Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-09-05 · Heft 46 (5.9.1841) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 46 (5.9.1841)
Date
1841-09-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2566752-2566799--0234-2567835
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

183 Hand gehen, in welcher eben sowohl Freude und Lebensgenuß und Besitzesfülle, als Tugend und Frömmigkeit und Gottseligkeit blühen, in welcher beide Seiten des Lebens zu einer großen und göttlichen Einheit (zu der, welche das Gottcsbcwußtsein, das Gottesgesetz vermittelt) sich vermählen sollten. Wenn nun dennoch zuweilen das äußere Moment im mosaischen Gesetze zu prävaliren scheint, wenn namentlich bei den dargestellten Folgen des Gehorsams oder Ungehorsams gegen die göttlichen Vorschriften mehr das irdische Unglück und Wohlergehen hervorgchoben wird, so geschah dieses nur wegen der Israeliten jener Zeit, in welchen, wie im ganzen Alterthum überhaupt, noch die äußere Seite des Lebens prävalirte, in dem göttlichen Gesetze selbst waren aber beide Seiten auf die rechte Weise vermittelt, es hatte sich's zum Ziel gesetzt, durch das religiöse Bewußtsein, durch die Hinschauung auf den Einigen, die wahre Einheit zwischen Körper und Geist zu begründen. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Was ist von größerem Interesse für die Geschichte unserer Zeit, was verdient mehr in die Spalten aller ihrer Organe überzugehen, als die Worte, die ein hochgeachteter Bolkslehrer über die Quelle unseres Heils, über die religiöse Erziehung der Jugend spricht. Solche Worte haben wir in der Rede vor uns, die Dr. Salomon in Hamburg bei der letzten Confirmation im dortigen Tempel gehalten, und wir beeilen uns daher, sie unfern Lesern wieder zu geben: "Man hat geglaubt (sagt der treffliche Redner) in einem bessern und gründlichern Unterricht in Wissenschaft und Kunst den Jünglingen und Jungfrauen einen Schild zu geben gegen Alles, was den Menschen entwürdigen und zur Gemeinheit herabziehen könne. Ein durch Kunst und Wissenschaft gebildeter Jüngling, dachte man, könne die schmutzigen Pfade des Lasters nicht so leicht betreten; eine durch Kunst und Wissenschaft veredelte Jungfrau müsse einen Ekel empfinden gegen die Anforderungen gemeiner Seelen. Und in diesem Glauben öffnete man auch unfern Kindern die Pforten der Künste und Wissenschaften: man machte sie vertraut mit Geschicht- und Länderkunde; vertraut mit den Merkwürdigkeiten der Natur und dem Sprachschatz fremder Völker; wo ihr cs gar nicht vermuthct, in kleinen und niedrigen Hütten, entzückt euer Ohr Saitenspicl und Gesang, labt sich euer Auge an den Gebilden der Kunst, die die zartesten Hände geformt. — Das ist Alles sehr gut und löblich, m. L., und kein Vernünftiger wird diese wissenschaftlichen Bestrebungen zu tadeln wagen. Das Eine aber bedenkt: Kunst und Wissenschaft schmücken und zieren das Haupt unserer Kinder; nur wahren und schirmen sie das Herz nicht, von dem geschrieben steht, es sei böse von Jugend auf (1 Mos. 8, 2t). Gegen Begier und Leidenschaft können Kunst und Wissenschaft nimmer schützen; gegen Verlockung und Verführung können Kunst und Wissenschaft nimmer schirmen. Das konnten sie in weit einfachern und fittlich-bessern Zeiten nicht, wie sollten sie es jetzt können, in Tagen, denen man doch, und wenn man noch so nachsichtig wäre, den Charakter der Frivolität nicht absprechen kann; in Tagen, iu welchen Knaben, Kinder mit dem Namen von Lastern bekannt sind, die vormals Jünglinge, Männer kaum wußten. — Oder kennt ihr keine Jünglinge und Jungfrauen, die, trotz ihrer Vertrautheit mit Kunst und Wissenschaft, dennoch ihren schönen Jugendmorgen entweihen? die, trotz ihrer feinen Bildung, Tugend und Unschuld vergessen, Vater und Mutter verhöhnen, ihre männliche Würde, ihren weiblichen Adel in den Staub treten? Die Gottesfurcht fehlt, der Weisheit Anfang und Ende. — Nicht angehalten, nicht aufgemuntert, nicht geübt wurden die heranzubildenden Menschen, ihres Schöpfers zu gedenken in den Tagen ihrer Jugend (Pred. 12, 1). Die thörichten Eltern; he unweisen Hausfreunde; die oberflächlichen Erzieher wähnten, es hätte die Jugend an dem empfangenen Unterricht in Wissenschaft und Kunst genug für's Leben, Licht genug, Wärme genug, Schutz genug — Stärke genug. Unseliger Wahn'. Kunst und Wissenschaft allein werden nie und nimmer des Menschen innerstes Wesen ergreifen und befestigen. Das vermag einzig und allein die Gottesfurcht, die uns in allen unfern Obliegenheiten Gottes Gebote zeigt und einschärft. Väter und Mütter, die ihr mich heute höret, merkt auf die Worte, die ich euch im Namen Gottes zu Herzen führe. Freuet euch der irdischen Gaben, die rhr besitzet, aber bauet und trauet nicht auf ihren Besitz. Der Reichthum ist eine Segensblüthe — aber keine Segensfrucht! Theilt nicht den sündlichen Wahn, den viele Eltern schon sehr theuer büßen mußten, daß ihre Söhne und Töchter im Besitz der irdischen Güter der himmlischen Schätze entbehren können; theilet nicht den Wahn, daß ihr mit dem, was die Erde giebt, das Liebste, was ihr habt, zu versorgen, sicher zu stellen im Stande seid. Der hat Vermögen und Reichthum in seinem Hause, der Gott fürchtet, sagt unser Text. Nur gottesfürchtige Eltern, die ihre Kinder zur Gottesfurcht erziehen, können und werden denselben — einen unerschöpflichen Reichthnm aufbcwahren. Pflanzet euren Kindern Gott in das Herz, in den Geist, in das Leben'. Gebet cuern Kindern — unfern Gott, der da ist gütig und liebevoll, aber auch gerecht und heilig, ihn, der uns nicht blos in der Güte und in der Liebe, srndern auch in der Gerech igkeit und in dcr Heiligkeit zum Vorbilke dienen soll. Verhelfet ihnen zur echten und rechten Religiosität, die nicht blos in schönen Worten und Redensarten besteht, die auch die frivolsten Menschen über die Lippen bringen, sondern die da in einem streng-sittlichen, sittlich-frommen, sittlich-gediegenen Leben besteht. Verhelft ihnen zur wahren und tiefen Religiosität, die sich nicht sowohl in leeren Formen und todten Buchstaben, als vielmehr in heiligen Gesinnungen und erhabenen Handlungen zu erkennen giebt: den Gott des Lebens gebet ihnen, den Gott, den die Väter verehrten, den Gott der Schrift, der auf die Menschen schauet und Acht hat auf ihren Wandel. Die Religion und die Religiosität, die euern Kindern geworden, durch euch geworden, durch 'euer Beispiel geworden, durch eure Vermittlung geworden — in eurem Hause geworden, die ist und bleibt eurer Kinder ewiger Halt und Verlaß! Die Anleitung, die Ermunterung durch Worte und That zu einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.