Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1841)
- Date
- 1841-03-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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100 -alten, Handwerke zu erlernen. Die Regierung hat die Statuten dieses Vereins bereits genehmigt. In Berlin constituirte sich ebenfalls ein Verein, um den armen Israeliten, die in irgend einer Wissenschaft oder Kunst eine bedeutendere Stufe erreicht, ohne damit ihren Lebensunter- -alt erlangt zu haben, die Mittel an die Hand zu geben, ihren Studien sorgenftei obzuliegen. Jnsonders wird dieses durch Förderung literarischer Arbeiten bewirkt werden. Der Verein zählt bereits 150 Mitglieder mit einem jährlichen Beitrage von 10 Thlrn. Directoren find: Zunz, Veit, Bruck u. a. Gern nehmen wir jetzt auch unser früheres tadelndes Urtheil über den Mainzer Gemeindevorstand zurück. Derselbe hat nun seine Einwilligung zur jährlichen Confirmation gegeben, den wackeren Religionslehrer D,-. Cahn besser gestellt und fich auch bereitwillig für den projektirten Schulbau erklärt, insofern die freiwilligen Beiträge ansehnlich ausfallen. Zn London fand eine große Versammlung der angesehensten Israeliten statt, in welcher man Hrn. Montefiore und feiner Gemahlin den tiefgefühltesten Dank für ihr hochfinniges Streben aussprach. Der Demoiselle Rachel wird von den Franzosen nachgesagt, ihr Kopf habe nicht sowohl den jüdischen Tppus, mit welchem Frauenschönheit wohl, bestehen könne, als vielmehr jenen unheimlichen, seelenlosen, altägyptischen, mit den hoch und weit abstehenden Ohren. — Den Israeliten ist eine große Genugtuung/ der Augsb. Allg. Ztg. aber, welche die Damasker Angelegenheit immer schielend betrachtete und fich auf den bald zu erwartenden Bericht eines Augenzeugen berief, eine große Beschämung zu Theil geworden, durch eben diesen Augenzeugen, den Major v. Hailbronner. Derselbe hat nämlich nun eine Schrift «Morgenland und Abendland" veröffentlicht, in deren Verlaufe er fich den Israeliten eher abgeneigt als fteundlich erweist, wie er denn überhaupt mit allen den Vorurtheilen angefüllt ist, deren sich viele deutsche Gelehrte so schwer erwehren können. Dem ohngeachtet ist er durchdrungen von der Unschuld der Damasker Israeliten und empört von den Schandthaten, die man gegen sie verübte. — Politischer Zustand der Israeliten im Jahre 18»«. *) Vollständige Einancipation. Vereinigte Staaten . .. 1783—1823. Frankreich . .. 1791—1831. Holland .. 1796. *) Aus den Arch. Isr. Belgien. . 1831. Kurhessen ... 1833. Theilwcise Emancipatio-i. Preußen ..1812-1840. Baden ........... 1808. Würtemberg ......... 1810 (1828.) Baiern . ... 1813. Ungarn. . 1840. *3 Nehmen wir nun an, daß die ganze Anzahl der Israeliten sich auf 4 Millionen beläuft, so ist es kaum der zwanzigste Theil, welcher im Jahre 1840 vollständig emancipirt ist. Wann werden doch alle Menschen, mögen sie in Geschlecht, Farbe und Cultus noch so verschieden seyn, gleich seyn vor dem Gesetze, wie sie gleich sind vor Gott? Dieses wird alsdann geschehen, wenn man weniger von Gott sprechen, aber mehr an ihn glauben wird. — Folgendes liest man über die Juden in einem deutschen Schriftchen, welches unter dem Titel: "Der Christ ist Jude gewesen" im Jahre 1523 in Wittenberg erschien: «Wenn man den Juden verbietet, zu arbeiten, Gewerbe und andere edlere Beschäftigungen zu treiben, wenn man sie nöthigt, Wucherer zu werden, wie kann das sie veredeln? Will man wirklich ihnen helfen, so muß man ihnen christliche Liebe erweisen, sie liebevoll aufnehmen, damit sie Gelegenheit und Zeit haben, unter uns zu kommen, uns zu sehen, unsere Lehren zu hören und kennen zu lernen. Mögen Einige halsstarrig seyn, was liegt daran? Sind wir denn Alle gute Christen?" Der Verfasser dieser Worte ist Einer Namens — Martin Luther. rr- Berichtigung. S. 92. Sp. 2. Z- 7. v. u., muß es heißen "Weisen« statt «Wesen«. S. 93. Sp. 1. Z. 22. v. u. «Sinnlichen« statt «Sinnlosen«. *) Andere deutsche Staaten führt unser Franzose nicht au. Red. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schaffer in Kassel.