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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-06-27 · Heft 36 (27.6.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 36 (27.6.1841)
Date
1841-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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143 vierten Theil einer ihm zugefallenen Erbschaft zu dem Betrage von circa 100,000 L. Auch der Herr von Rothschild hat einen neuen Beweis seiner Wohlthätigkcit abgelegt, indem er der Gemeinde zu Krojanke, im Großherzogthum Posen, auf Empfehlung des Staatsministers Rothcr zum Aufbau einer Synagoge ein Geschenk von 2000 Thlrn. übermachte. Der letzte Wunsch des würdigen Chorin in Arad, eine Orgel in seiner Gemeinde errichtet zu sehen, ist seiner Erfüllung nahe. Durch die Bemühungen des Cultusvereins ist schon eine nicht unbedeutende Summe für diesen Zweck aufgebracht, und man hofft, daß der Bau binnen drei Zähren vollendet sein wird. Vom Adelstande ist die Frage, im Betreff der den Juden in Zukunft zu ertheilendcn Erlaubniß, sich in Schweden niederlassen zu dürfen, beiahend beantwortet worden. — Treffend wird von einem iüdischcn Gelehrten nachgcwiesen, daß der Gebrauch zur Zeit des abnehmenden Mondes keine Ehen zu schließen ein heidnisches Produkt sei,, und rechtslos dem jüdischen Kanon cinverleibt worden. — Schon NepoS schreibe von den Spartanern, daß sie keinen Krieg zur Zeit des abnehmenden Mondes begonnen. Ebenso berichte Tacitus von den Germanen, daß sie ihre Versammlungen nur zur Zeit des neuen oder Vollmondes hielten. „Die Zeit des Neumondes ist eine heilbringende Zeit; Ehen sollten in ihm geschlossen, Häuser aufgebaut werden"; sage Grimm in der Mythologie der Deutschen." — Aber schon im sechsten Jahrhundert sei dieser Aberglaube vom Christenthum bekämpft worden, während er zu unserer Schande noch jetzt eine Stelle in den rabbinischen Gesetzbüchern habe. Eben so kräftig spricht sich ein praktischer Arzt über das schaarcnwcise Versammeln an dem Lager eines Sterbenden aus. Er habe schon einigemal bemerkt, daß beim Eintreten der Beerdigungsgcscllschaft, oder beim jähen Erheben ihrer unzarten Stimme, der Puls des Kranken auszusetzen begann und den Händen ein Zittern überfiel. Statt dessen wird vorgeschlagen, daß zwei der Erfahrensten aus der Brüderschaft sich zu dem Kranken begeben, und hier jede Störung, welche die bei einer solchen Scene nöthige feierliche Stille unterbrechen könnte, verscheuchen.— Beim letzten Athem, der sich der kranken Brust entwindet, könnten sie dann ihre Stiminc zum Ausrufe des yüü erheben und dem Entseelten das übliche *n "]nW '2 iS" Nachrufen. Beschluß der Unterhausverhandlungen über die Emancipation der Israeliten: *) Nun erhob sich der Äriegsminister, Hr. Macaulay, für die Bill. Er fand die gegnerischen Einreden unerheblich. Die Behauptung, man müsse den Inden das jetzt Verlangte abschlagen, weil sie später mehr verlangen könnten, sei kein zureichendes Argument. Aus der Zulassung der Juden zu Gemeindeämtern folge nicht ihre Zulassung ins Parlament, das sei eine ganz andere Frage. Doch gesetzt auch, sie kämen ins Parlament, so könne er darin nichts so Hochgefährliches sehen. Man habe das Gebet angeführt, mit welchem die Parlamentssitzungen eröffnet werden; aber diesem Gebet, wie überhaupt allen Gebetformeln, seien auch die Quäker entgegen. „Was man, sprach Hr. Macaulay, gegen die Juden gesagt hat, ließe sich ungefähr mit gleichem Recht auch gegen •) Sdie »orige Nr. viele Mitglieder dieses Hauses sagen. Hier sitzen Katholiken und Protestanten, Anglicaner und Dissenter, wohl auch Unitarier und Trinitarier. Jeder derselben behauptet die wahre Religion zu besitzen, aber alle sie können unmöglich Recht haben; es ist also offenbar, auch ohne die Juden, schon viele falsche Religion im Haus. (Der etwas schale Satz des geistreichen Macaulay erregte großen liberalen Applaus) Wenn Juden hier im Hause säßen, wie würden sie sich zu den religiös-politischen Fragen, die man erwähnt hat, verhalten? Lächerlich wäre es gewiß, anzunehmen, daß sie z. B. die schottische Natienalkirche zu stürzen und den Judaismus an deren Stelle zu setzen suchen würden. Im schlimmsten Fall würden sie nicht mehr thun, als dermalen Tausende von Protestanten und Katholiken, d. h. sie würden in Religionssachen das „System der Freiwilligkeit (the voluntiiry sy$tem> cinzuführcn suchen. Das chrenw. Mitglied gegenüber war aufrichtig genug, anzucrkennen, daß die irischen Katholiken jahrhundertelangen Druck erlitten; aber was war die Bedrückung der Katholiken, was die Bedrückung der Dmcnter gegen die Leiden des Judenvolks? Nichts, gar nichts im Vergleich mit diesen. (Hört.') Man fragt, welche factischc Beschwerde denn jetzt auf den Juden in England laste. Ich frage entgegen, ist es nicht factuche Beschwerde genug, wenn ein Mensch feiner Religion wegen von den bürgerlichen Aemtern ausgeschlossen ist? (Hört!) Den Katholiken, sagt man, durste man die politischen Rechte nicht länger vorenthalten, weil es ihrer sechs bis sieben Millionen find; der englischen Juden sind es nur wenige Tausende, darum verweigere man ihr ähnliches Begehren. Eine schöne Argumentation! Der Herzog von Wellington äußerte 1829 im Hanse der Lords, er könne sich der Emancipation nicht länger widersctzcn, die Katholiken seien ihm zu mächtig geworden. Die Juden hingegen, sagt man jetzt, sind nur gering an Zahl, wir brauchen sie nicht zu fürchten, wir brauchen wegen keiner Revolution im Unterrocksgäßchen (Petticoat-lane) oder auf der Duke's-Place (die Londoner Stadtgegenden, wo die meisten Juden bcisammenwohnen) in Sorgen zu seyn; ergo — bekommen sie keine politischen Rechte. (Beifall und Lachen.) Aber eben weil sie einen so unerheblichen Bruchthcil des Volkes bilden, ist es ja um so ungefährlicher, ihre bürgerlichen Rechtsunfähigkeiten aufzuhebcn. Tie Juden, Sir! sind kein Prosclyten machendes Volk; gewiß sie werden in unfern Stadtgemeinden keine Glanbenspropaganda stiften; es gibt für sie „anziehenderes Metall." (Heiterkeit.) Ich habe in neueren Tagen erlebt, wie wenig gewisse Glaubensartikel den Scharfsinn der Casuistcn zu fesseln vermögen, und es thut mir daher leid, daß das Haus seine Zeit mit solchen Discussionen verliert. Es' sollte mich freuen, wenn unsere Casuisten in Orford die Juden mit ihrem Scharfsinn bereichern, ihnen einen Theil ihres so schmiegsamen Geistes eingießen wollten, dann würden die Juden gewiß jede von ihnen verlangte Glaubenserklärung ablegen und so zu jedem Civilamte im Staat befähigt fein. (Beifall und Murren.) Das ehrenwcrthe Mitglied, das zuletzt gesprochen, gedachte des von den Juden verübten großen Rationalverbrcchens, aber ich glaube, es würde besser sein, dergleichen erdkundliche Subtilitäten den Theologen von Fach zu überlassen. Meine Ansicht ist, daß, nachdem wir die bürgerlichen RechtSunglcichheiten der Katholiken und protestantischen Dissenter aufgehoben, das Parlament ohne Ungerechtigkeit dieselbe Wohlthat

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