Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 39 (18.7.1841)
- Date
- 1841-07-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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156 er noch hinzu: Zch hoffe auch, daß man die Interessen der unterdrückten Juden im Orient nicht vergessen, sondern ihnen ebenfalls freie Ausübung ihrer Religion sichern wird, worauf sie gerechten Anspruch haben. In dem Rundschreiben, welches Cremieur an die abendländischen Israeliten zum Behufe einer Sammlung für die neu organifirten Schulen in Alexandrien und Kahira erließ, sagt derselbe u. a.: Wenn es wahr ist, daß ich in meiner Laufbahn durch meinen Eifer aus allen Kräften die heilige Sache Eurer Emancipation zu unterstützen eurerseits einige Liebe verdient habe, kommt und leistet den jüdischen Schulen im Oriente Beistand. Traget mit dazu bei, jenen einst durch Wissenschaften und Kenntnisse blühenden Gegenden die Wohlthat der Civilisation wiederzugeben. Aus dem Morgenlande stammt die Religion, die uns mit so engen und edeln Banden umschließt. Die Juden, welche auf ägyptischem Boden leben, wo Moses einst unsre unterdrückten Väter befteiete, erbitten von den Israeliten Europa's ihre moralische Erlösung. Von Kahira und Alexandrien aus wird sich das heilige Feuer bald nach Damask und Jerusalem verbreiten. Das Morgenland wird wieder aufleben, und einst wird die Geschichte sagen: „In den ersten Zeiten der Welt, verbreitete die Religion, welche Moses gab, vom Morgenlande ins Abendland die reinste Moral mit der Erkenntniß des einigen Gottes; viertausend Jahre nachher verpflanzte dieselbe Religion aus dem Abendlande die Gesittung ins Morgenland, und warf dte Strahlen jenes großen Lichtes dahin zurück, welches aus der Mitte der Gottheit selbst geflossen war. Zum zweiten Male hörte man an der Wiege der Welt die großen Worte: Gott sprach: es werde Licht und es ward Licht." Abyssinien ist nach deu neuesten Reisebeschreibern von Juden, Christen und Mohamedanern bewohnt, aber auch im abpssinischen Christenthum haben sich noch die Gesetze des Judenthums in großer Bedeutung erhalten, so daß die abpsinisch - christliche Kirche nichts weiter ist, als eine rohe Vermischung der jüdischen und christlichen Ceremoniev, aus denen der Geist beider Religionen längst gewichen. Die Kirchen bestehen aus zwei hinter einander Legenden, fast ganz dunkeln Zimmern, welche durch eine Flügelthüre mit einander verbunden sind. In dem hintern Zimmer befindet sich der Tabot (auch Manwer) oder die Bundeslade der Israeliten, die durch einen großen hölzernen Sessel oder Thron vorgestellt wird. Das Neujahrsfest feiern die abpssin. Christen ganz um dieselbe Zeit, wie die Juden, um das Herbstäquinoctium, das Osterfest feiern sie ebenfalls acht Tage. Ferner werden alle Kinder zugleich mit der Taufe beschnitten, und zwar die Knaben ganz auf die jüdische Weise. Ebenso wird der Abpssinier möglichst noch am Sterbetage begraben. einen von Gott inspirirten Propheten an; wollen aber von keinem Religivnsbuche Etwas wissen. Sie haben gar keine besonderen Festtage, jedoch enthalten sie sich am Sonnabend des Ackerbau's. Auch beobachten sie keine Art von Fasten und essen ohne Unterschied das von Christen, Juden oder Muhamedanern geschlachtete Fleisch, (während diese Drei nur das von ihren Glaubensgenossen geschlachtete essen,) weshalb denn auch diese sie gleich sehr verabscheuen. — Von Charakter zeigen sich die Gamant als gutmüthige Menschen und als ftuhige iund fleißige Bürger, trotz der willkürlichen Reizungen und Verfolgungen, denen sie von Seiten Andersgläubiger ausgesetzt sind." Freie Uebertragung der nrpJ (Elegie) : rpTDis? diW? i&n fva Willst nimmer, Zion, ftagen nach den Kindern, Die dein einst waren in des Glückes Tagen; Nicht hören Fricdensgruß, nicht bitt're Klagen, Nicht liebreich Herzensweh und Jammer lindern Irrender Schäflein? Wie lieblich eiust in deinen stillen Thalen Erklangen munt'rer Neigen Freihcitslieber. Da nicht der Fessel Last den Nacken nieder Noch beugte, und von heil'ger Feste Mahlen. Fern war die Klage! O könnte mit des Himmels Thau, dem frischen, Den Chermon freundlich dir herniedersendet. Der welken Pflänzlein kühle Labung spendet. Sich bald noch einmal schwesterlich vermischen Thräne des Dulders! Dann schwärmend sollte sich mein Geist ergehen In deiner Trümmer hehrer Sabbathstille; Sollt' preisen dort des Allerhöchsten Wille, Wo trüber Vorzeit leise Kläng' umwehen Betende Pilger! Auf den geweih'ten Boden würd' ich sinken. Die Zähre sollt' auf Chebron's Erde fließen; Und wo, Machpela', deine Gräber schließen Der Vater Hüll, würd' ich, wie Aether trinken Durstig den Staub! Wir frcu'ten, Zion, uns an deinem Wohle, Wie jetzt dein Weh' das Mark uns nagend zehret. Die Schaar, die dich, gefall'ne Mutter, ehret Und trauernd flieht vom Pole hin zum Pole, Führ' in die Heimath! Außerdem wird einer Secte gedacht, die den Namen Gamant führt, und deren Glieder einige Meilen nördlich von Gendar in einer durch ihren Fleiß sehr angebautcn Gegend wohnen, aber von den abpssinischen Christen und Muhamedanern als aller Religion ermangelnde Heiden in hohem Grade verachtet werden. Sie glauben an einen einzigen Gott und an die Unsterblichkeit, und erkennen bloß Moses als Triumph, wir seh'n aus grauen Trümmern schon Dein tröstend Antlitz uns entgcgenlächeln, Und deines Muttcrordcns sanftes Fächeln Belebt uns — mild auf neu erbautem Thron Herrschest du friedlich! Brilon. Alexander Friedländer, Di. jur. ♦) Ein die Burg Zion überragender Berg. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Me ' . v 'v'cm •-.—5^,....... „1 Meiningen und der Kesselrittg'schen Hofbuchhandlung zu Hlldburghausen und Mernrngen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schaffer in Kassel.