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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-03-28 · Heft 25 (28.3.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 25 (28.3.1841)
Date
1841-03-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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98 Bestrebungen der modernen Theologen, die, weit entfernt von jeglicher materialistischen Denkweise, Alles aus religiös-moralischen Gesichtspunkten erwägen und auf dem Wege freier, nicht zu verkümmernder wissenschaftlicher Diskussion eine Reform im Iudenthume anstreben, und die Kämpfer für die Stabilität haben wohl das Recht, sie mit gleichen wissenschaftlichen Waffen zu widerlegen, aber nicht mit der, vielen sogeläufig gewordenen, gleichsam aus dem Leben in die Literatur eingeschmuggelten Verdächtigung und Beschuldigung einer, jedem reformativen Streben durchweg zu Grunde liegenden materialistischen Denkweise, als das Charakteristische unserer Zeit abzufertigen. Wäre dies materialistische Element wirklich ein Prototyp unserer Zeit, das, nach unseres Vers, eigenem Geständniß, nicht sowohl in der auch confessionell verschiedenen theologischen, als vielmehr in der auch jener widerstrebenden allgemeinen Zcitbildung, genauer dem „Zcitgeiste" liegt, so wäre es in der That ein Wunder, wie die alten einer, nach moderner Ansicht und deren Anforderungen gemäß construirten Begriffen erlangten theologischen Bildung völlig fremden Rabbinen von dm schädlichen Einflüssen einer allgemeinen Zeitbildung, die durchweg materialistischer Natur ist, sich ftei erhalten können? Und hätten sie, was nicht immer der Fall ist, durch einen vielfachen Cordon sich gegen dieses Miasma der Zeit abgeschlossen und Alles von sich fern zu halten gesucht, was aus der Zeit und deren Bildungselementen zu ihnen dringen könnte, um so weniger dürften sie dann als die einzigen Heilkünstler einer Zeit und deren Gebrechen sich verkünden, die sie gar nicht, oder nur vom Hörensagen kennen, und um so weniger dürfte es ihnen gelingen, einen Feind zu bekärnpfen, dem sie nicht ins Auge zu sehen wagen." Auch diese Bemerkungen haben uns nicht genügt. Denn was zuvörderst Herr Holdheim von seinem Gegner sagt, daß er in dem christlich-germanischen Princip selber, soweit cs vom religiösen Element beherrscht wird, mit dem Princip jüdisch-religiöser Satzung keinen Widerspruch finde, bedarf einer Berichtigung, da bis jetzt L. nur von der subjcctiven Seite der christlichgermanischen Bildung stricht, als deren Grundzug er: Innigkeit des religiösen Glaubens, gemüthvolle Hingebung an Gott und an das Göttliche, bezeichnet. Nach dieser Seite hin genommen, muß das Benehmen des strenggläubigen Israeliten, der sich so viele Lebensgenüsse versagt, weil er sie als von Gott verboten betrachtet, nur von Innigkeit des religiösen Glaubens zeigen und mit dem Crundzug christlich-germanischer Bildung überemstimmcn. Es kömmt hiebei nicht darauf an, ob ein solcher Israelit im Jrrthum sich befinde, denn Innigkeit des Glaubens und gemüthvolle Hingebung an Gott verräth er immer. Eine andere Frage ist, wie die Sache objectiv sich gestalte, was die Wissenschaft von jenen vermeintlichen Verboten halte und darauf kömmt allerdings noch Herr Lowositz, wie wir weiter unten sehen werden, im Verlaufe seiner Schrift ausführlich zu sprechen. Auch können wir nicht der Meinung des Hrn. Holdheim beipftichten, daß die Natur einer jeden Religion nur in einem Kampfe mit der Sinnlichkeit bestehe, und jede es um so mehr sey, jemehr sie dieselbe zu bekämpfen suche, denn die Religion hat noch unendlich mehr Forderungen, als die Beherrschung der Sinnlichkeit, und es kann ein Mensch in letzterer Beziehung ganz vorwurfsfrei seyn und deshalb doch noch lange nicht die Größe der Gesinnung und das edle, liebevolle Wirken beweisen, zu welchem die Religion uns erheben möchte. Aus jener Ansicht aber, wie Herr H. thut, den Schluß zu machen, daß das christlich-germanische Princip, im Wesentlichen der jüdischreligiösen Satzung widerspreche, ist sehr gewagt. Es steht gar nicht in einem Verhältnisse zur Beherrschung der Sinnlichkeit, ob jemand, weil er glaubt, Gott habe es geboten, sich eine gewisse Anzahl Lebensgenüsse versagt; so wenig, wie man wird behaupten können, daß der Mensch, welcher aus diätetischen Gründen auf gewisse materielle Genüsse resignirt, weniger sinnlich sey, als ein anderer. Eher läßt sich vermuthen, daß Ersterer gerade für die Genüsse, welche er entbehren muß, sich anderweit durch recht behagliches Frohnen seines Leibes entschädigen werde. Nein, hier ist es ^gar nicht das quantative, sondern das qualitative Element, welches den Ausschlag giebt. Es steht eine Religion um so höher, je intensiv-strenger sie gegen die Anmuthungen der Sinnlichkeit ist, je entschiedener sie dieselben, sobald sie im Widerspruche mit den Forderungen des Geistes und des Herzens sind, zurückweist. Daß aber in dieser Beziehung das christlich-germanische Princip dem jüdischreligiösen nachstehe, wird wohl niemand behaupten. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Das Huldignngsfeft des Königs von Preußen. Eine große Epoche in der Tagesgeschichte -macht unstreitig die Thronbesteigung eines Fürsten, der Regierungsantritt eines Herrn, dessen Herrschaft über das Wohl und Wehe von Tausenden entscheidet. Ist darum ein solches Ereigniß von hohem Zn« teresse für alle Bürger des Staates, so ist es noch mehr für diejenigen, denen man diesen Namen noch nicht in seinem ganzen Umfange gebey will, deren Ansprüche als Menschen und als Bürger man noch immer in Zweifel zieht, wir meinen unsere unglücklichen Glaubensbrüder. Diese, deren Recht wohl auch an Gottes Thron hanget, von den Stellvertretern Gottes aber, von den menschlichen Beherrschern der Völker, noch nicht anerkannt, noch nicht überall -anerkannt ist, zittern oder sind freudig bewegt, so oft der Herr einen neuen Fürsten auf den Thron setzt; fragen ängstlich: Wird es nun besser mit uns werden, wird man uns einsetzen in die Würde des Menschen, in die Würde des freien Bürgers, oder wird man uns fortan davon ausschließen, fortan vom Schauplatze ächt-menschlicher Thätigkeit zurückweisen? Gottlob, daß die neuere Zell, daß die fortgeschrittene

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