Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 43 (15.8.1841)
- Date
- 1841-08-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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170 sie gab dem Volke seine Grundverfassung, prägt sich ab Ln seinen religiösen Gesängen, heiligt seine Kämpfe, fördert seinen Wohlstand, hindert sein Unglück, llns sind diese religiösen Begriffe etwas Gewöhnliches; wir sind in und mit ihnen aufgewachsen. Auch die wärmende und nützliche Kraft des Feuers sehen wir täglich, brauchen wir jede Stunde; doch erstaunen wir über das Genie dessen, der die verborgenen Kräfte erst gefunden hat. Wie nun ein solches religiöses Volk, dessen Erscheinung verschieden ist von demjenigen, das uns sonst begegnet, gebildet, geleitet, bewahrt wurde, wie unter allen Verirrungen sich doch ein wahres Gottesreich ausbreitete, ein wirkliches Israel, das die Verheißung des Segens an alle Geschlechter der Erde bringen sollte — dieses hat uns die bisher erzählte Geschichte dargcstcllt bis zu dem Moment, da der ganze Plan zu scheitern und die Auscrwähltcn, wie ein Tropfen im Occan der Völkerschaften verschlungen zu werden schienen. Alles, was dazu dienen konnte, das erhabene Bewußtsein der Erwählung hervorzurufen, findet hier seine Organe. Seine Wurzel hat das Volk in der Urzeit der Menschheit, und die Offenbarungen, die ihm zu Theil wurden, sind nicht wie die Sagen der Heiden von neuen Göttern, die auf einmalzu diesem oder jenem Lande kamen, und neue Kenntniste mit sich brachten. Der Gott, der das ferne Volk herwinkt, „dessen Pferde schneller sind, als die Adler, und Jerusalem ihrer Sünden halber zerstört, ist derselbe, der mit Adam im Paradiese redete, derselbe, der die rettende Arche für den zweiten Stammvater der Menschen zuschloß; derselbe, der den Abraham in Mamrehain besuchte, dem David eine ewige Königskrone verhieß und die heilige Flamme der Prophezeiung in der Brust erhabener Seher anzündcte. Seine Offenbarungen sind zwar verschieden, kindlich in dem Kindesalter der Menschheit, streng in den ernsten Tagen des Gesetzes, kräftig in der Periode der Richter, erhaben, geistig, unaussprechlich groß in Zeiten, in denen der Leib sich vor der Macht des Geistes beugen soll. Aber immer ist cs derselbe Gott, der sich offenbart; keine folgende Lehre vernichtet die frühere; keine neue Zeit wirft das um, was die frühere gelehrt hat. — Dieses ist das Gepräge des Göttlichen in der religiösen Geschichte Israel's; hier werden keine neuen Systeme, die einander ablösen, aufgebaut; das Grundbewußtsein von dem allmächtigen, heiligen, gerechten, erbarmenden Gott hören wir in der Morgenstunde der Schöpfung, „da die Sterne ihr Jubellicd anstimmten," hören wir im Leichengcsang über den Fall Jerusalems; dieselben ewigen undenklichen Wahrheiten, die der Hirtensohn Jacob auf dem einsamen Felde hörte, welche auch von der Harfe David's erschallen: „Ich bin Jehova, und keiner außer mir" — ist das unvertilgbare Bekenntniß des wahren Israel's. Bemerken wir auch, wie bei den Propheten, einige Fortschritte, so sind doch nicht neue unbekannte Lehren da; die Wahrheit windet sich nur aus ihrer Hülle, es ist der Geist nur, der den Buchstaben des Symbols entsteigt. — Die Geschichte des Reiches Gottes, — das war der Name, mit welchem diese Geschichte bezeichnet wurde, wodurch sie sich von allen andern absonderte. Wir wurden nicht eingeführt auf die engen Pfade der Wissenschaft, auf welchen der Geist sich schwierig bewegt; nicht kalte, nackte Lehren stellten sich unserm Bilde dar, sondern in den großen und kleinen Scencn eines frischbewegten, abwechselnden Volkslebens wurden die wichtigsten Lehren der Menschheit ausgesprochen, traten die größten Wahrheiten in leiblicher Form hervor, gestalteten die heiligsten Erkenntnisse sich in sichtbarer Erscheinung. Es läßt sich wahrlich nicht läugucn, daß, wenn wir die Jahrbücher der Geschichte aufschlagen und cs verstehen, die gehcimnißvolle Bilderschrift der Natur zu lesen, so werden wir auch da Spuren entdecken von demjenigen, was einem jeden Menschen zu wissen nothwendig ist — Gott hat sich nicht ohne Zeugniß gelassen — nämlich von einem Schöpfer, Erhalter und Regierer, einem gerechten Richter und einer unerschöpflichen Barmherzigkeit. Jedoch wie verwirrt sind nicht oft diese Spuren, wie unleserlich die Schrift, wie verdunkelt von Aberglauben und Vorurtheilen im Vergleich mit den reinen Zügen, die uns in der heiligen Geschichte, welche wir mit einander durchgingen, cntgegentreten, in der ein Faden uns mit Sicherheit durch das verwickelte Labyrinth der Begebenheiten führte. Schon bei der Entstehung der Welt sahen wir das Auge Gottes auf den Menschen gerichtet; er ging mit dem ncugcbornen Geschöpf um; der Mensch wurde durch die Hand Gottes in die Welt cingeführt, die er bewohnen sollte. Doch schon in der Urzeit hörten wir von einem Fall; das Paradies war nur ein vorübergehender Zustand, und da dieses sich zuschloß, wurde eine dunkle, undeutliche Zusage von einer Wiederaufrichtung gehört. Die ganze folgende Zeit trug die traurigen Merkmale der Verwilderung an sich; da sandte Gott jene Wellen der Zerstörung, alle Verdorbene zu vertilgen; nur ein Geschlecht wurde gerettet, mit diesem schloß der Ewige seinen Bund, und während die ganze bevölkerte Erde sich in Abgötterei zersplitterte, richteten wir unsere Augen auf einige Zelte im Innern von Asien in welchen ein Mann wohnte, der den Schöpfer und Herrn des Himmels und der Erde kannte. (Schluß f.) Geschichte des Tages. Bericht eines Reisenden über die israelitischen Zustände in einigen deutschen Ländern. (Fortsetzung von 42.) Es ist für den, der an den israelitischen Zuständen ein so lebhaftes Interesse empfindet, wie ich, etwas ungemein Erhebendes, zu sehen, welche Bewegung überall bei uns herrscht, wie das