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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-05-02 · Heft 29 (2.5.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 29 (2.5.1841)
Date
1841-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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115 in den Myrthensträuchen des Paradieses schlug, hätte die Gottheit ein neues Gestirn in weitester Ferne des Himmels hervor gerufen. Die ersten Strahlen jener Sonne wären mit der Schnelligkeit von 42,000 Meilen in jeder Sekunde fortgecilt, um den fernherrschenden Sonnen den Regierungsantritt ihrer Königin zu verkündigen: wann möchte wohl der unermüdliche Strahlenbote, der an unserer Erde vorüber nach unserer Sonne eilte, sein Ziel erreicht haben? Seit Adam aus dem Paradiese verstoßen worden, wie viel enthronte Könige find nicht ausgewandert! Wie langsam find nicht die Staaten angewurzelt und ausgewachsen, deren fich die Geschichte kaum noch erinnert! Welche Völkerwanderungen find weidend und kämpfend langsam, langsam fortgerückt, haben fich in fremden Welttheilen angesiedelt, und sich zu blühenden Staaten ausgebildet! Und seit jenem ersten Opfer Abel'S, da der unschuldige Opferer neben seinen reinen Früchten blutig von Bruders Hand fiel. — Wer zählt die Hammerschläge, seit Tubal unter den Pforten des Paradieses das Metall zu bearbeiten anfing, bis auf Cockerill, der in seinen Schmieden an der Maas wöchentlich achtzig Tonnen Eisen verarbeitet? — Um ein Recht, um einen heiligen Gedanken, oder auch um einen Mißverstand, um einen Wahn haben Jahrhunderte blutig gerungen. Und wie langsam find ans solchen blutigen Ueberschwemmungen wieder die Cokospalmen der Bildung gereift! Wie langsam sind die Pergamentblätter vom Baume der Wissenschaft in jahrhundertlanger Nacht der Barbarei fortgeweht worden, um jugendlichen Völkern zum Schulbuche der Bildung zu werden! — Und seit all' dieser Zeit zückt der Lichtstrahl jener Sonne unermüdlich in seiner Eile von 42,000 Meilen mit jedem menschlichen Pulsschlage fort, und hat noch nicht den zweihundertsten Theil des Weges zurückgelegt, um unserer Erde das Dasein einer Sonne zu verkündigen, die seit Adam's Zeit leuchtet, und die wir noch nicht sehen, weil ihr Licht bei uns noch nicht angekommen ist. —« (Schluß folgt.) Beschämend muß es für manche israelitische Gemeinde des Abendlandes sein, was von dem Gottesdienste in Constantinopel berichtet wird. Erstens habe man dort die langweiligen Piutim gar nicht, sondern für dieselben sehr inbrünstige und erhebende Gebete, auch sei aller Singsang entfernt, die Gebete werden Wort für Wort, langsam, deutlich, in richtigster Leseweise gesprochen. Der Vorsänger hebt an, die Gemeinde folgt ihm, und dies stets in so gemessenem Tempo, daß Niemand mit einem halben Worte zu spät oder zu ftüh endigt. — Ich muß gestehen, (bemerkt der Verfasser dieses Berichtes) daß ich mich an ihrem Gottesdienste sehr erbaue, und mit Grauen an unsere deutschen Synagogen zurückdenke. Ein vorzüglicher feierlicher Act ist die Hagbaha, die vor der Vorlesung, nicht nachher stattfindet. Die ganze Gemeinde erhebt von ihren Sitzen aus stehend die Hand nach dem Sefer hin, und küßt die miterhobenen Zizit. Was die sogenannte Frömmigkeit (fährt der Berichterstatter fort) betrifft, so findet diese hier in Constantinopel bei allen Juden aufs pünktlichste statt. — Oeffentlich wird gewiß Niemand den Sabbath oder die Speisegesetze übertreten. Auch steht der Chacham-Baschi und sein Synedrium hier Wache, denn eS steht in seiner Macht, jede ihm zu Ohren kommende Verletzung zu bestrafen, und ist Reich oder Arm der Bastonade gleicher Weise unterworfen. Jedoch ist zu bemerken, daß überhaupt der Ritus der Spanier bei weitem nicht so streng ist, wir der unsrige, und daß sie über Vieles lachen, was den deutschen frömmeren Juden viel Sorge macht. — So würden;. B. ihre Mazzot bei uns unbedingt chamez sein, indem sie sie dick, wasserstriemig, mit Eiern und Oel zu Kriegeln machen, sie dann zerreiben und herrlichen Kuchen bereiten. Reis, Rosinen u. dgl. find erlaubt. So sind ihre Schechitagesetze bei weitem nicht so strenge, bei ihnen ist Vieles kascher, was bei uns verworfen wird, aber auch umgekehrt. Möchten doch die deutschen Juden daraus entnehmen, daß dies Alles demnächst nicht so felsenfest seit Jahrtausenden steht, wie es die ftüheren Rabbimn fich und ihnen einreden mochten. — Die Hoffnung der preußischen Israeliten auf Verbesserung ihrer bürgerlichen Verhältnisse wird durch einzelne Verfügungen der neuen Regierung immer mehr befestigt. So sprach kürzlich das Ministerium aus, daß Israeliten, welche das Staatsbürger, recht erlangt haben, (und daher militärpflichtig sind) die in manchen Theilen der Monarchie noch bestehende Steuer für Befreiung vom Militärdienste nicht zu zahlen haben; daß die Synagogen und Gottesäcker der Israeliten nicht fubhastirt werden können, und daß der König die Bezeichnung: „An den Juden N. N.-, auf der Adresse eines die Verleihung des Bürgerrechtes betreffenden Erlasses, als durchaus unstatthaft gefunden. Als die Quelle der schlechten Jugenderziehung in Polen wird das dort noch übliche stütze Heirathen bezeichnet. Knaben von vierzehn Jahren werden nach dem Willen der Eltern schon verheirathet. Man läßt nun das junge Ehepaar, welches fich gemeiniglich dem Müsfiggange ergiebt, noch ein paar Jahre unter Aufsicht der Eltern heranreifen, bis etwa der Mangel fie nöthigt, an einen Lebensbetrieb zu denken. Mißstimmung, Zwist und vollendete Abneigung gegen das Hauswesen folgen bald einander, und eine Auflösung der Ehe ist noch das geringste Uebel. Dann aber wehe den armen Kindern, die unter solcher Häuslichkeit ihre ersten Lebensjahre verbringen, und jetzt fast ganz verlassen find, oder tyrannischen Stiefeltern zu Theil werden, die öfters aus ähnlichen Verhältnissen zu der neuen Verbindung gekommen find. — Schlecht sieht es noch mit den israelittschen Schulen in England aus, da die Regierung sich ihrer gar nicht annimmt. Die Schulen befinden sich, mit Ausnahme der Freischulen, sämmtlich auf dem Lande und dürfen mit dem Namen Penfionsanstalten belegt werden. Wie es hier in jedem Geschäfte Opposition giebt, so ist es auch bei den Schullehrern der Fall. Zeder strebt, die Anzahl seiner Schüler zu vergrößern, und sucht natürlicherweise den Wünschen der Eltern aufs bestiedigenste zu entsprechen. — Hieraus folgt denn, daß man dem Knaben hauptsächlich dasjenige beizubringen sucht, worin die Eltern besondes wünschen, daß er glänze. In Würtemberg haben die israelitischen Gemeinden Jemanden nach Livorno geschickt, um dort das sogenannte Porsche« der Hinterviertel (Nv:N T3 Tip’’:) zu lernen. Derselbe ist nun mit einer Approbation (rtap) von dem dortigen Rabbinatscollegium zurückgekehrt und giebt jetzt in jener Ferttgkeit in Carlsruhe Unterricht. Dieses Beispiel sollte von allen Gemeinden nachgeahmt werden.

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