Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1841)
- Date
- 1841-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des ncunzchnttn tzahrtzmdms. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben von vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. »ff. Sonntag den 28. Marz 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Rabbinenwahl, oder Fehde zwischen »r. Lowositz und»r Holdheim. (Fortsetzung von Nr. 24.) Wir hatten in der vorigen Nr. die Lowositzischen Behauptungen unmittelbar zu widerlegen gesucht, denn sie waren von der Art, daß unser Inneres unmittelbar davon aufgeregt werden mußte, daß wir sogleich die Falschheit und Grundlosigkeit derselben gewahrten und daher auch eilten, beide unseren Lesern aufzudecken. Heute wollen wir nun noch, (jedoch, wie wir vom Anfänge erklärt, mit offener, freier Prüfung) wörtlich nachtragen, was Herr Holdheim zur Widerlegung der Argumente von L. anführt. „Ferner, nachdem der Verf. S. 4. zugestanden, daß zwischen der eigentlich christlich-germanischen Bildung, so weit sie vom religiösen Element beherrscht wird, und der jüdisch-religiösen kein Widerspruch möglich, und nur mit einer Form derselben, oder mit dem Hauptaugenmerk derselben auf Alles, was zunächst äußere sociale Vortheile bietet, ein solcher möglich sey, und darum unsere Zeitbildung S. 5. eine materialistische Denkweise, eine Afterbildung genannt; ferner S. 6, 7. nachzuweisen sich bemühet, daß der moderne jüdische Theologe von diesen Einflüssen sich nicht rein erhalten könne, fährt er fort: „Beurtheilung und Würdigung jüdisch-religiöser Satzungen, zumal in ihrer Bedeutung für die Gegenwart, steht mithin in solchem Falle offenbar unter dem Einfluß der Rücksichten auf das äußerlich sociale Bedürfniß, unter dem Einfluß eines der Natur des Gegenstandes nicht nur ganz fremden, sondern derselben sogar widerstrebenden Princips, daher auch das unter diesem Einfluß geschöpfte Urtheil selbst unstreitig zum mindesten ein Befangem's und Unzuverlässiges." Hier muß es vor Allem sehr befremden, daß der im Geiste und im Interesse einer maßlosen Frömmigkeit schreibende Verf. in dem christlich-germanischen Princip selber, so weit es vom religiösen Element beherrscht wird, mit dem Princip jüdisch-religiöser Satzungen keinen Widerspruch finden und nur in der auch jenem widerstrebenden materialistischen Zeitbildung den ganzen, und vollen Widerspruch begründet wissen will. Die Natur einer jeden Religion ist ein Kampf mit der Sinnlichkeit, und jede ist es um so mehr, jemehr sie dieselbe zu bekämpsen sucht. Da nun jenes christlich-germanische Princip nicht in gleichem Umfange den Materialismus bekämpft, da sie dem äußerlich-socialen Leben in Bezug auf Genuß weniger Schranken setzt, so enthält es doch schon dadurch, abgesehen von jedem anderen Differenzpunkt in Sachen des Glaubens, einen gewaltigen, nicht nur etwa graduellen, sondern in Rücksicht auf das Objekt auch materiellen Unterschied mit dem Princip jüdischreligiöser Satzungen und der unter ihrem Einfluß zu Stande gekommenen theologischen Bildung. Za, es ist der Widerspruch noch auffallender als mit der vom Vers, gebrandmarkten Zeitbildung, da jenes Princip, weil vom religiösen Element beherrscht, seinen materialistischen Concessionen religiöse Sanktion gewährt. Uebrigens trifft dieser Vorwurf allenfalls nur den Jndifferentismus und die Jndifferentisten, keineswegs aber die reformatorischen