie Entwickelung alles Hohem und Edlen. — Nun aber können wir nicht mehr in diesem engen Thale frei athmen. Die Fluthen der Zeitideen, die trotz aller Damme und hemmenden Wehr von den Höhen des Lebens und der Gesittung in das Thal eindringen und von dem alten Schatz ein Stück nach dem andern mit sich fortreißen, drohey noch größere Zerstörungen, wenn wir uns nicht nach der Ebene flüchten, wenn wir nicht das Thal der Trübsale in eine Pforte der Hoffnung zur Erhaltung und Rettung des Glaubens verwandeln. — Von beiden Seiten muß nachgegeben werden; die Einen müssen ihre Berge und Hügel und die Andern ihre Thäler und Schlupfwinkel verlassen, und Beide sich entgegenkommen und in der Ebene, dem Standpunkte des geistlichen Führers, zusammentreffen. Jedes Thal hebe sich und jeder Berg und Hügel senke sich, und cs werde die Krümmung zur Ebne und die Hügel zur Fläche." Dann wird die Stimme des Lehrers nicht mehr in dieser weiten Wüste verhallen, und es wird ihm gelingen, seine Gemeinde aus dieser Wüste des religiösen Lebens in das gelobte Land der Verheißung, in das Land der Religion und Gottesfurcht, in das Land der Hoffnung und des Trostes einzufübren." Druck und Verlag von F. Schusser in Hereftlo.

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