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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-08-22 · Heft 44 (22.8.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 44 (22.8.1841)
Date
1841-08-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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175 bessere Zukunft Israels zu bestärken, ja sic zur frohen Zuversicht zu erheben. Die eine ist die, daß selbst die alten Rabinen (ich meine alt nach ihren Gesinnungen, ihren Zähren nach können sie, wie leider die Erfahrung zeigt, noch jung, sehr jung sein) sich nicht mehr jeder Verbesserung widersetzen. Daß in O — m deutscher Ehoralgcsang mit Zustimmung des Mainzer Nabinats-Verwcsers cingeführt wurde, habe ich Zhnen schon erzählt. Aber auch in Mainz ist dieses geschehen, und selbst Hr. Auerbach in Darmstadt hat den Muth gehabt, die Piutim vor Schemonah Esrah abzuschaffen. Zn Manheim, Earlsruh und anderen Gemeinden des Großherzogthums Baden gewahrt man jetzt ebenfalls manche Verbesserungen beim Gottesdienst, unv namentlich ertönt überall geordneter feierlicher Gesang, und alles dieses ist mit Zustimmung der alten Rabbinen geschehen. Das ist, wie ich glaube, von großer Wichtigkeit, denn es liefert nicht nur den Beweis, daß die separatische, starrrabbinische Ansicht selbst in ihren Vertretern von ihrer Strenge nachgelassen, indem diese jetzt das gestatten, was noch vor nicht langer Zeit ihre Kollegen im n>"Qn '121 verdammt hatten, sondern man sieht auch hieraus, daß die bessere europäische Gesittung doch den Einfluß auf die alten Rabbinen ausübt, daß sie, wenn auch selbst ihr noch fern stehend, doch ihre Wirkung aus den größeren Thcil ihrer Gemeinden zu begreifen anfangen, und sich darum dem, was sie hinsichtlich des Gottesdienstes erheischt, nicht widersetzen mögen. Die andere Wahrnehmung ist nach der entgegengesetzten Seite hin; aber sie ist eben so wichtig, ebenso erfreulich, als die erste. Ich habe nämlich durchaus nicht gefunden, daß unseren Aufgeklärten ein solcher Jndifferenlismus inwohne, wie man ihnen gewöhnlich Schuld gibt. Mag es sein, daß sie auch da, wo ein veredelter Gottesdienst eingeführt ist, ihn doch nicht so fleißig besuchen, als die fromme Parthei; aber das ist noch kein Beweis von Jndifferentismus, von Lauheit der Gesinnung. Es gibt eine Stufe der Intelligenz, wo man glaubt, das Förderungsmittel innerer Frömmigkeit durch den Gottesdienst weniger zu bedürfen, aber ist man deßhalb indifferent? Hat man dcßhalb ein weniger lebhaftes Interesse für das wahrhaft Große und Heilige? Oder ist es immer ein Bedürfniß des Herzens, was die Orthodoxen in die Synagoge führt? Zst es nicht öfterer die Betrachtung des Gebetes als ein opus-opvrntuin, als eines Dienstes, dessen man sich zum Heile seiner Seele entledigen mußte? Zch sollte meinen, daß der eigentliche Jndifferentismus überall mehr, als im Schooße unserer Glaubensgenossen angetroffen wird. Dafür spricht ja auf das Deutlichste ihr Beharren im Judenthum, ihr Verbleiben bei ihren Brüdern? Würde dieses bei dem Drucke von außen, bei den vielen Beschränkungen, welche die bürgerliche Gesetzgebung uns noch auflegt, der Fall sein, wenn nicht eine innige Anhänglichkeit an dem reineren Glauben Israels in ihnen lebte? Würden sie auf der anderen Seite bei dem traurigen Zustande unserer inneren Angelegenheiten, bei dem gänzlichen Mangel an religiöser Ansprache und Erbauung, wie ihn oft die jetzige Beschaffenheit unseres Gottesdienstes mit sich bringt, dennoch sich nicht hierdurch beirren, entmuthigen lassen, wenn sie nicht von einer viel größeren Liebe zu ihren Brüdern, als man gewöhnlich annimmt, erfüllt wären? Nein, daß selbst unsere Aufgeklärtesten, sobald nur etwas für Hebung des Gottesdienstes geschieht, sobald nur Würde und Ordnung bei ihm eingeführt und ein erbauliches Element in ihn hineingrbracht wird, auch vie lebendigste Theilnahme beweisen, und umgekehrt auch die alten Rabbinen nicht mehr den dringendsten Verbesserungen, welche die unabweisbare Stimme der Zeit fordert, wieverstreben, das flößt mir große Hoffnungen für die Zukunft ein, das überzeugt mich, daß die Bewegung zum Bessern überall vorhanden ist, und daß beide Theile auf ihre eignen Ansichten resigniren, beide eine wahrhafte Selbstverleugnung üben, um nur den Fortschritt, der den Meisten Roth thut, von den Meisten gewünscht wird, ausgeführt zu sehen. Roch etwas muß ich Ihnen schließlich mittheilen, was Sie und Ihre Leser nicht minder interessiren wird: In Heidelberg erzählte man mir nämlich, der bekannte Professor Zachariä habefxüher, so oft er in der Rechtsgeschichre auf die Verhältnisse der Juden gekommen, sich über dieselben in alter, unfreundlicher Weise ausgesprochen; seit einigen Jahren aber bemerke er immer, wenn er dieses Kapitel bespricht: Meine Herren, ich habe früher eine befangene Ansicht über diesen Gegenstand gehabt, bin aber nunmehr durch die Schriften eines gewissen Rießer eines Besseren belehrt worden. Ich empfehle Ihnen dieselben, wenn sie sich über diese hochwichtige Sache eine gerechte, freie Ansicht verschaffen wollen. — Sie sehen daraus, wie auch auf unsere deutschen Gelehrten, wenn sie auch sonst lange an engherzige Ansichten hängen, und sich nicht so leicht auf den universellen Standpunkt der Gesetzgebung anderer Staaten erheben können, das freie, gediegene Wort endlich doch einwirkt, und wie man daher nicht ermüden sollte, auf diesem Wege die Reformation des deutsch-politischen Bewußtsein zu bewirken. Ehre den warm schlagenden Herzen im kalten Norden. Im Priesterstande des schwedischen Reichstages hatte ein Mitglied die Einschränkungen der den Israeliten zugestandencn Freiheiten beantragt, aber schon bei den vorläufigen Bcrakhungen darüber sprach sich eine allgemeine Mißbilligung aus, im Ausschüsse wurde der Antrag völlig verworfen, und als er zum Priesterstande znrückkam, wurde er nur von zwei Mitgliedern und auch von diesen nur sehr schwach unterstützt. Hingegen sicht es in einem Lande des Südens, in dem sonst so gesegneten Baiern, in Beziehung auf den Zustand der Israeliten fortwährend trübe aus. Zn den bürgerlichen Verhältnissen bleibt es, wie seit 25 Zähren, beim Alten, nur daß hin und wieder eine veraltete Bestimmung erneuert und ein oder der andere 8. des Edikts vom 10. Juni 1»13 in einem umfassend beschränkteren Sinn gedeutet wird. Sonst werden die 50,000 Juden von der Gesetzgebung, wie von der Verwaltung, ignorirt. Zn religiöser Beziehung befolgt das Gouvernement ebenfalls sein bisheriges System. So hatte die Regierung in Mittelfranken dem Rabbiner Dr. Loewi eine Verbesserung der Statuten des Toetenbrüderinstituts übertragen, diese Verbesserungen genehmigt und dem Magistrate von Fürth zur unverzüglichen Einführung zugestellt. Darauf wandten sich die Todtcnbrüder und die sogenannte schwarze Parthei an das Ministerium. Dic'es verwarf durch Rescript vom 19. Januar d. I. die durch RcgirrungSschluß bereits zur Einführung vorliegenden revikirten Statuten, und die Todtenbrüderschaft darf ihre alten Statuten behalten. — Besser ist es da in einem andern deutschen Lande, im Großherzogthum Mecklenburg-Schwe«n. Auf daS Eifrigste un-

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