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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-07-04 · Heft 37 (4.7.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 37 (4.7.1841)
Date
1841-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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146 ,/Mr haben keiüe bestimmten Nachrichten über die Einrichtnng, welche die Synagogen vor der Zerstörung des Tempels hatten, aber so viel wissen wir, daß sie, seitdem Israel in der Zerstörung lebt, die Quelle eines gottseligen, beglückenden GemüthSlcben waren, daß sie die sonst vereinzelten schwachen Kräfte zu gememützigen, das Wohl der ganzen Gemeinde erzielenden Anstrengungen vereinigten, den Geist der Wohlthätigkcit nährten, das Streben nach gründlicher Gotteserkenntniß erhöhten und zugleich denen, die sich um die Gemeinde verdient machten, in der Liebe und der Hochachtung ihrer Brüder den gebührenden Lohn sicherten. Wir kennen es uns leider nicht verbergen, daß die Synagoge in ihrem jetzigen Zustande nicht mehr Alles für uns ist, was sie für unsere Vorfahren war. Gerade dadurch, daß unsre Väter sie mit den Verhältnissen und dem Bildungszustand ihrer Zeit so gut in Einklang zu bringeil wußten, verträgt sich ihre Einrichtung in manchen, mitunter sehr wesentlichen Punkten so wenig mit der unsrigen, daß ihre Feierlichkeiten den heutigen Israeliten um so weniger Zusagen, jcmehr diese an dem Weltleben Theil nehmen und sich die gesellige Bildung des Jahrhunderts angeeignet haben. Es ist uns nicht gegeben, in die Zukunft zu schauen und zu ermessen, wie weit dieses Nebel noch um sich greifen werde; es ist schon jetzt für alle war,ne Freunde unseres Glaubens im höchsten Grade schmerzlich. Es hat bereits die so wünschenswertste Einheit unserer Gemeinden zerstört, viele Israeliten für ihre Religion gleichgültig gemacht und Andre so weit gebracht, daß sie die öffentliche Gottesvcrehrnng für ganz entbehrlich halten. Um so mehr ist cs jetzt die Pflicht aller Israeliten, die cs mit ihrer Religion gut meinen, das Ihrige dafür zu thun, daß unsre Gotteshäuser nicht ganz verwaist werden, daß sie allmälig alle Vervollkommnungen erhalten, die ein gut geleiteter religiöser Sinn anrathen mag. Gott gebe, daß ich einst fähig sei, zu einem so heiligen Zwecke mitzuwirken. Für jetzt liegt inir hierin nichts weiter ob, als die Synagoge zu ehren und in ihr alle Belehrung und Erbauung zu suchen, die sie in ihrem jetzigen Zustande darzubieten vermag." Ueber die Ritualgcsetze heißt cs: "Um aber zu erfahren, ob eine mosaische Vorschrift auch für uns, bei unfern heutigen Verhältnissen, noch Verbindlichkeit habe, haben wir nicht darauf zu sehen, vb die Ursache, welche es hervorgerufen, noch anwendbar ist, sondern ob es nicht mit dem ehemaligen Tempeldienst oder mit dem aufgelösten israelitischen Nationalleben, oder mit dem Aufenthalt in Palästina in enger Verbindung stand. Es ist dies eine Untersuchung, die für mich in meinem Alter und bei dem geringen Umfang meiner Kenntnisse mit den größten Schwierigkeiten verbunden ist; ich werde mich aber hierin, bis ich einmal selbst eines reifen Ürtheils fähig bin, von meinen lieben Eltern und den Männern, denen sie meine Jugendbildung anverttaut haben, mit aller Gelehrigkeit leiten lassen, in der sehr gegründeten Zuversicht, daß dieselben mich auf den rechten Weg führen werhen." Sehr freimüthig ist die Aeußcrung S. 78: „Die Ausübung von Zauber- und Ahndungskünsten jeder Art wurde mit großer Strenge und zum Theil mit Androhung schwerer Strafen untersagt. Hierher gehören auch wahrscheinlich viele Verbote, die jetzt nur darum beim ersten Anblick beftemden, weil wir die heidnischen Mummereien nicht kennen, von welchen sie entfernt halten sollen, als: Vermischungen von Sämereien, das Pflanzen fremdartiger Gewächse zwischen Weinstöcke, das Durcheinanderspinnen von Flachs und Wolle, einen Ochsen mit einem Esel vor eine Pflugschaar spannen, das Glattabscheren des Haares an dem Haupt und an den Kinnecken, das Tatowiren; vielleicht auch das Abschneiden der Frucht an den Ecken der Felder, das Kochen eines Böckleins in der Milch der Mutter, der Genuß der Baumfrucht in den ersten drei Jahren nach der Pflanzung und die Heiligung der Baumfrucht vom vierten Jahr." Desgleichen die nachstehende: "Eine andere viel weitläufigere Gemara wurde in Babylonien ausgearbeitet, und diese bildet in Verbindung mit der Mischnah den Thalmud, welchen die Rabbiner als die Quelle betrachten, aus welcher sie ihre Entscheidungen über Ritualsachen zu schöpfen haben. Sein Inhalt hat zwar für uns keine Verbindlichkeit, aber er gibt uns doch über die religiösen Gebräuche, welche in den ersten Jahrhunderten nach der Zerstörung des zweiten Tempels herrschten, manchen intressanten Anschluß. Durch die göttliche Huld haben sich die Juden aus der Dumpfheit, in welcher sie so lange Zeit schmachteten, mächtig emporgchoben; eine vertrautere Bekanntschaft mit dem Geiste und dem Buchstaben der heiligen Bücher hat zu einer reiflichen Prüfung der herkömmlichen Auffassungsweise angeregt, und man ist dadurch zur Ueber;cugung gelangt, daß innere Gottesvcrchrung und allgemeine thätige Menschenliebe die letzten Zwecke des mosaischen Gesetzes sind, und daß alle Ritualgebote als Mittel zu diesen großen Zwecken betrachtet werden müssen. Dieses Resultat ist keinesweges neu und ist auch zu keiner Zeit weder ausdrücklich bestritten worden, noch gänzlich in Vergessenheit gekommen; aber erst in unfern Tagen ist es mit Lebhaftigkeit ins Bewußtsein gekommen und als oberster Grundsatz zur Regulirung unseres religiösen Lebens in Anwendung gebracht worden, wodurch die Satzungen des Thalmuds und der Casuisten aufgehört haben, allen Gliedern der israelitischen Glaubensgemeinschaft als Richtschnur zu dienen, und die ehemalige Uebereinstimmung nicht mehr sortbestehen konnte. Sobald nämlich die Vernunft auf religiöse Fragen angewendet wird und nicht Einer berechtigt ist, für alle zu denken, läßt es sich nicht erwarten, daß alle durch ihre Forschungen auf dieselben Resultaten geführt werden. Es ist dies kein Üebel für uns, wenn wir weise genug sind, denen, die nicht mit uns gleich denken, die Gerechtigkeit wider-

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