Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 30 (9.5.1841)
- Date
- 1841-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des ncunzcßnlk« 8M«Oetts. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung- Herausgegeben von Vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. 30* Sonntag den v. Mai 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freifinnig, muthvoll und wahr. Israels Vergangenheit und Zukunft. *)! „Es werden die Tage kommen, wo ein neuer „Bund wird geschloffen werden, alle Völker „werden in Ueberfluß und Frieden leben. Die „Einen werden die Andern nicht zu belehren „brauchen. Jeder wird Gott, die Wahrheit „ohne Fehl kennen und das Gesetz im Grunde „seines Herzens tragen." Jesaias IV. Jeremias XXXI, 31. 34. Es waren fast vierzig Jahre seit dem Eintritt der Juden in die einsamen Thäler Arabiens verflossen, der Gesetzgeber hatte sein Werk vollendet und es nahte die Stunde, wo er auch an sich das Urthcil vollziehen mußte, das wir ihn über das ganze alte Geschlecht aussprechen hörten, von welchem er nichts Günstiges mehr für die Selbstständigkeit und Gleichheit des Volks erwartete. „Jehovcch," sprach er zu den jungen Hebräern, „zürnte auch mir wegen des Murrens Eurer Väter; er will, daß ich, gleich ihnen, den Jordan nicht überschreiten solle. Ich werde nun das gute Land nicht betreten, das Euch bestimmt ist; es muß mir genügen, daß ich es aus der Ferne von der Höhe des Berges herab erblicke und bewundre, — ich werde meine Tage hier in der Wüste beschließen." Auf diese Weise beendete dieser Mann, in dessen Seele die zartesten und furchtbarsten Gefühle, die es geben kann, neben einander wohnten, dessen unbeugsame Standhaftigkeit sich nie verleugnete, der zugleich Feldherr, Gesetzgeber, Sittenlehrer, Geschichtschreiber und Dichter war, — seine politische Laufbahn noch in voller Kraft der Gesundheit, trotz seines Alters.*) Bon allen Weisen, die sich vor ihm mit Gesetzgebung beschäftigt hatten und von allen denen, die seit ihm sich berühmt machten, hat es Keiner so deutlich, wie er, begriffen, daß die gesellschaftliche Ordnung die Weltordnung zur Grundlage und die freie Befriedigung der natürlichen Bedürfnisse des Menschen, seine llnabhängigkeit und seine Ruhe züm Endziele haben müsse. Aber war in dem barbarischen Jahrhunderte, in welchem er lebte, und in den darauf folgenden Zeiten die Masse von Menschen, denen er Gesetze gab, im Stande, sich zur Höhe seines Geistes aufzuschwingen? Keineswegs; auch die Juden mußten stets hin und herschwanken, denn während sie die Macht ihrer Verfassung auf dem Wege Moses's erhielt, wurden sie durch Unwissenheit, Aberglauben, nichtige Interessen und durch den unvermeidlichen Einfluß der ftemden Völker Mit Gewalt von ihm entfernt. Ich gab die Ursachen an, welche sie unter den Richtern nicht in der anbefohlenen Gesammtheit wirken ließen; sie nahmen Sitten an, vor welchen sie der Gesetzgeber ohne Unterlaß gewarnt hatte und die Strafe für diesen Fehlgriff erreichte sie. Unter den Königen *) Wir bezeichnen so das letzte Kapitel in der Schrift von Salvador, aus welchem wir den nachstehenden Aufsatz entlehnten. Red. *) Moses war damals einhundert und zwanzig Jahr alt, sagen die letzten Kapitel des Deuteronom, fein Geficht war nicht geschwächt und seine Kraft nicht verschwunden.