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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-05-09 · Heft 30 (9.5.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 30 (9.5.1841)
Date
1841-05-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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118 verdankten sie ihren Verfall den Umänderungen, welche die ursprüngliche Verfassung erlitt und der Nichtberücksichtt'gung der wohlberechneten Gesetze über die äußeren Formen und über die leeren Aeußerungen eines falschen Eifers. Doch war das von Moses geknüpfte Band unauflösbar. Die. babylonische Gefangenschaft endete, und die Republik erstand wieder, wenn auch schwach wankend, bis zu der Zeit, wo die Heldenfamilie der AhaSmonäischen Fürsten, wo die Maccabäer sie wieder in den Rang der Staaten erhoben. Dieser glückliche Zustand aber konnte nur ein vergänglicher sein, und dazu trugen die Natur der Umstände und die geographische Lage Judäa's weit mehr noch bei, als die Mißgriffe der Hebräer. Wie hätten sie nicht unterliegen sollen bei den häufigen Staatsumwälzungen, deren Schauplatz der Orient war? Wie hätte Nom, das Persien, Syrien, Egypten unterwarf und an allen Orten das Gefühl der Freiheit erstickte, der es selber nicht mehr würdig war, ein kleines Volk bestehen lassen können, das die Kaiser gering achtete und nur von seinem Gesetze und seinem Gotte abhängig zu sein verlangte? Jerusalem mußte fallen, aber mit Ruhm und während sich die meisten andern Völker ohne Widerstand vor den Siegern beugten, bewahrten die Juden in den Ketten, mit denen man sie fesselte und auf den Märkten, wo man sie als Sklaven zu verkaufen-sich nicht entblödete, die Hoffnung der Freiheit. Zwei fast allgemeine Aufstände, zur Zeit Trajans und während der Negierung Hadrians, unfruchtbare und blutige Einsprüche gegen die Zerstörung ihres Vaterlandes, thaten es dar, daß sie das Recht zu haben glaubten, das mit Gewalt wieder zu erobern, was Gewalt ihnen genommen hatte. Hier endet nach sechszehn hundert Jahren ihr Daftyn als Volk. Es öffnet sich eine andre Bahn vor ihnen, lang und dornenreich, auf der sie für Jahrhunderte des Unglücks durch Siege auf einige Tage nicht entschädigt werden. Eine Anstalt, berufen, einen weiten Raum auf der Erde einzunehmcn, hatte imSchooße derselben ihren Ursprung gewonnen; sie brachte auf der einen Seite die mosaische Lehre empor und lenkte sie auf der andern von ihrem eigentlichen Geleise ab; sie erleichterte einerseits den nothwendigcn Entwicklungsgang des Menschengeschlechts und lieferte andrerseits den Stoff zu Fesseln, die viel Nachtheiliges und viel Gutes mit einander verbinden mußten. — Zu der natürlichen Entzweiung, die zwischen dem Stamm und den auf eine ursprüngliche Glaubenslehre gepfropften Zweigen eintritt, kam bei den Hebräern das Schmerzensgefühl hinzu, sich der Gewissensfreiheit beraubt und sich nicht nur zur Zeit ihres Unglücks aufgegeben zu sehen, sondern auch zu hören, daß man sie eines noch unerhörten Verbrechens beschuldigte, dessen Name ihnen schon die höchste GötteSlästerung zu sein schien. So keimte unter ihnen die erste Saat der Zwietracht, die, obgleich sie durch gemeinsame Unwissenheit und gemeinschaftlichen Fanatismus vergrößert wurde, doch unter der Herrschaft der Römer nur einzelne Angriffe und viele Beweise der gegenseitigen Verachtung und des Hasses erzeugte. Sobald aber die Schüler der neuen Lehre, so demüthig zur Zeit des Unglücks, der Prüfung des Glücks unterworfen wurden; als sie, wie es von den augenblicklichen Umständen erfordert wurde, ein Schutz- und Trutzbündniß mit dem politischen Despotismus eingegangen waren, änderte sich die Gestalt der Dinge und plötzlich waren sie aus Unterdrückten Unterdrücker geworden und ließen besonders den Juden die Größe ihrer Macht fühlen. Wir sahen, daß Moses die Lehren des Orients umgestürzt, daß er die Grundspaltnng in Kasten und dieses ganze theokratische System — das darin besteht, wenn das Recht, die göttliche Vernunft sprechen zu lassen und andre untere Klassen diesem Ausspruch nach eigenem Willen zu unterwerfen, ausschließlich einem bevorzugten Stande Vorbehalten ist, aufgehoben hatte. Er hatte an die Stelle dieses Systems, wenn man mir den Ausdruck erlauben will, die Nomokratie d. h. die Herrschaft des Gesetzes gebracht, eines Gesetzes, das ganz und gar im wesentlichen Interesse des Volkes selbst war, das in jedem Worte das Recht des Volks anerkennt und vom Volke selbst freiwillig anerkannt wurde, das endlich das Amt, dasselbe in Anwendung zu bringen, Männern aus dem Volke vertraute, welche den drei Bedingungen zu genügen vermochten, daß sie die unterichtetsten, einsichtigsten und reichsten am guten Rufe waren. Die neue Lehre, ohne zu wagen, den Propheten zu verläugnen, der ihre wesentliche Kraft auömachte, stellte die theokratische Ordnung der Gesellschaften des Nils und Ganges, mit Abänderungen, welche die Zeiten erforderten, wieder her; zeigte einen erschreckenden Widerspruch zwischen ihrer Theorie und Anwendung und verschloß, um nicht vom Rufe des alten Gesetzgebers beschwert zu werden, auf furchtbare Art den Mund seiner gesetzmäßigsten Sprecher. Welche Bedeutung hatte es für sie, daß dieses Volk während zwanzig Jahrhunderten der erklärte Liebling ihres eignen Gottes war? Welche Bedeutung, daß sie selbst aus seinem Schooße hervorging und daß sie für immer zu der Art von Achtung verpflichtet war, die man einer Mutter schuldet, selbst dann, wenn sie strafbar sein sollte! ES mußte die Opposition, die, überall gegenwärtig, jeden Augenblick, das Gesetz und die Prophezeiungen in der Hand, den natürlichen Sinn derselben anzugeben und die Mißbräuche, die man von ihnen zu machen sich nicht scheute, zu enthüllen im Stande war, wenn nicht vernichtet, dies war nicht in ihre Macht gegeben, doch zertrümmert werden! Wer möchte Alles, was die Juden zu ertragen hatten, wiederholen? Wer fände Gefallen genug an Behauptungen, um die Verfolgungen von funfzehnhun-

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