Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 35 (20.6.1841)
- Date
- 1841-06-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des immzchnkcn tzaMmderks. Ein Wochenblatt für die Kcnntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthmn Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. 33. Sonntag den SO Juni 1841. 11. Jahrgang. Mono: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. E l i a I) der hochbegeisterte Prophet des Herrn, der Kämpfer für Licht und Wahrheit. Ein heiliges Lebensgemälde. In neunzehn Kanzelvorträgen gehalten im neuen israelitischen Tempel zu Hamburg von i»r. Gotthold Salomon. Hamburg, 1840. (Bei PertheS-Besser und Maucke.) (Schluß). Fragen wir nach der Art und Weife, wie Salomon das göttliche Wort handhabt, nach der ihm eigenthümlichen Diction, so wird sich dieses am deutlichsten ergeben, wenn wir ihn mit den andern zwei Männern, die zu Belebung des göttlichen Wortes in Israel gleichfalls in so hohem Grade beigetragen, mit Kley und Mannheimer vergleichen. In Kley ist das philosophisch-poetische Clement vorherrschend; er zieht durch die Reichhaltigkeit des Gedankens und den poetischen Hauch, mit welchem er ihn anweht, den Zuhörer an. In Mannheimer offenbart sich gleichfalls ein großer Gedankenreichthum, der aber deshalb noch mächtiger auf den Leser und Zuhörer einwirkt, weil die Anschauung ganz aus der Tiefe des biblisch-israelitischen Bewußtseins stammt, und von einem ungemein lebendigen, wir möchten sagen prophetisch-populären Ausdruck begleitet ist. Beide Redner machen es jedoch dem Zuhörer nicht leicht, ihnen zu folgen, und es müssen sich dieselben schon begnügen, den Hauptgedanken und den großen Eindruck des Ganzen, der bei dem Einen ein philosophisch-religiöser, bei dem Anderen ein religiös-philosophischer genannt werden kann, in sich ausgenommen zu haben. Hingegen besitzt Salomon (dessen Standpunkt ebenfalls ein rationellisraelitischer ist) die große Kunst des Veranschaulichens und Jndividualisirens; er nimmt aus dem reichen Fond des religiösen Bewußtseins nur wenige Gedanken, weiß aber diese so rednerisch durchzuarbeiten und so fruchtbar auf die verschiedensten Verhältnisse des Lebens anzuwenden, daß der Zuhörer mit Leichtigkeit ihm folgen kann, und darum noch in erhöhten Grade erbaut wird. Dieses Characteristische in der Vortragsweise unseres Verfassers spricht sich natürlich auch in den vorliegenden Reden aus, aber es muß den schon längst begründeten Ruhm desselben noch erhöhen, wenn man gewahrt, wie derselbe noch immer weiter schreitet, wie der Ausdruck in diesen Vorträgen noch unmittelbarer, noch einfacher, noch lebendiger ist. Zum Schluffe darum als Beleg noch folgende Stellen aus dem ersten Vortrage: „Es ist der Mensch ein schwächlich und gebrechlich Wesen, darum wandelt er gar zu oft seinem Auge und seinem Herzen nach. Diesen beiden Unterhändlern der Sünde folgt er und läßt sich verlocken, den breiten, mit Blumen bestreuten Weg der Sünde zu wandeln, bis es um ihn geschehen ist. Auf diese Weise läßt sich der Mensch bald von dem Schimmer und dem Wohlklang des Goldes zur Habsucht, zum Geiz, zum Betrug, zum Diebstahl verleiten; auf diese Weise läßt er sich von den Netzen der Wollust umstricken, vergeudet seine Kraft und