Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 44 (22.8.1841)
- Date
- 1841-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des mmlzctznlk« WrhmhE Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben l>r. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Etsenach. Nv.?l?i* Sonntag den 22. August 1841. II. JahvgaNg. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Israels charakteristische Beschaffenheit. (Schluß von M 43.) Zwischen zehntausend Altären, die den selbstgemachten Göttern, Werken eigener Hände von Holz und Stein, errichtet waren, stand ein einzelner Altar des höchsten Gottes. An diesem sahen wir das fromme Antlitz des ehrwürdige Abraham's, hörten, wie Gott mit ihm sprach, ihm verhieß, daß in seinem Geschlechte alle Geschlechter! der Erde gesegnet werden sollten, daß aber dieses Ge-! schlecht in einem fremden Lande Knechte sein sollte. Wir? folgten ihnen, bis sie sich zur Ruhe begaben in diesem! Lande ihrer Pilgerschast, die hohen Stammväter dieser! neuen Familie; mit dem Letzten fiel der Vorhang der! kütiftigen Begebenheiten nieder. Ueber vierhundert Jahre! hörten wir keinen Laut von ihm, keine Schatten steigen aus dem Grabe der Vergessenheit empor. Da öffnete in der Fülle der Zeit der Schöpfer des Htmmels und der Erde seine Wolken wieder, gab einem Manne, genommen aus der einsamen Wüste, die erhabene Bestallung göttlichen Berufs; der Getreue, Unveränderliche, der, welcher ist, der er ist, Jehova, will Gott setzt genannt sein; ein Volk will er sich kaufen aus der Mitte der Völker. Wir begleiteten den edlen Mittler zwischen Gott und den Menschen, jenen Moses mit dem starken und sanften Herzen von dem Augenblick an, da er lag, ein neugebornes Kind unter dem Schilfrohr des Nits, bis er hundertundzwanzig Jahre alt, vom Munde Gottes gesegnet in heiliger Verklärung starb; wir standen mit ihnl auf jenem donnerttden Berge, wo der Bund bekräftigt wurde, durch welchen Israel auserkohren wurde aus den Völkern der Erde; kein irdischer König sollte ihr Oberhaupt sein; Gott selbst will eS mittelst seines heiligen Gesetzes an sich fesseln. Die Donner Sinai hörten wir oft erschallen in den Tagen der Wanderung; der Blitz Horebs schlug nieder auf die bösen Wege des Volks. Wir sahen dieses, das Volk Gottes, mit den schönsten Verheißungen des Segens umgeben, aber auch gebunden an dem Drohen schrecklichen Fluches, endlich hingepflanzt in das Land, wo seine Väter gewohnt hatten. Unser Geist harrte nur, die Fülle der Glückseligkeit, die sich über die auf wunderbare Weise Erlösten ergießen sollte, zu schauen; aber unsere Erwartung wurde ofr getäuscht. Nicht Gott, sondern Israel brach den Bund, und die ganze Geschichte des Volks ist ein Spiegel göttlicher Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, im menschlichen Leben ausgeübt; wir sahen den Herrn unter ibnen, keinen Augenblick hat er ihrer vergessen. Das frischbewegte jugendliche Leben der Richterperiode zeigte uns die Liebe Gottes, immer reich genug um zu vergeben und zu helfen; unter den verschiedensten Formen traten die helfenden Kräfte Gottes hervor, immer übereinstimmend damit, wie cs die Zeit erheischte. Auch den Moment sahen wir eintreten, da das Volk einen irdischen K önig begehrte, einen sichtbaren Repräsentanten der herrschenden Gewalt. Es wurde erlaubt; aber nur einen sahen wirgesalbt mit dem heiligen Oel des Geistes, und an dem erhabenen Namen David's knüpfte sich die Verheißung einer Befreiung, hoher als je eine Zeit es geahnet hatte. Der gerechte Gott schrieb das Schicksal des Volkes in den Jahrbüchern seiner Bor-