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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-05-02 · Heft 29 (2.5.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 29 (2.5.1841)
Date
1841-05-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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114 die oben bezeichnten Einflüsse würde eine solche edle und hochherzige, durch keine eitle und kleinliche Neuerungssucht getrübte und von dem gemeinen und rohen Aufklärungsdünkel unberührte, Persönlichkeit gewiß sehr leicht durch sich oder durch Benutzung der Umstände die Bürgschaft bieten können, für die sorgfältige Hintanhaltung eines jeden in Beziehung auf die jüdisch-religiöse Praxis irgendwie destructiven Elements von den religiösen Vorträgen. Eine solche jüdisch-theologische Notabilität am ehesten, könnte dann auch wenigstens örtlich eine Vermittelung der zuweilen einander anscheinend schroff entgegcnstehenden Forderungen der Zeitbildung und des Nabbinismus herbeizuführcn vermögen, einerseits durch tief eingehende und umfassende Würdigung des Letzter« nach seinem alles durchdringenden religiösen Geiste, von seinem innersten religiösen und historisch-berechtigten Kerne aus, andererseits selbst schon durch Beleuchtung der fraglichen Gegenstände jüdisch-religiöser Praris aus dem den Rabbinen der alten Schule unzugänglichen und doch zu beachtenden Standpunkte der Zeitbildung, aber stets nur im Geiste des Friedens und der festen Eintracht, im Geiste wissenschaftlicher Würde, Ruhe und Besonnenheit der auch allein der Geist der Wahrheit ist, in dem Geiste der allein in allen Richtungen des geistigen Strebens den wahren Fortschritt begründet und verbürgt." Dieser Vorschlag hat unfern ganzen Beifall, und wir dürfen uns von seiner Ausführung den heilsamsten Einfluß auf die Fortbildung des Judenthums versprechen. Denn nicht zu läugnen ist es, daß die Armuth unserer theologischen Literatur hauptsächlich daher rührt, weil die allermeisten Rabbinen, da sie durch die ihnen verbliebene Entscheidung der Gcwissensfragen immer noch als bestellte Vertreter des herkömmlichen rabbinischen Systems angesehen werden, es, um ihr Vertrauen bei ihren Gemeinden nicht zu verlieren — nicht wagen, reformatorisch in der literarischen Welt aufzutreten. *) Daher müssen denn alle Bessergesinnten wünschen, daß den Rabbinen eine Stellung gegeben werde, durch welche sie in ihrer fruchtbarsten Wirksamkeit nach außen, wie in einem kräfu'geren und entschiedeneren Auftreten in Mitte ihrer Gemeinden nicht mehr gehemmt werden, wie denn auch die vorgeschlagene Einrichtung für die Altgläubigen selbst mehr Beruhigendes haben muß. Daher sehen wir auch, daß die größten Gemeinden, wie Wien, Prag, Breslau u. a. die fragliche Einrichtung schon ausgeführt haben, und es möchte nicht zu schwer sein, dieses auch in kleineren Gemeinden zu bewirken, da sich immer Leute finden werden, welche für eine geringe Renumeration, zumal wenn man ihnen den hier noch am passendsten Ehrennamen eines Dajon •) Der Unterschied, welchen Geiger in seinem erwähnten Aussätze zwischen dem Rabbinen und dem Schriftsteller macht, kann nur von diesem, nicht aber von der Gemeinde begriffen werden, die auf ihrem Standpunkte das Geschichtliche vom Absoluten in der Religion nicht zu trennen vermag. giebt, die Eltscheidung der sogenannten Gewissensftagen (irvni 112'dr nNTiro zu übernehmen. Hoffentlich aber wird die Zeit immer näher kommen, wo jeder Israelit in etwas Höherem, als in miutiösen rituellen Satzungen, die Stütze für seine Religion suchen wird, und dazu wird eine freiere Stellung der Volkslehrer und Rabbinen, wie sie durch die obige Einrichtung bewirkt wird, gewiß das Meiste beitragen. Geschichte des Tages. Fortsetzung der Betrachtungen über Natur und Welt *) »Deine Schatzkisten, o Mensch, kannst du mit deiner Hand umspannen, deinen Mantel an der Länge des Armes messen, deine Paläste mit Schritten umgehen, deine Felvgüter mit einer Ruthe überschlagen, und dein Machtgebiet, o König, mit dem Scepter ins Geviert durchkreuzen. Nach Stunden zählt der Fußgänger, und der Pilger der Wüste nach Tagereisen, die sein flüchtiges Dromedar durchrennt. Innerhalb unsers Sonnengebiets pflegt man wohl auch die Entfernungen der Planeten unter einander nach Meilen zu bestimmen. Wird aber die Zahl der Meilen zu groß, so leiht man eine Mutterelle von unserer Sonne, nämlich die Länge eines Halbmessers der Sonne, oder die über 96,000 Meilen lange Linie von der Oberfläche der Sonne bis in ihren Mittelpunkt, und berechnet die Räume nach Sonnenhalbmessern. So sagt man, die Erde sey 216 Sonnenhalbmesser von der Sonne entfernt, Uranus, der äußerste Planet unseres Sonnensystems, gar 4130 solcher Halbmesser, die über 400 Millionen Meilen ausmachen. — Geht man nun über den Uranus und die Grenze unsers Sonnenreiches hinaus, und betritt das unkatastrirte Gebiet, welches vielleicht nur von der ausschweifenden, republikanischen Jugend der Kometen durchschwärmt wird; so bedient man sich, um bis zum nächsten Fixsterne, mithin bis zur Residenz unseres nächsten Nabarregenten, zu messen, abermal einer größern Meßruthe. Man nimmt eine Linie durch den Kreis, den unsere Erde in einem Jahre um die Sonne beschreibt, einen vierzig Millionen Meilen langen Maßstab, und rechnet nach »Erdbahn durch messern.« Doch wie unzureichend wird auch dieser Maßstab wieder für tue fernern Firsternweiten! In dieser erstaunlichen Wüste, wo der Pilger »Gedanke« von einer Stern-Oase zur andern zieht, bedient er sich auch eines flüchtigen Dromedars, und reist mit der Geschwindigkeit des Lichtstrahls, der in einer Sekunde über 42,000 Meilen Wegs durchzückt, — eine Geschwindigkeit, mit welcher er, nach der bekannten Berechnung in acht Minuten den'Raum von der Sonne zur Erde durchmißt, wozu eine Kanonenkugel in ihrer gleichmäßigen Eile gegen sechsundzwanzig Jahre brauchte. — Denken wir uns nun, — in jenen friedlichen Tagen, da der erstgeschaffene Adam, voll Verlangen nach einer Genossin, jeden blühenden Strauch suchend aus einander bog, und in den Nächten', da seine Liebessehnsucht mit den hundert Nachtigallen *) S. die vorige Nr.

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