Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 35 (20.6.1841)
- Date
- 1841-06-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2566751-2566752-2566788--0178-2567768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
138 wird sein eigener Sclave, und der Sclavc irgend eines sittenlosen Weibes; auf diese Weise vergrößert er die Gesellschaft der Schlemmer und Prasser, tödtet seine Zeit und seine Gesundheit; auf diese Weise setzt er am Spieltisch sein Vermögen ein und — sein häusliches Glück. Und es macht das Laster Riesenschritte! Achtet auf unfern Text! „In seinen Tagen bauete Chiel aus Bethel die Stadt Jericho, aber mit Verlust seines erstgebornen Sohnes legte er den Grund und mit Verlust seines jüngsten Sohnes setzte er die Thore ein, wie Gott durch Josua gesprochen." Wundert ihr euch, woher auf einmal diese Erzählung? Der frechste Hohn gegen das Wort eines Heiligen spricht sich hier ans. Josua hatte es nämlich aus triftigen Gründen untersagt, die zertrümmerte Gränzfestung Jericho wieder aufzubauen und zwar mit der Drohung: Es würde dem, der dem Gebote entgegen handelt, seine Kinder kosten (Josua 6, 26). So lange nun eine fyciiige Scheu gegen Religion und religiöse Personen vorhanden war in Israel, unterblieb der Bau: In Achabs Tagen, wo Religion ein leerer Schall geworden, da unternahm ein ganz unbekannter geringer Mann den Bau, ohne auf das Vermächtniß eines großen und würdigen Vorgängers zu achten! Als er den Grund legte, stirbt ihm sein erstgeborner Sohn. Giebt der Vater den Bau auf? stellt er ihn ein? Mit Nichten! Zufall, Zufall ist's, daß mein Sohn gestorben, denkt der Leichtsinnige, und fährt fort zu sündigen, bis er auch den jüngsten Sohn einbüßt. Weiter kann man cs in der Ausartung nicht bringen, denn gottcsfürchtt'ge Eltern müßte selbst der Schatten des Gedankens: Vielleicht versündige ich durch meine Handlungsweise meine armen schuldlosen Kind lein, von der Sünde zurückhalten. Geschieht das nicht, so ist auch kein Schatten von Gottesfurcht mehr vorhanden. — So kann das sündliche Beispiel der Großen und Hohen um sich greifen, wenn sie das Größte und Höchste im Himmel und auf Erden verächtlich, behandeln, Gott leugnen und seine Lehre verschmähen. Und es sprach Eliah, der Thisbite, zu Achab: So wahr Gott lebt, der Herr Israels, vor dessen Angesicht ich stehe, es soll in diesem Jahre kein Thau und kein Regen sein, es sei denn auf mein Wort! Gott beruft unt> et: wecket Männer t>on Geist und Kraft und diese wüsten dem Laster Cinhalt thun. Bibel und Geschichte bestätigen diese Wahrheit. Was waren Noa, Abraham, Mose anders als solche Dämme und Bollwerke gegen das Laster, so oft dasselbe sein Gebiet gar zu sehr erweitern wollte!? Was waren die sämnitlichcn Seher und Propheten, waren Esra,Nehemia, Daniel, die Makkabäer anders, als solche hochstehende Geister, die sich dem Laster und der Schlechtigkeit ihrer Zeitgenossen entgegenstämmten? und so war cs in der Geschichte der nicht-israelitischen Völker ebenfalls: Wenn das sittliche Nebel eine allzugroße Gewalt und Höhe zu erreichen drohete, sandte Gott einen oder mehrere mit außerordentlicher ungewöhnlicher Kraft ausgerüstete Männer, und sie waren es, die das Verworrene entwirrten, das Eingesunkene aufbauetcn, das Erschlaffte stärkten, das Erkrankte heilten; sie waren es, die die Erde reinigten imd ihre Bewohner läuterten, wie man Silber und Gold läutert. — Ihr verlangt und erwartet wohl keine namhaften Beispiele als Belege, denn solche würden drei und zehn Reden nicht erschöpfen. — Wir bleiben bei unscrm Eliah. Wo kam der Mann her? Ihr findet bisher keine Splbe über ihn: Gott hat ihn gerufen, und Gott weiß schon die rechten Männer zu rufen. Wer waren des Mannes Eltern? Auch davon schweigt die Schrift. Sehr wahrscheinlich hatten Vater und Mutter ihn früh verlassen; aber Gott nahm ihn auf(Ps.27). Gott war ihm Vater und Mutter: Gott ist meine Stärke np7N! so heißt des Mannes Name, und in seinem Namen liegt seine Geschichte, sein Charakter, sein Beruf, sein Leben. Wie heißt des Mannes Geburtsort? Ist die Benennung Thisbi sein Familienname, der Name seiner Geburtsstadt? Wer weiß cs: In der ganzen Bibel findet ihr diesen Namen nicht noch einmal, wie unbedeutend mögen also beide, Familie der Stadt, gewesen sein! Das indessen ist Gottes Weise ich wohne bei den Kleinen und Niedrigen, spricht Gott. (Jcs. 57, 16.) Dem kleinsten Volke gab er die größten Lehrer, auf dem niedrigsten Berge gab er das höchste Gesetz. Wozu bedarf cs auch anderer Andeutung als die, die in des Mannes Namen liegt: Meine Macht ist Gott! So sind die Männer, die Gott zu wählen pflegt, sie sind arm und sie sind doch so reich; sie haben keinen Rang und stehen doch so hoch; sie sind an Weltkenntnissen und Weltkünsten so unwissend und wirken doch so viel und so heilsam; sie haben Nichts — und haben Alles, denn np7N sic haben Gott, und Gott ist ihre Stärke. — Lasset uns nun zusammen rechnen: so haben wir in Eliah ganz den Gegensatz von Achab. Dem Baalsdiener gegenüber — der Verehrer des einigeinzigen Gottes; dem Schwächling gegenüber — die entschiedene Charakterstärke; dem Unglauben gegenüber den festen Glauben; der Ueppigkeit und der Genußsucht gegenüber die Mäßigkeit und Genügsamkeit; Achab's Palästen und Gärten gegenüber Elial/s stille Einsamkeit; Achab's reichen Tafeln und Schmausereien gegenüber — das Wasser aus dem Bache und das Brod und Fleisch, das ihm die Raben zuführten; Achab's Sänger und Sängerinnen gegenüber — das Rauschen eines Bächleins, das sich in den Jordan ergießt. Da habt ihr denn den Weg, den Gott wählt, wenn er dem Laster Gränzcn setzen will: Er sendet mitten in die Weltmenschen hinein Män-