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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-07-18 · Heft 39 (18.7.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 39 (18.7.1841)
Date
1841-07-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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154 Element als das Wesen der Religion geltend gemacht wurde, und nur die ganz isolirte Stellung von außen dem Rituellen eine Ausdehnung gab, welche unter den jetzigen Lebensverhältnissen auch diejenigen, welche sie hervorgerufen, mildern würden. — Mit den freudigsten Empfindungen und mit Dank gegen die Veranstaltungen der Vorsehung, welche zu der rechten Zeit auch immer die rechten Männer erweckt, blicken wir da hin auf den würdigen Hold he im. Er hat seit der Zeit, wo er in die Reihe der israelitischen Volkslehrcr eintrat, das göttliche Wort mit einer Kraft und Begeisterung, wie nur wenige seiner Amtsgenossen, verkündet; er hat namentlich mit einer seltenen Gcistcstiefe den in der geschichtlichen Entwickelung der israelitischen Religion verborgenen sittlichen Kern aufzufinden und seinen Zuhörern vorzuführcn gewußt, dabei aber mit einer solchen Feinheit die blos relative Bedeutung zeremonieller Satzungen anzudcutcn verstanden, daß er gewiß bei keinem seiner Zuhörer anstieß, sondern sie zu einer eben so tiefen sittlichen, als innig religiösen Gesinnung auf die allmähligste und unmerklichste, und darum heilsamste und sicherste Weise heranbildcn wird. Mit den frohesten Erwartungen folgten daher alle, denen das wahre Heil Israels am Herzen liegt, Hrn. Holdhcim in den größeren Wirkungskreis, den seine Berufung als Land-Rabbiner in Schwerin ihm für die sämmtlichen Israeliten dieses Landes cröffnete, und die Art und Weise, wie er gleich in seiner ersten Predigt, die wir vor uns haben, sich über das Wirken des Rabbinen der neuern Zeit ausspricht, rechtfertigt schon jetzt das große Vertrauen, welches man in sein eignes Wirken gesetzt hatte: „Und kommt noch (bemerkt er u. a.) die Betrachtung hinzu, wie schwierig und bedeutungsvoll die Stellung des geistlichen Führers in Israel in unfern Tagen sich gestaltet, wo cs nicht mehr genügt, wie es ehedem wohl der Fall gewesen, daß der Volkslehrer seine ganze Zeit und seine ganze Thätigkeit dem emsigen Suchen und Forschen in der Gotteslehre weihen, und die Ergebnisse seiner Forschung erst dann zum Nutzen und Frommen der seiner geistlichen Pflege Befohlenen verwenden solle, wenn gerade das Leben eine Entscheidung für den Augenblick von ihm verlangt, sondern wo es als ein wohlbegründetes Bedürfniß, nicht nur der Zeit, sondern der Religion, anerkannt und festgestellt ist, daß der Volkshirt allem und jedwedem religiösen Bedürfniß des Geistes und Herzens voran gehen und z u v o r k o m m e n, daß er, ein t r e u e r Wächter im Weinberge des Herrn, „ein Wächter Israels, der nie schläft und nicht schlummert," mit seinen Belehrungen des Göttlichen unablässig auf Geist und Herz einwirken, und durch Verbreitung gemeinnütziger, in der Religion wohlbcgründeter Lehren der höhern Sittlichkeit dem Hungerigen das Brod des Himmels und dem Durstigen das Wasser des Lebens .freigebig und unaufgefordert darreichen und ein religiöses Leben im Geiste erzeugen, fördern und erhöhen soll; so werdet Ihr das Gefühl der Bangigkeit, dessen ich mich kaum erwehren kann, als eine natürliche Folge der Empfindungen betrachten, die jeden, der nicht seine Kräfte überschätzt, bei der Uebernahme eines so schweren Berufes erfüllen müssen. Und erwägt man noch, welche abweichende und so sehr einander widersprechende Ansichten und Meinungen über Wesen und Form, Ewiges und Zeitliches, Göttliches und Menschliches, Vergängliches und Bleibendes, Veränderliches und unverrückbar Feststehendes in unserer heiligen Religion das heutige deutsche Israel erfüllen und bewegen, und wie aus dieser Verschiedenheit der Ansichten über die Religion eine Verschiedenheit der Anforderungen und Ansprüche an deren geistlichen Vertreter naturgemäß erwachsen muß; wie die Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen, die man von seinem geistlichen Wirken sich macht, oft einander gerade entgegengesetzt sind, daß sie alle zu erfüllen unmöglich, und selbst den gemäßigten und besonnenen zu entsprechen durch mancherlei Umstände so sehr erschwert ist; daß die Einen den geistlichen Hirten unserer Zeit mit demselben heiligen Gewände der Autorität der ältesten Rabbinen der Vorzeit bekleidet wissen wollen, kraft deren er befugt und berechtigt sein soll, überall nach dem geistigen Kern der höhern sittlichen Idee des Jsraelitenthums zu graben und nach dem belebenden Geiste der Lehre zu forschen und diesem allein Geltung und Anerkennung in Israel zu verschaffen, die Andern dagegen von ihm, als dem jüngsten Sohne längst vergangener Geschlechter, Gehorsam, unbedingten und blinden Gehorsam gegen den Buchstaben aller Satzungen seiner Väter fordern, und seinem Geiste nur so viel eigenes Leben und Bewegung gestatten, als zur Ermittelung alles dessen, was aus dem Buchstaben nach buchstäblich vorgeschriebener Fvlgrcchtigkeit sich folgern läßt, erforderlich ist; wo die Einen in ihm den Sohn der Zeit, den heißerschnten Erlöser und Befreier aus der Fessel mittelalterlicher Satzung, begrüßen, die Andern in ihm den Mann erwarten, der mit kräftigem Arm und mit beredter Zunge den aus seinem Bette getretenen Strom der Aufklärung in seine natürliche Ufer der religiösen Verbindlichkeit eindämmen wird; wenn man dies Alles bedenkt und die örtlichen Schwierigkeiten noch hinzurcchnet, werdet Ihr mich gewiß nicht einer falschen Bescheidenheit beschuldigen, wenn ich, wie so viele mit mir, mit dem göttlichen Moses ausrufe: Wie werde ich alle die Lasten und Mühen dieses schweren Berufes tragen können!" „Jedoch" (fährt der Redner, nachdem er den Hinblick auf die Hülfe Gottes und das Vertrauen seiner Gemeinden, als die Hauptstützen seiner Wirksamkeit bezeichnet hatte, fort): „Was sollte ich noch fürchten?' Ist doch der Pflichtenkreis des geistlichen Hirten in Israel genau beschrieben von der Hand der ewigen Weisheit! Lehren soll er den Unterschied zwischen dem Heiligen und Gemeinen , dem Reinen und Unreinen, und so sehr das heutige Israel in seinen Ansichten über Lehre und Lehrer ge-

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