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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-07-18 · Heft 39 (18.7.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 39 (18.7.1841)
Date
1841-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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155 Heilt ist, so stimmt doch Alles in dem überein, was heilig und gemein, was rein und unrein ist. Nur in dem, was zu jenem Ziele der Heiligkeit und Reinheit führet, über den Weg, den man einschlagen müsse, .um früher oder später dahin zu gelangen, darüber möge allenfalls eine Meinungsverschiedenheit stattfinden, aber das Ziel selbst ist Allen das Heilige und Reine, das Sittlich- Hohe und Göttlich-Erhabene, dahin streben Alle. Und ob der eine oder der andere Weg dem Einen zu lang und dem Andern zu kurz scheinen mag, und der Eine lieber den und der Andere lieber jenen Weg wählen möchte; so führt doch der eine wie der andere zu einem und demselben Ziele, so will doch Vereine wie der andere dasselbe Ziel erreichen. Darüber herrscht Einheit, vollkonlmene Einheit in Israel, die nie gestört ward und nicht gestört werden kann, so lange es das.Gotteswort in der heiligen Schrift, als die Quelle des Lichtes und des Segens, nicht verläßt. Und so der Lehrer aus dieser reinen Quellen des göttlichen Wortes schöpfet, und so er auftnerksam lauschet auf das, was die Weisesten seines Volkes aus diesem lautern Born der Wahrheit gegraben, und mit hellem Blick den geschichtlichen Bildungsgang der verschiedenen religiösen Anschauungen im Verlaufe der Zeiten verfolgt und einen Geist der wahren Frömmigkeit mitbringt, um zart und schonend mit dem religiösen Gefühle, wenn auch nicht immer ein klarer Gedanke darin lebt, umzugehcn, und nicht eigenwillig mit dem Staube auch die Blüthen wegzufegen, dabei aber die Urquelle nicht verläßt, aus der die ftischen Lebenswasser rieseln, und das eigene Licht in sich selbst nicht auslöscht, das Gott als Leuchte angczündet, die selbstständige Richtung seines Geistes nicht tödtet, die Gott ihm als Prüfstein des Wahren und Guten ins Leben mitgegeben: so darf er hoffen, den rechten z'Weg nicht zu verfehlen." (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. (Schluß der in M 34 angeführten Stellen aus der neuesten Schrift von Pückler Mus kau.) Diese lieben religiösen Mährchen haben aber nur leider die Eigenschaft, sich gar zu gern plötzlich in blutige Furien zu verwandeln, während der Verstand ruhig fort speculirt, ohne weder zu morden, noch zu verfolgen. Ein kleiner Eommentar hierzu aus Hrn. Wolff's eigenem Munde, ist folgender Satz, S. 92. „Ich ftug meinen Freund Haji Schech Mohamed um seine Meinung über die Einführung der Opfer. Nachdem er einigemal den Rauch aus seinem Kallum von sich gestoßen, antwortete er: Abraham erfuhr zweimal im Traum, daß es Gottes Befehl sei, seinen Sohn Ismael*) (Friede sei mit ihm) zu tödten. — Er ging also mit Hagars Erlaubnis nach Mekka, um Ismael, den er gebunden mit sich führte, zu tödten. Der Teufel versuchte, es zu verhindern, doch Abraham bestand darauf, Gottes Befehl zu vollziehen; in dem Augenblick aber, als er seinem Sohne das Messer an die Kehle setzte, schnitt dieses nicht mehr. Der höchste Gott sandte ihm darauf ein Schaf, welches er statt Jsmaels schlachtete. — Bon dieser Epoche schreiben sich die Opfer her." — "Da erklärte ich ihm," fährtHr. Wolfffort, "der Christen Ansicht überOpfer, und wie ohne dasVergießen von Blut es keine Vergebung der Sünden geben könne, und wie die Opfer der Thiere, und selbst das Opfer Jsaacs und der Tod Abels nur vorgehende Typen und Bilder des großen Opfers unseres Herrn Jesus Christus seien, einst für uns alle dargebracht auf dem Opferaltar des Kreutzes." Ich finde es übrigens nicht wenig anmaßend von den Herren, die dieser Theorie anhangen, diejenigen, welche weder an die Nothwendigkeit des Blutvergießens zur Vergebung unserer Sünden, noch an die fulness vt the Godhead in Christus glauben, "inßdeHs- Zlr-nennen. — Sie könnten wohl fragen, wenn sie denn die Treue brächen, indem fie nur derselben Vernunft folgten, die ihnen von Gott zur sichersten Richtschnur gegeben worden fei Menschlich betrachtet, möchten eher die Juden ein Recht haben, Hrn. Wolff infidel zu nennen, da er ihre Religion, in der er groß gezogen, gegen eine andere vertauscht; wie auch die Katholiken , deren Glauben er aus Ueberzeugung angenommen, worauf er dennoch später abermals zu den Anglikanern übcrgegangen sei, welches letztere ich ihm am wenigsten verzeihen möchte. Doch da dieß Alles ohne Zweifel fortwährend Frucht der Ucberzeugung war, so könnte ich ihn wohl etwas schwankend und veränderlich finden, würde mich aber der Sünde scheuen, ihn dcßhalb ungetreu zu schelten! — Eine höchst merkwürdige Secte im Orient, zu der sich sowohl Türken als Perser und Juden bekennen, sind die Suffis. Sie erkennen nicht nur Moses, Jesus, Muhamed, sondern noch 124,000, sage hundertvierundzwanzigtausend andere Propheten ohne Umstände an, halten sich jedoch keineswegs für verbunden, sich unter die Controlle der Lehre irgend eines derselben zu fügen. Biele Laster und Sünden, die in den heiligen Büchern verdammt werden, sind es nicht bei ihnen, wie z. B. Trunkenheit, Ehebruch und alle fleischlichen Sünden. Sie denken, daß Jemanden, der die innere Borttefflichkeit hat, alle diese Dinge keinen Schaden thun können. *) Sie haben eine Art des Gottesdienstes, wo Jeder das ihm Liebste in sich zu besiegen sucht, und während er von einer berauschenden Pflanze raucht, sich bemüht, seinen Geist in der Beschauung des All's zu absorbiren, welches, wie fie sagen, Gott sei. "Ich fand bei den jüdischen Suffis," setzt Hr. Wolff hinzu, "ein persisches Gedicht in jüdisch - persischen Charakteren geschrieben, und Jussuf Usoleika genannt, welches die Liebesgeschichte der Soleika, des Weibes Pothiphars, mit Joseph behandelt. Hafiz steht hoher bei den Suffis angeschrieben als der Koran und der Thalmud. Oft hörte ich sie in Mefched sagen, daß fie zwei Religionen hätten die äußere und die innere, d. h. die Volksreligiyn und die der Eingeweihten." So vorurtheilsftei und edel wie der Bischof in London sollten alle Geistlichen denken. Als eine Petition zur Unterstützung der Syrischen Christen ins Oberhaus eingebracht und, wie fich's von selbst versteht, von ihm unterstützt ward, fügte ') Die Araber vertauschen hier Isaak mit Ismael- *) Puritanisch und auch Cromwells Glaube.

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