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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-08-01 · Heft 41 (1.8.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 41 (1.8.1841)
Date
1841-08-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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162 dann erst wird uns der Segen zu Theil werden, de« wir in den Worten sinnbildlich angedeutet finden: Dein Name soll fürder nicht sein Jakob, sondern Israel. Und wie im Religionsgesetz, so nicht minder im Gottesdienste! Es ist der Schwäche, des menschlichen Gemüches gewiß verzechlich, wenn es m Stunden des tiefen Leids, der harten Bedrängniß, von menschlicher, von brüderlicher Hand ihm zugefügt, den Gott der Gerechtigkeit um Rache gegen seinen Bedränger anruft, wenn es daher, selbst im Gebet zum allliebenden Gott, das nur Liebe und Segen athmen soll, unwillkürlich einen Fluch gegen seinen Peiniger ausstößt. — Es ist daher kein Wunder, wenn in so manches Gebet, das aus jener unseligen Epoche blutiger Verfolgung herrührt, Spuren nachtönender Verzweiflung, mitunter sogar wilde Nachklänge des Hasses unterliefen, welche die Reinheit und die milde Lauterkeit des Gebets trübten. Nicht wir allein, jedes Bckcnntniß hat ähnliche, und vielleicht noch schlimmere Verirrungen aufzuweisen. Es kann uns daraus kein Vorwurf gemacht werden. Die Geschichte überlebt den. Menschen, und sie, die unverfälschliche, zeugt weniger gegen uns, als gegen die, welche den innersten Boden der heiligsten Gefühle in uns so stürmisch aufgewühlt, und diese Verirrung des Herzens veranlaßt. — Aber bedenken müssen wir, daß, wenn der Buchstabe noch lebet, der Sinn und die Bedeutung aus ihm längst gestorben, daß jene Geschlechter längst vergangen, gegen welche der Buchstabe zeugt, gegen welche der Sinn gerichtet war, und daß wir weder den Einen noch den Andern in Anwendung bringen dürfen auf die Gegenwart, die ihn verleugnet, auf die Menschen, die in uns den Menschen ehren und lieben, und in welchen wir gleichfalls den Menschen ehren und lieben müssen, den wir in uns geachtet sehen wollen. Aber auch das genügt nicht, m. l. Fr., so lange wir selbst nicht jedes überschätzende Nationalgefühl von uns entfernen, und in uns den Israeliten höher schätzen, als der Mensch, als solcher, auf selbstständigen Werth Anspruch zu machen berechtigt ist. — Wir haben allerdings ein unbestrettbares Recht, von Andern, die nicht zu unserer Glaubensgemeinde gehören, zu fordern, daß sie in uns, dem Israeliten, den Menschen nicht geringschätzen; aber es haben auch Andere das Recht, von uns zu fordern, daß wir selbst in uns, dem Menschen, den Israeliten nicht überschätzen. Die verschiedenen Bekenntnisse, so sie alle aus der Urquelle der Erkenntniß eines einzigen lebendigen Gottes, Schöpfers und Regierers des Weltalls sich ausmünden, sind verschiedene Erziehungspläne des Menschengeschlechts in den Händen der allweisen Vorsehung, die nur in sofern der Prüfung der Menschen unterworfen werden dürfen, als nothwendig ist, daß jeder mit vollem Bewußtsein und lebendiger Uebcrzcugung bei dem seinigen verharre, daß dieser Plan ihn zur Vervollkommnung seiner selbst führe. Aber keineswegs darf diese Prüfung bis zur Geringschätzung des hem seinigen entgegengesetzten Plans sich verirren. Jede in That und Gesinnung zu stark hervortretcnde Ueberschätzung des einen aber ist nothwendig eine Geringschätzung des andern. Diesen Plan hat sich keiner selbst gegeben. Er hat ihn mit der Geburt und der unmündigen Befangenheit des ersten Jugendalters überkommen. Es ist nicht sein Verdienst, wenn der Plan weise und vortrefflich, es ist auch nicht seine Schuld, wenn dies minder der Fall ist. Es ist also das Bekenntniß etwas rein Zufälliges, wonach der Mensch im Leben nicht genannt und geschätzt werden darf. Nur wiefern der Mensch diesen überkommenen Plan weise benützt und gebraucht hat zu seiner eigenen sittlichen Vervollkommnung, wie er die höhere, weise und glückliche Anleitung seines Glaubens zur höher» Ausbildung s einer sittlichen Anlagen, zur Veredlung seines Gemüths, zur Befestigung seines sittlichen Charakters in sich ausgenommen, und zur selbstthätigen Gestaltung und Läuterung des rein Menschlichen, zur Sichtbarwerdung des in ihm ruhenden Göttlichen angewandt, das allein ist sein eigenes Verdienst, das seine eigene Schuld, das allein kann den Maßstab zur Werthschätzung seiner persönlichen Würdigkeit, seines persönlichen Charakters abgeben. Aber, wohl gemerkt, seines allein, nicht auch aller derer, die zwar mit ihm einen gleichen Erziehungsplan bekommen, die zwar mit ihm eine gleiche Schule besucht, aber einen ganz verschiedenen Gebrauch des einen, eine ganz verschiedene Anwendung von der andern gemacht haben. — Wenn also auch wir, l. Fr., die Zufälligkeit des Bekenntnisses, an und für sich, nicht überschätzen, sondern das durch dessen weise Benutzung selbstständig erworbene Verdienst allein nach seinem wahren Werth beurtheilen, werden auch wir den Segen empfinden, der mit den Worten ausgedrückt wird: Es soll fürder nicht dein Name sein Jacob, sondern Israel" Geschichte des Tages. Bericht eines Reisenden über die israelitischen Zustände in einigen deutschen Ländern. Erst vor wenigen Tagen von einer Reise nach einem Theile Deutschlands zurückgekehrt, ist es mein erstes Geschäft, Ihnen, werther Herr Nedactcur! Bericht über das, was ich gehört und gesehen, zu erstatten; denn ich reiste, so izu sagen, mit Ihrem Auge, horchte, lauschte und horte mit Ihrem Ohr. Der Hauptzweck meiner Reise war nämlich, mir über die Zustände mehrerer unserer Gemeinden eine unmittelbare Kenntniß durch selbst-eigene Anschauung und Wahrnehmung zu verschaffen. Was Sie erst mütelbar erfahren, was Sie von nahen und entfernten Correspondenteu zu hören suchen, um es dann in veredelter Form, anregend und aneifernd, fernen und nahen Lesern wieder zu geben, das wollte ich unmittelbar anschauen und kennen lernen, um es dann, nachdem es in mir sich abgespttgclt, in mir zu einem richttgen, brauchbaren Bilde geworden, Ihnen, oder vielmehr Ihrem

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