Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 44 (22.8.1841)
- Date
- 1841-08-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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174 sehung; wir hörten Mahnungen vom Himmel, Reden, bald in Worten, bald in Thaten, aller möglichen Art, die sich bei dem Volke Eingang verschaffen wollten, um es zu erwecken, zu berufen, zu retten, zu bewahren. Wir sahen Männer anftreten, deren Geist bisweilen den Schranken der Endlichkeit entnommen war, heilige Zeugen dessen, der da wohnt Ln einem Lichte, dahin Niemand dringen kann, Zeugen davon, daß der Jehova, der sich dieses Volk erwählt, der versprochen, daß es das Heil der Welt werden sollte, noch derselbe sei. Mit Schmerzen sahen wir, wie oft diese Stimmen in der Luft hinstarben, den Leichtsinnigen ein Gegenstand des Spottes, den Thoren des Hohngelächters - bis der Engel der Gerechtigkeit Jchova's sein Schwert über die Einwohner Judäa's auestrcckte, bis die Paläste Jerusalems in Asche verwandelt waren, bis wilde Thiere in dem Lande brüllten, über welchem die Barmherzigkeit ihren Segen ausgcbrcitct hatte. Wo finden wir eine solche zusammenhängende Reihe göttlicher Anstalten? Ob wir auch wandern von einem Volke zum andern, von Geschlecht zu Geschlecht, in alle Erzählungen der Chronik eindringen, den Berichten aller Völker nachgehen, nirgend finden wir eine solche Gnundanfi'cht, wie hier, nirgend dieselben heiligen unveränderlichen Wahrheiten in solcher Form, nirgend eine so reine Luft, nirgend geistige Sachen so mit geistigen Worten ausgesprochen, wie bei dem jungen, unbekannten, und doch so wichtigen Volke — dessen Geschichte ist die Geschichte des Reiches Gottes! Dieses im Ganzen, was die großen Umrisse anbelangt. — Sehen wir aber hin auf die einzelnen Gestalten, welcher Reichthum eines bestimmten, eigenthümlichen Gepräges har sich da unfern Blicken entfaltet! Nicht bloß jene Heroen der Menschheit, die als Flügelmänner heiliger, aufs Neue hervortretender Schaarcn dastchen, nicht bloß die Schöpfer neuer Zeiten, deren mächtige Hand die Nationen über die Schranken ihrer Zeit hinaus führen, sehen wir in der heiligen Geschichte. Wie oft wurden wir nicht hineingcführt in die engen Schranken des häuslichen Lebens, sahen den Menschen blos als Menschen, Könige imd Fürsten, Gelehrte und Weise, Männer und Weiber, alle hervortretend in ihrem wahren menschlichen Charakter, hier glühend vom heiligen Eifer, den Willen Gottes zu erfüllen, dort ein Spiel zerreißender Leidenschaften; hier gekleidet im kräftigen Panzer des Muths, dort schwach sinkend unter der Last der Pflicht; setzt erhabene Verkündiger der Erkcnntniß Gottes, jetzt Sclaven abscheulicher Abgötterei? alle Formen der Menschheit wurden vor unsre Augen geführt, und der Maßstab ihrer Beurthcilung war überall nur das Verhalten ihres Herzens zum Willen Gottes. Wie mannigfaltigen Blumen lieblichen Duftes begegnete unser Blick nicht in jenem Garten des heiligen Landes? Wo finden wir einen ähnlichen Reichthum entfaltet, als in den Büchern, deren Inhalt uns in den verflossenen Stunden beschäftigt hat. Der fromme Noah, der hochherzige gläubige Abraham, der schwache Isaak, der in Leiden geprüfte Jacob, die hartherzige Grausamkeit seiner Söhne neben der kindlichen Frömmigkeit Joseph's, der kalte Pharao, der mcnschlr'chgroße Moses, die ruhige Bescheidenheit Josua's, die rasche Kühnheit Gideon's, die blutdürstige Grausamkeit Abimclech's, die traurige Kraft Simsons, Samuel's ehrwürdiger Ernst, der unglückliche Unglaube Saul's, das edle, weibliche Herz der Ruth, der lcbeusfrische königliche Hirte David, das glänzende Elend Salomo'ö, die Furie in der Gestalt Jesabel's, Ahab's Schwachheit neben der gigantischen Kraft des Elias und Elisa, der mürrische Mißmuth des Jonas, die himmlischen Reden des Esaias, die wehmüthigen Klagen des Jeremias, diese und mehrere andre Charaktere, die sich im Vorhergehenden unserem Auge dargestellt haben, geben uns eine reichliche Gelegenheit, die Führungen Gottes mit den Menschen zu kennen; das Herz kennen zu lernen, seine heimlichen Falten, seine unruhigen Begierden, seine Leidenschaften und Wünsche, Hoffnungen und Sehnsucht. Alle werden bcurthcilt, nicht nach ihrer äußeren Lage, nach ihren zufälligen Vorzügen und Mängeln; das Gesetz Gottes ist der Maßstab, die Richtschnur für die Beurthcilung der heiligen Männer, eine Reget,_ die zu jeder Zeit anzuwenden ist. - Und so lange Menschen auf Erden leben, werden sie sich stärken und erwecken an dem Beispiel der Heiligen, gewarnt werden durch das schreckliche Elend, welches dem Laster treu auf den Fersen felgt; so lange cs Herzen gibt, die fühlen können, sollen sic Theil nehmen an den heiligen Werken jener redlichen Streiter, durch sie zum Siege in der Stunde der Versuchung gehoben werden, angewehet von dem Geist jener Gottcsmänncr, erleuchtet durch ihr erhabenes Beispiel. Nicht reine, himmlische Gestalten, deren Schulter die allgemeine Last der Sünde entnommen war, sind unscrm Blicke begegnet; wir wurden nicht hingestellt in jene Gegenden, wo das Erdenleben aufhört; das sehen wir aber, wie der Mensch streitet und obsiegt, wie er hingerissen wird und fällt, und zwar das in diesem Leben. Unter der mannichfaltt'gsten Abwechselung, in der reichsten Menge erschienen die verschiedensten Bilder, und alle Empfindungen fanden ihre Sprache und alle Gedanken ihre Worte uud alle Begierden ihren Ausdruck, so daß ein Jeder, der redlich suchte, finden konnte, was ihm besonders nörhig war! Geschichte des Tages. Bericht eines Reisenden über die israelitischen Zustände in einigen deutschen Ländern. (Schluß von 43.) Zwei Wahrnehmungen sind es noch besonders, die mich auf meiner Reise sehr glücklich gemacht haben, weil sie mehr als alles Andere geeignet find, mich in meiner Hoffnung auf eine