Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 33 (6.6.1841)
- Date
- 1841-06-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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181 der Ruhe und Faulheit überließen, und den andern, die ihr volles Erbtheil noch nicht hatten, mit den Waffen in der Hand nicht dazu halfen, weil unter den verschiedenen Stämmen auch bald Eifersucht und Nebenbuhlerei einriß; und weil auf Josua nicht sogleich ein kriegerischer Feldhauptmann des Volkes folgte — so haben Moses große Gedanken und Entwürfe nimmer völlig zum Leben gelangen können, da der politische Staatsleib, worauf er bei seinem Entwurf gerechnet hatte, nimmer ganz fertig ward. — Und deswegen ist der mosaische Staat früh zerspaltet, darauf wegen seiner Zwietracht und weil er die Meeresküsten und den Libanon nach Moses Plan nicht erobert und eingenommen hatte, in den Kriegen neidischer Nachbarn und mächtiger fremder Eroberer Jahrhunderte lang hin und her geworfen, darauf unterjocht und zinsbar und endlich bald nach dem Anfänge unserer Zeitrechnung gänzlich ausgelöscht worden. In dieser mosaischen Gesetzgebung war der Stamm der Leviten, zu welchem der Mann Gottes selbst gehörte, ein mit vielen Vorrechten begabter und gleichsam adelicher Stamm. Aber das übrige Volk war nicht vergessen. MoseS hatte das ganze Land stammweise eingetheilt und jedem freien Obermann in jeder Familie war in jedem Stamm sein Loos oder Erbe an Land zugetheilt worden. Dieses Loos Land war unveräußerliches Staatslchen, und mußte bei der Familie, der es angewiesen war, von Geschlecht zu Geschlecht bleiben. — Besonders aber lag das in dem Plane des Gesetzgebers, daß nicht mehre Loose unter dem selben Besitzer Zusammenkommen und auf diese Weise eine zu große Ungleichheit des Landbesitzes entstehen sollte. Man kann dies alles in seinen Büchern von den Gesetzen und Ordnungen der verschiedenen Stände weiter Nachlesen, vorzüglich aber ist das Buch Ruth darüber ein Komentar mit stehenden Lettern. Wie sehr Moses Gesetzgebung überhaupt die Freiheit begünstigte, beweist nichts mehr als fein treffliches Gesetz von dem Haüjahre, welches alle fünfzig Jahre alle verpfändeten Grundstücke dem alten Besitzer wiedergab, und jenes andere Gesetz, welches denjenigen, der einem Andern seine persönliche Freiheit verpflichtet oder verkauft hatte, in jedem siebenten Jahr wieder zum eigenen Herrn seines Leibes machte. — Ein Correspondenzartikel des F.F. Journals bemerkt bei der Erwähnung der Petition der Hildburg Häuser Israeliten: *) »In dieser von dem israelitischen Gemeinde-Rcligionslehrer Herrn Steinhard verfaßten Petition, welche die besondere Verhältnisse Hildburghausens (wo trotz der herrschenden Intelligenz viele gegründete Ursachen zu Beschwerden vorhanden sind) berücksichtigt, werden die wichtigsten Argumente für die Gleichstellung kurz und klar und in sehr wichtiger Haltung entwickelt und die wesentlichsten Einwürfe, welche man dagegen zu erheben pflegt, beleuchtet, und deren gänzliche Unhaltbarkeit bis zur Evidenz dargethan und uachgewiescn. Man ist darauf gespannt, welche Haltung der Landtag in dieser Angelegenheit beobachten werde, soviel darf man wohl annehmen, daß die intelligenten Mitglieder der Siändeversammlung die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit einer legislativen Verbesserung theilen, oder doch gewinnen werden, und vielleicht ist die gegenwärtige Zeit besonders, da man bedeutenden Fortschritten in Preußen und in Rußland entgegensieht, und selbst die hochgestellten Staatsmänner, welche sich ftüher gegen die Emancipation erklärt hatten, wie jüngst in den Israelitischen Annalen ausführlich berichtet worden, nicht Anstand nehmen, öffentlich auszusprechen, daß die früher gegen die Gleichstellung geltend gemachten Ansichten nicht mehr in den Verhältnissen begründet seien, und die achtbarsten Autoritäten somit ihre Stimme in jetziger Zeit für die Gleichstellung geben. — Um so hoffnungsvoller sehen die diesseitigen Israeliten dem Ausgange der Berathungen entgegen, indem sie jedenfalls von der fortschreitenden Humanität sowohl der hohen Stände als insbesondere von der stets humanen Gesinnung hoher Regierung eher ein günstiges, als ein ungünstiges Resultat erwarten dürfen." Einige reiche böhmische Israeliten, die theils in Prag, theilS in der Umgegend bedeutende Fabriken besitzen und betreiben, aber vielfach durch dgs mittelalterliche Jndenzesetz in dem Betrieb ihrer Geschäfte behindert sind, wendeten sich an den Kaiser und baten, daß ihnen entweder die allgemeinen bürgerlichen Rechte verliehen, oder ihre gewerblichen Verdienste durch Erhebung in den Adelstand belohnt werden möchten. Für die erste Litte wurden sie abweisend beschirden, die zweite hingegen fand auf besondere Verwendung des Oberstburggrafen Gehör, so daß dieselben wirklich in den erblichen Adelstand des österreichischen Kaiserthnms erhoben worden find. — Einer königl. Kabinetsordre zufolge, ist die vor einigen Jahren in Preußen ergangene Verfügung, wonach den Juden untersagt wurde, ihren Kindern christliche Vornamen beizulegen, dahin declarirt worden: daß unter den ihnen nicht gestatteten Namen nur diejenigen zu verstehen seien, die entweder vom Namen des Erlösers abgeleitet seien, wie Christian, Christoph rc., oder die sich auf ein Dogma der christlichen Kirche beziehen, wie Renatus, Anastas, Baptist und Peter. Alle anderen Namen sind jedoch als Gemeingut der Bekenner aller Religionen anznschen. — Zu dem Rühmlichen, waS wir bereits über Sondershausen berichtet, *) können wir noch hinzufügen, daß der dortige humane Fürst in Anerkennung der Verdienste des Lehrers Heidenheim denselben als ordentlichen Lehrer der zweiten Claffe der fürstlichen Realschule angestettt hat. Montefiore ist bei seiner Rückkehr nach London nicht nur von allen dortigen Israeliten auf das Freudigste begrüßt worden, sondern fand auch eine unzählige Menge Briefe aus allen Theilen Europas vor, welche ihm die lebhafteste Theilnahme zu erkennen gaben. In der portugiesischen Synagoge ward eine besondere Dankfeier, zu welcher die Gebete und Hymnen eigends verfaßt wurden, abgehalten, was einige Tage darauf auch in der deutschen Synagoge, jedoch mehr nach dem herkömmlichen Ritus geschah. Freude und Bewunderung erregt aber überall der hochherzige Entschluß der Russischen Regierung, ihre zwei Million Israeliten, die bis jetzt in einem kaum geahndeten Elend schmachten, zu emaneipiren. Doch nur um den Preis einer moralischen und geistigen Durchbildung will sie dieses Geschenk verabreichen. 200 Schulen, Land-Bürger- und höhere Schulen mit Gouvernementslehrern, Oberlehrern rc. sollen neu gegründet und eröffnet werden, und die Jugend, die aus diesen Schulen kömmt, soll ohne •) S. die vorhergehenden;wei Nummern. ') S. Nr. l. Jahrgang i. dieses Blattes.