Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 35 (20.6.1841)
- Date
- 1841-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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139 ner, die nicht von der Welt sind, die dem ver-i derbten Zeitalter schroff gegenüber stehen und zu, denselben den auffallendsten Gegensatz bilden. So verfährt Gott immer, so verfährt er noch, und so wird er verfahren, so oft es Noch thut. Wo sich Nacht und Dunkel um die Erde und die Menfchcnherzen legen und der Götzendienst der Well überhand nehmen will: da sendet der Herr einen El iah, er kommt, mau weiß nicht woher; er ist geboren, inan weiß nicht wo; aber er ist da und redet mit feuriger Zunge und wirket mit glühendem Herzen, und es stürzen ein die Götzenaltäre und die Mitternächte des U11glaubens und des Afterglaubcns schwinden und die Stimme des wahrhaftigen Gottes ruft durch seiner Knechte Mund: Es werde Licht! Und wer dem Herrn treu ist und am Lichte und an der Wahrheit und an einem menschenwürdigen Wandel mehr Gefallen findet, als an der Finsterniß und der Lüge und an einem schlaffen, elenden Bubenwcsen, der hört den Ruf und schließt sich an den Guten und Erleuchteten und hilft reden und wirken für Gott und seine Lehre." Mehreres aus diesen Vorträgen wieder zu geben, erlaubt die enge Grenze unseres Blattes nicht. Aber ohne Zweifel haben alle unsere Leser sich schon mit den Spendungen des göttlichen Wortes, wie sie in so reicher Fülle dem Munde des gefeierten Hamburger Predigers entströmten, bekannt gemacht, und werden darum gewiß nicht verfehlen, sich auch diese neue Gabe, in welchem "der hochbegeisterte Prophet des Herrn" den, der sein Leben schildert, auch mit seinem Geiste zu erfüllen scheint, anzueignen. , Geschichte des Tages. Es ist kaum zu beschreiben, welche Bewegung in Deutschland der Entschluß der Russischen Negierung, eine so große Anzahl guter Schulen unter ihren israelitischen Unterthanen zu gründen, und der Jugend, welche aus diesen Schulen kömmt, das Bürgerrecht, ohne alle Beschränkung zu verleihen, hervorgebracht hat. An 200 haben sich bereits, wenn auch größtentheils nur bedingungsweise, gemeldet, und der Eifer mit welchem die Negierung die Sache betreibt, wird und muß bald zu den segensreichsten Erfolgen führen. Nachstehend theilen wir*) versprochenermaßen unfern Lesern die Verhandlungen über die Emancipation der Israeliten in London ausführlich mit: Am letzten März kam wie erwähnt, im Hause der Gemeinen die Frage einer mindestens theilweisen Judenemancipation zur Sprache, indem Hr. Divcit auf die dritte Lesung der Dill antrug, welche die Erklärungsformel bei der Uebernahme der Gemeindeämter in den englischen Städten, namentlich der Aldermansstellen, abschafft, wodurch der betreffende Beamte „beim Christenglauben" verpflichtet wurde, was also die Israeliten von solchen Aemtern ausschloß. (Zum Scherif hingegen konnte ein Zude *) Nach der Augsb. Allg. Ztg.! schon bisher gewählt werden, wie dieß bei Hrn. Salomons in , London der Fall war.) Hr. E. W. Gladstone (torpstischer Vertreter von Newark, ein Schatzamtslord unter dem Peel'schen Ministerium, ausgezeichnetes Mitglied des Christ-Church-Collegiums in Oxford) widersctzte sich auch diesmal, indem er die in den früheren Stadien der Bill vorgebrachten Einreden näher ausführte. Er meinte, wenn es möglich wäre, eine breite Gränzlinie des Princips zwischen Municipal- und politischen Aemtern zu ziehen, dann möchte die Frage sich anders gestalten, dieß sey aber nicht möglich, und wäre erst den Juden die gemeindliche Emancipation bewilligt, so würde die politische unmittelbar darauf von ihnen verlangt, und das acüve und passive parlamentarische Wahlrecht könnte ihnen dann nicht vorenthalten werden. Seines Erachtens sei das Dekcnntniß des mosaischen Glaubens eine Untüchtigmachung (disquaiiflcation) zum Amt in einem christlichen Lande, vor allen in England, mit dessen sämmtlichen Institutionen das Christenthum so innig verwoben sei, daß man mit Recht gesagt habe, dasselbe sei ein Bestandtheil des englischen Gesetzes »Christianity is part and parcel of the law of England“). "Fangen wir ja doch, sagte Hr. Gladstone, unsere parlamentarischen Geschäfte täglich mit einer christlichen Andacht an; wir beten um Förderung und Ausbreitung der wahren Religion, womit nur die christliche gemeint sein kann. Bei einer früheren Gelegenheit ist von einem edlen Lord (Rüssel) und andern Herren gegenüber viel liberaler Hohn über den von dem sehr chrwerthen Mitglied für die Universität Oxford (Sir R. Jnglis) gebrauchten Ausdruck ergangen, daß diese Bill England zu »entchristlichen (unchristianize)" bezwecke. Ich denke, der Sinn, den mrin sehr chrwerther Freund mit diesem Ausdrucke verband, ist ziemlich klar. Bis jetzt legt unsere Verfassung bei den meisten Aemtern in Staat und Gemeinde den sie übernehmenden Personen einen Eid oder ein Gelöbniß (tesl) auf, wodurch sich dieselben für Bekenner des christlichen Glaubens erklären; solche Testerklärungen durch diese und ähnliche Bills abschaffen, heißt allerdings das Bekenntniß des Christenthums antasten. Die harten Vorwürfe religiöser Unduldsamkeit, die man uns bei der letzten Verhandlung dieser Frage gemacht hat, waren in der That unverdient. Es war früher und ist jetzt nicht entfernt unsere Absicht, mit Mißachtung von einzelnen Juden oder von den Juden im Allgemeinen zu sprechen. Es gibt ohne Zweifel redliche und gewissenhafte Juden, aber leider verstärkt das nur meinen Einwand, denn je gewissenhafter ein Jude ist, desto weniger kann er ein Beförderer des Christenthums sein wollen. Manchcr-Jude würde einem Gemeindeamt ebenso gut, vielleicht besser als mancher Christ vorstehen; aber unsere Verfassung, die Verfassung eines durch und durch christlich organisirten Staats, erklärt sie nun einmal, mehr nach ihrem Geiste als ihrem Buchstaben nach, für untüchtig dazu. Die Toleranz, auf welcher die vorliegende Bill beruht, scheint mir nicht die ächte, sondern jene Falsche, die mit religiösem Jndifferentismus zusammenfällt. Bedenken Sie zumal, meine Herren! den Zustand, die Geschichte, die neueste Geschichte unseres Landes. Von welcher Art sind die schwierigsten und verwickeltsten Fragen, die in Bezug auf alle drei Königreiche vor dem Parlament liegen? Sind es nicht Fragen, welche die christliche Religion betreffen? — Fragen, in welche schon durch die Verschiedenheit der christlichen Bekenntnisse im Reich Meinungszwie«