Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 36 (27.6.1841)
- Date
- 1841-06-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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144 den jüdischen Untertanen I. Mas. nicht vorenthalten kann." Hr. Goulburn, Mitglied für die Universität Cambridge, äußert sein Bedauern, daß einer der Mrnister I. Maj. erklärt habe, zwischen Jud und Christ sei kein Unterschied. Hr. Macauley verwahrt sich gegen diese Auslegung seiner Worte; er habe bloß sagen wollen, über alle dem Parlament vorliegenden religiös-politischen Fragen herrsche unter den Christen selbst ein solcher Meinnngszwiespalt, daß er zwischen Juden und Christen nicht größer sein könnte. Hr. Goulburn sprach dann nachdrücklich gegen die Bill. Abgesehen von der Erwägung, ob hinter derselben eine andere auf Zulassung der Juden ins Parlament laure, oder nicht, sei mit den Gemci-ndeämtern, um die es sich hier handle, Ausübung der Rechtspflege verbunden, diese aber dürfe nicht von Juden über Christen ausgeübt werden. Gesetzt, ein Mann würde wegen Blasphemie gegen das Christcnthum vor die Municipalobrigkcit beschiedcn, mit welcher Conscquenz könnte ihn ein jüdischer Magistrat verurtheilen, welchem selbst' das Christenthum ein Gräuel sei? Wie könnte ein Jude auf Hcilighaltung des christlichen Sonntags dringen, und wieder wie könnte er, ohne sein Gewissen zu verletzen, am jüdischen Sabbath seinen Amtspflichten obliegen? Die Juden seien so ungemein eifersüchtig, die „Gojim" nicht an der Verwaltung jüdischer Angelegenheiten Theil nehmen zu lassen: mit welchem Recht könnten sie also das von den Christen verlangen, was sie selbst allen Andersgläubigen versagen? Sir R. Jnglis meinte es unterliege keinem Zweifel, daß die Urheber und Unterstützer dieser Bill noch weiteres im Schilde führen, habe ja doch der edle Staatssekretär der Colonien (Russell) bereits erklärt, daß er für Zulassung der Inden ins Parlament stimmen würde. Zu andern charakteristischen Merkmalen des modernen Liberalismus gehöre auch eine iviospnkrasische Zärtlichkeit für das Jndenthum — eine Zärtlichkeit, welche, wenn man sie näher untersuche, wohl weniger der interessanten weltschmcrzlichcn Physiognomie des jüdischen Volkes gelte, wie poetische Seelen behaupten, als vielmehr auf die nicht sehr poetische Thatsache hinauslanfe, daß derselbe Liberalismus, welcher einen so gründlichen Abscheu vor dem Erbadel an den Tag lege, einen desto gründlicheren Rcspect vor dem Geldadel fühle. Er (Sir Robert) kenne für die englischen Juden, denen es nach Civilämtern und Parlamentssitzen gelüste, nur einen Weg dahin zu gelangen: den Weg durch die Taufe. Wenn man die Juden, welche in England weder in Ausübung ihrer Religion noch in ihren bürgerlichen Verhältnissen irgendwie beengt seien, darum bedauern wolle, daß ihnen gewisse politische Rechte fehlen, so möge man dieses Mitleid doch zunächst so vielen christlichen Mitbrüdern zuwenden, die wegen nicht zureichenden Vermögens sogar vom activen Wahlrecht ausgeschlossen seien, geschweige denn daß sie an Aemter und Würden denken dürften, womit er indessen radicalen Wünschen in dieser Beziehung kcineswegs das Wort reden wolle. Lord Sandon, ein Tory, untcrstützte die Bill — hingegen Hr. MilneS das Amendement, wo« bei er den Ausfall Hrn. Macaulay's auf die Orforder „Pusepiten- (von denen jetzt in den englischen Blättern so viel die Rede ist, daß sie wie Kirchenzeitungen aussehcn) nachdrücklich tadelte. Der Gegenstand, meinte Hr. Milnes, sey zu ernst, als daß er mit einem Witz von der Minifterbank aus erledigt.werden könne. Die dabei betheiligten Männer gehörten zu den gelehrtesten und ansgezeichnetsten Männern der Hochschule Orford, darum hätte der Hr. Kriegsminister sich bedenken sollen, che er dieselben, wie müßige TagSblätter, des Uebertrittes zum Papismus beschuldigte — jene Männer, welche, nach dem Urtheil so vieler frommen und einsichtsvollen Engländer, mit die treuesten Söhne oder vielmehr die treuesten Väter der englischen Kirche seien. Zum Schlüsse tadelte der Antragsteller Hr. Divett den Ton, in welchem rhrenwerthe Mitglieder für die beiden Landesuniversitäten (Goulburn und Jnglis) an dieser Discussion Theil genommen. Von den parlamentarischen Organen jener altbcrühmten Musensitze sollte man nachgerade mehr Freisinnigkeit erwarten dürfen. (Ungläubiges Lachen auf den Miniftcrbänken.) Es sei der alte Jammer: die Verwechselung von Kirchenthnm und Christcnthum, eine Art von religiöser Jobberci, wodurch an der Staatskirche nichts gebessert werde. Die Dill wurde dann mit der starken Mehrheit von 108 gegen 31 Stimmen zum drittenmal gelesen. Glaube, Liebe und.Hoffnung in der Natur. Ehe ich mich auch noch recht klar darüber mache, was eigentlich „Glauben" sei, fühle ich schon, daß ich ich ihn — wenn überhaupt in der Natur — zunächst in der Tiefe der Schöpfung finden muß, auf dem ewigen, geistigen, göttlichen Fundamente der Welt. Denn der Glaube soll ja die innigste Gewißheit sein, die sich die Unermeßlichkeit vorausnimmt — wie der Keim das ganze Geschöpf umschließt. — Folge ich dann den unzähligen Wesen in ihrer Entwickelung, wie Alles sich entzweit, sich verzweigt, sich verbindet, Jedes sich selbst suchend an ein Anderes gewiesen wird: so dürste ich vielleicht in der Breite der Schöpfung auf den wahren Begriff und die hohe Sendschast der Liebe kommen. Und nun fällt, bedeutsam genug, das Vergehen der beseelten Wesen in die dritte Richtung der Schöpfung, in ihre Länge oder Dauer. — Sollte das Vergehen der Geschöpfe überhaupt nur ein wiederholtes Wandeln derselben nach einem ewigen Ziele sein? Welche Aussicht für unsere Hoffnung! — Also wie der Raum drei Dimensionen hat, müßte sich mir auch die. Natur nach drei sinnlich-geistigen Richtungen aufschließen, — glaubcnsticf, licbesbreit, hoffnungslang. H. Koenig. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kessclr.ing'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghauscn und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 10 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Dell und Schäffer in Kassel.