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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-07-25 · Heft 40 (25.7.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 40 (25.7.1841)
Date
1841-07-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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159 seiner Ehrlichkeit trauen, seinem Eide, ohne alle entehrende Förmlichkeiten, Glauben beimessen dürfe: wer wird darum befragt? das junge frische Leben, welches ein lebendiges Zeugniß für den sittlichen Charakter einer Glanbensgemeinde ablegt? Nein! der todte, faule, längst vermoderte Buchstabe, der wird aus dem Leichenfelde aufgcscharrt und von einem Todtenbeschwörer mit Beschwörungsformeln befragt; der, der Todte, soll zeugen für den Lebendigen. — Und wer wird um die Deutung des Buchstabens gefragt? Nicht der, der dem Leben nahe steht, in demselben sich befindet, und den Buchstaben nach seinem wahren Werth, d. h. nach seinem Einfluß auf Leben und Gesinnung, auf Charakter und Sittlichkeit zu würdigen weiß, sondern der wird darum befragt, der zwar auf der Höhe der Zeit, auf dem Gipfel der Wissenschaft, aber derjenigen Lebensregion fern steht, auf welche der Buchstabe angewandt werden soll; dem der Buchstabe als eine egpptische Hieroglyphe und deren Träger als eine egpptische Mumie erscheint. —" (Schl, f.) Geschichte -es Tages. Hr. v. Eichthal in seiner Schrift "die europäische Einheit" sagt u. 21.: »Für den Augenblick genügt es — die Frage der Souveränität unberührt gelassen — zu fordern, daß das Neutralitätsprinzip, welches kürzlich zu Gunsten von Griechenland und Belgien festgestellt wurde, auf das Palästinische Territorium angewendet werde, und daß auf diesem Gebiete die.freie Ausübung aller aus dem biblischen Stamme entsprossenen Religionen, welche bereits in der That dort bis zu einem gewissen Punkte cristirt, und durch den Hattischerif von Gülhane zu einem Fundamentalgesetz des Reiches geworden ist, unter die Garantie der großen europäischen Mächte gestellt werde." Dieses giebt einem französischen Journale zu folgenden Bemerkungen Anlaß: "In Wahrheit find dieses schöne Gefühle mit treffenden Worten ausgedrückt, und sie werden nicht diejenigen überraschen, welche das mit einem edlen Character vereinigte Talent zu schätzen wissen; aber es bietet sich hier Stoff zu ernsten Betrachtungen dar. Die Frage der Souverainität, welche man unentschieden gelassen, ist wohl die Hauptfrage. Wird man das Land dem Sultan von Constantinopel lassen? Dann wird es wieder in den Zustand hundertjähriger Anarchie zurückfallen. In der That, seitdem Einfalle Chodorlomers, einem Räuberhauptmanne (!) bis zu unfern Tagen ist jene Gegend der Heerd des Geitzes, des Betruges und des Raubes gewesen. Chananeen Ojyji) ist im Hebräischen spnonpm mit einem verdächtigen Handelstreibenden. Die Philistäer und Phönizier haben sich nicht durch Treue ausgezeichnet. Was das hebräische Volk bekifft, leset die historischen Bücher, erholet euch Raths bei den Propheten. Mit Sicherheit von Adana an bis zur Grenze Nubiens reisen zu können, das ist die schwerste politisch-sociale 2lufgabe, welche man noch nie gelöst hat; die Ehre gebührt dem Mehemed-Ali. Die Gerechtigkeit fordert, sie ihm zu erweisen, dem Manne des Genies, dessen Regierung sonst mich gar nicht anlächelt. — Wer wird demnach der Souverain sein? Eine andere Schwierigkeit! Die biblischen Culte sind — um nicht mehr zu sagen — von einem sehr wenigen toleranten Wesen. Wie wird man. nachdem sie zur Freiheit gelangt sind, sie verhindern, sich untereinander zu entzweien? Welcher christlichen Gemeinschaft wird das heilige Grab und die übrigen Monumente dieser Art, welche eben sowohl die Einbildungskraft der Poeten, als die Börse der Eigenthümer bereichert haben, gehören? Denn die religiösen Leidenschaften, wie sie sich auch äußern mögen, lassen anderntheils die kaufmännischen Leidenschaften, welche sich mit ihnen verbinden, wahrnehmen, und Syrien war immer der classische Boden dieser Lewenschaften. Wie sie im Zaume halten? Die christlichen Brüder von den verschiedensten Gebräuchen werden ihren ewigen Streitigkeiten nicht eher Stillstand gestatten, als um den Juden zu unterdrücken, welcher wieder sich kein Gewissen daraus machen wird, den Caraiten und Samaritaner zu belästigen, zwei friedliche Völker, welche, da sie Niemanden unter sich haben, auch Niemanden quälen können. Der berühmte Hattischerif beruhigt mich wenig in dieser Beziehung. Ein Gesetz ist nicht fundamental, als bis es mit den Jahrhunderten in das Leben und die Sitten der Nationen übergegangen ist. Wie viele Funfamentalgesetzgebungen haben wir in den letzten 50 Jahren in Frankreich gesehen? .Auf alle paßt die bekannte schöne Inschrift, welche Mal herbe auf das Grab eines jungen Mädchens setzte. Möge das Gesetz, aus dem Rosenschlosse (Gulhane) zu einem hohen Alter gelangen, und mehr sein, als — ein Stück Pergament." Zu bedauern ist das Loos der Israeliten zu Basel, wo keinem jungen Ehepaare Niederlassung gestattet wird,' und jeder Neuvermählte gezwungen wird, seine ihm wahrlich nicht umsonst lieb gewordene Vaterstadt zu verlassen, so daß von 25 — 30 Familien, die früher hier wohnten, nur noch 10 hier zu treffen sind. Stuf solche Weise ist diese Gemeinde zusammengeschrumpft, von deren Bildung und Wohlhabenheit so manches zu erwarten war. Ihre Vorliebe für Bildung zeigte sich darin, daß sie sich immer um gute Hauslehrer bemühte, und gern ihre Kinder in öffentliche Anstalten schickte. Tie meisten jungen Israeliten daselbst haben eine echt kaufmännische Bildung sich erworben, wieder andere gehören dem Gelehrtenstande an, mehrere haben als Künstler sich ausgebildet. Und diese junge Leute alle, unter denen kein einziger sogenannter Schacherer zu keffen ist, dürfen unter gegenwärtigen Verhältnissen nun nicht daram denken, sich an ihrem Geburtsorte niederzulaffen. Da verdient der liberale Sinn der Berner Regierung um so mehr Anerkennung, welche kein Bedenken Kug, die Israeliten den französischen Bürgern gleich zu stellen und den Dr. Valentin aus Breslau an die dortige Hochschule zu berufen. Auch die östreichische Regierung hat die in öffentlichen Blättern zur Sprache gebrachte Verfügung, durch welche den Israeliten

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