Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 39 (18.7.1841)
- Date
- 1841-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des «MMMtN MMOMS. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben Dr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eifenach. Nr. AN. Sonntag den 18. In« 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Antrittspredigt feierlichen Zntro-uction in tein Amt als Großherz. Mecklenb. Landesrabbiner in Schwerin am Sabbath '2 5600 (ty. September 1840) gehalten von »r. Samuel Holdheim. Schwerin 1840. Verlag der C. Kürschner'schenBuchhandlung. Wir hatten in M 33 dieser Blätter die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die Entwickelung des göttlichen Wortes und dessen Vortragsweise in neuerer Zeit zu richten gesucht. Die vorstehende Predigte des wackern Holdheim veranlaßt uris aber, auf diesen Gegenstand zurückzukommcn, und unfern Lesern die neueste Entwikkelungs-Seite desselben vorzuführen: So sehr nämlich das Institut wohlgeordneter Borträge, im Gegensätze zu den früheren Deraschoth (rwn), wie es in neuerer Zeit durch Anstellung ordentlicher Prediger in mehreren Gemeinden in's Leben trat, von dem großen Fortschritt der Zeit Zeugniß giebt, so werden wir doch durch diesen Fortschritt nicht beftiedigt, wenn wir bedenken, daß er nur von einem Theile der Gemeinden in größeren Städten (namentlich in Hamburg, Frankfurt a. M. u. a.) ausging, daß nur ein Theil derselben sich nach dem erbauenden Wort beim Gottesdienste sehnte und diesem Bedürfniß durch Anstellung von Predigern (zu welchem einige talentvolle Jugendlehrer sich schon herangebildet hatten) zu Hülfe kam. Die israelitischen Gemeinden in ihrer Totalität, ja selbst in ihrer Mehrheit, wirkten dabei nicht mit. Da ward auf einmal das jüdische Erziehungswesen auch in den Kreis der fürsorgenden Aufsicht deutscher Regierungen gezogen, und so mußte als nothwendige Folge hievon auch an die künftigen Rabbinen die Forderung gestellt werden, daß sie mit der Kenntniß der jüdischen Gottesgelahrtheit auch wissenschaftliche Bildung vereinen. Inzwischen war durch Schulbildung und eine freiere Bewegung nach Außen in den jüdischen Gemeinden selbst das Bedürfniß zeitgemäß gebildeter Rabbiner fühlbarer geworden, und so sah die neueste Zeit an sehr vielen Orten solche an die Spitze der Gemeinden treten. Damit war aber eine ganz neue Bewegung gegeben und namentlich begann für die Vortragsweise des göttlichen Wortes eine neue Aera. Standen die Prediger nur als Träger der fortgeschrittenen Ansicht eines Theiles der Gemeinde da, so mußten hingegen die neuen Rabbinen sich als Vertreter der ganzen Gemeinde ansehen, und dieses mußte wieder auf ihre Vortragsweise einen sehr gewichtigen Einfluß ausüben. Es trat nämlich für die Letzeern die Nothwendigkeit ein, sich in ihren Vorträgen über die Ansichten der beiden Parthcien zu erheben, wenigstens nicht der Ansicht der streng Rituellen direct entgegenzutreten; sondern einen Standpunkt . einzunehmen, an welchem keine Parthei Anstoß nehmen konnte, nämlich das Rituelle nicht über das Sittlichreligiöse zu stellen, vielmehr cs ihm in der Weise unterzuordnen,% daß man nicht nur das Reinmenschliche als den letzten Zweck der Religion in den biblischen Urkunden darstellte, sondern auch zeigte, wie selbst in den Aussprüchen der Rabbinen das sittliche