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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-03-28 · Heft 25 (28.3.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 25 (28.3.1841)
Date
1841-03-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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99 Humanität und Rechtsachtung derselben mehr zu freudigen Hoffnungen, als zu trüben Befürchtungen berechtigt! — Ersteres trat auch entschieden hervor bei der unlängst erfolgten Thronbesteigung.des Königs von Preußen, und die Reden derjenigen, welche ganz besonders dazu berufen waren, die Gefühle der israelitischen Gesammtheit, bei jenem hochwichtigen Ereignisse an heiliger Stätte auszusprechen, geben davon Zeugniß. Unter jenen Reden ziehen aber besonders zwei unsere Aufmerksamkeit auf sich, die eine ist die eines vierundachtzigjährigen Greises, des Landrabbinen Friedländer in Brilon, wahrscheinlich der älteste der preußischen Rabbinen, und die zweite, die des wahrscheinlich jüngsten unter ihnen, des Dr. Geiger in Breslau. Beide sprechen die Wünsche und Hoffnungen jedes höherstrebcnden Israeliten am würdigsten aus; es besiegelt der Greis das, wofür das Herz seines jungen Amtsgenossen glühet; cs besiegelt das Alter, es besiegelt das im Erforschen des göttlichen Gesetzes grau gewordene Haupt, wonach die Gegenwart, die durch die Wissenschaft gereifte Gegenwart strebt. Welches sind' aber die Wünsche der Gegenwart, was ist es besonders, was Israeliten von einem neuen Staatsoberhaupt erwarten dürfen? In Beziehung auf unsere inneren Angelegenheiten, in Beziehung auf Fortschritt in Lehre und Cultus, da erwarten wir zuvörderst von einer erleuchteten Regierung, daß sie uns volle Freiheit gestatte; da verlangen wir ihren mächtigen Arm nicht, denn auf dem Gebiete des Geistes, im innersten Heiligthum des Herzens, muß sich alles still und frei entwickeln, da bringt der weltliche Arm nur Verderben und Tod; aber nur hemmen sollen die Negierungen unsere Fortschritte nicht, sollen den Gemeinden, wenn sie Verbesserungen in ihrem Cultus einführen wollen, nicht daran verhindern, und darum beten wir, beten wir so inbrünstlg, daß der Herr den Geist der Negierungen erleuchten möge; denn wo bei dieser mystische Finsterniß herrschte, würden auch wir bald die traurigste Rückwirkung erfahren. — Was wir ferner von einer erleuchteten christlichen Negierung erwarten dürften, ist, daß sie auch unsere gottesdienstlichen und Schulanstaltcn mit den Mitteln unterstütze, die sie so reichlich den christlichen zufließen läßt; daß sie es nicht verschmähe, den Lehrern an denselben, gleiche Stellung mit denen ihrer christlichen Amtsgenossen einzuräumen; denn jene Anstalten find ja auch nur dem öffentlichen Wohle geweiht, haben auch keinen andern Zweck als mittelst Religiosität gute Menschen und tüchtige Staatsbürger zu bilden. — Und wenn wir nun endlich erwägen, daß die Religion, welche nichts anderes will, als den Menschen menschlich-groß zu machen, auch fordern müsse, daß er alle seine Kräfte zum Heile der Menschheit anwende, daß er sie namentlich derjenigen engeren Verbindung weihe, mit welcher die Menschheit zur besseren Erreichung ihrer Bestimmung ihm entgegentritt, dem Staate, dem Vaterlande, so ist es gewiß nicht frevelhaft, sondern in dem Innersten unserer höheren Natur begründet, wenn wir einen freien Gebrauch unserer Kräfte und einen Wirkungskreis, der diesen angemessen ist, fordern. Diese Hoffnungen eines jeden höherstrebenden Israeliten drücken nun auch die erwähnten zwei gottesdienstlichen Vorträge aus. (Schluß folgt.) Wie wohlthätig die Hebung der äußeren Stellung der Israeliten, auf die Veredlung ihrer inneren Verhältnisse wirkt, zeigt auf's Neue das Beispiel von Ungarn. Obgleich dieEmancipationsanträge der Stände nur die theilweise Genehmigung der Regierung erhielten, so haben doch die hochherzigen Bestrebungen der ersteren, den heilsamsten Einfluß auf die Zsraeliten selbst ausgeübt. Ganze Gemeinden, die bisher in tiefe Lethargie versunken waren, sind durch die zur Sprache gekommenen religiös-politischen Interessen gleichsam aufgerüttelt worden, und kommen selbst zu der Einsicht, daß alles Heil von einem verbesserten Zugendunterrichte auSgehen müsse. Daher wenden sie auch diesem immer mehr Aufmerksamkeit zu. Die Gemeinde Agram stellte sogar neben ihrem alten Rabbinnen einen zeitgemäß gebildeten Prediger und Neligionslehrer an, und immer mehr öffnen die Synagogen der deutschen Predigt, die vor noch nicht langer Zeit verpönt war, ihre Hallen. Das Reich aber, welches seinen Ruhm durch das hohe Gut der Gewissensfreiheit fortwährend behauptet, und jedes unfreie Streben alsobald brandmarkt, ist Nordamerika. Als kürzlich ein Blatt sich Angriffe auf die einwandernden Zsraeliten erlaubte, ward es von den übrigen Journalen weidlich mitgenommen, und eins </bte alte und neue Welt" sprach sich sogar tadelnd und ironisch über die europäischen Staaten aus, in welchen man die Israeliten noch so vielen Beschränkungen unterwerfe, findet hierin die Schattenseiten des jüdischen Charakters begründet, und schließt, daß, wenn auch die jetzt einwandernden Jsraeliien nicht immer die besten Bürger der amerikanischen Republik abgäben, so würden doch ihre Kinder, unter den Segnungen der amerikanischen Institution erzogen, ganz solche Bürger werden, wie sie jede andere Confession liefere. . Wie aber umgekehrt, wo äußerer Druck auf den Zsraeliten lastet, auch ihre inneren Verhältnisse keinen Aufschwung nehmen, sehen wir an dem Zustande in Krakau. Mit dem dortigen Unterrichtswesen ist es sehr kläglich beschaffen. Die neue sehr gut geleitete Normalschule wird nur wenig besucht, da viele Familienväter es vorziehen, ihre Kinder in die sogenannten Chedarim zu schicken, wo die Lunge eine dunstige Luft einathmet, und der Geist unreine und ungesunde Nahrung erhätt. Wem es aber möglich ist, der halt sich einen Hauslehrer, der keine Ahnung von Pädagogik hat, sondern seinen Herrn schon damit zufrieden stellt, wenn er dem Kinde auf die abgeschmackteste Weise jede Woche eine Portion Thalmud und den Commentar der Wochen - Sidra bcibringt. Als! vor einiger Zeit eine höhere Schule errichtet werden sollte, strömten die Frauen haufenweise nach dem Gottesacker, um bei den dort ruhenden Frommen Hülfe zu erflehen. Die Regierung untersagte nun jedem, der von dem Direktor der Normalschule kein Zeugniß über gehörige Kenntnisse hatte, die Heiraths-Erlaubniß; aber auch diese Maaßregel führte nicht zum Ziele. Mit Freuden wenden wir uns da heute wieder nach Deutschland, wo das Erziehungswesen der Zsraeltten, rasch fortschreitet, und auch zur Hebung gewerblicher und wissenschaftlicher Thätigkeit immer mehr die Bessergesinnten zusammentreten. So hat lfich neuerdings in Bonn ein Verein gebildet, welcher den Zweck j hat, die ärmeren Zsraeliten zu unterstützen und dieselben anzu-

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