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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-03-21 · Heft 24 (21.3.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 24 (21.3.1841)
Date
1841-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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95 nicht ab, das furchtbare Beispiel, und dieser Tage habe ich wieder eine Broschüre gegen die Juden gelesen, von einem Professor der Philosophie der sich Magis amica nennt. Er wird einst Gras essen. Am liebsten wäre mir's, er ginge zur See und machte Schiffbruch an der nordafrikanischen Küste. — Ich habe nämlich jüngst gelesen, daß die Mohamedaner, die dort wohnen, sich durch ihre Religion berechtigt glauben, alle Christen, die bei ihnen Schiffbruch leiden und in ihre Hände fallen, als Sclaven zu behandeln. Sie vertheilen unter sich diese Unglücklichen und benutzen jeden derselben nach seinen Fähigkeiten. Ich wünsche nun, der vr. Magis amica käme in eine solche Lage; es kämen ihm dann gewiß allerlei Gedanken in den Sinn, die ihm bisher nie eingefallen, und ich wette, er verwünscht selbst noch den Glaubensfanatismus, der in Europa die Juden und in Aftika die Christen herabwürdigt." Neues aus Frankreich: *) "Vor ungefähr 5 Jahren hatte man in Bordeaux durch ein Manöver, das man nicht näher beschreiben möchte, zwei Waisenkinder, einen Bruder und eine Schwester entführt, sie aus dem Departement entfernen und in einem Alter taufen lassen, wo die Vernunft uns nicht vor irgend einer Gefahr schützet. Das Mädchen, bereits entartet, blieb seiner unglücklichen Bestimmung überlassen; der Knabe aber hatte die ganze Sorgfalt seines Gevatters Hrn. C. Astruc erregt, welcher mehrere Schritte thun ließ, um dieses Kind wieder aufzustnden. Dem Eifer eines Hrn. B. S e b a verdankt man es, daß man den Ort entdeckte, wo es —so Zusagen —begraben war. — Die Behörde hatte alle Mittel angewendet, um diesen armen jungen Israeliten den Händen derer zu entziehen, welche ihn dem Wohlwollen seines Beschützers entrissen hatten. Gegenwärtig macht sich dieses Kind, welches durch die Fürsorge des Hrn. Astruc in eine israelitische Schule gebracht wurde, durch seinen Fleiß und durch seine Fortschritte bemerklich. Bei der letzten Preisvertheilung zeigte es solche Fortschritte, daß man sich mit Recht viel von der Richtung, welche sein Geist genommen, versprechen darf. Herr Astruc findet also schon jetzt den Lohn seiner edelmüthigen Protection. — Der philanthropische Verein, welcher sich im Oberrhein gebildet, zählt bereits 50 Mitglieder. Schon hat die Subscription in der Mitte des Vereins begonnen, und sobald sie sich auf 3000 Fr. belaufen wird, wird man ein leitendes Comit« in Colmar zum Behufe der Errichtung einer Kunst, und Gewerbsschule für Israeliten im Elsaß bilden. Man hofft von diesem Vereine die Vertilgung der zwei beklagenswerthesten Uebel: der Bettelei und des Wuchers. — Ein schändlicher Vorfall ereignete sich in Mühlhausen (Oberrhein). Der Rabbiner Dreyföus hielt am Samstag den 5. Decbr. in der Synagoge eine Rede, welche eine große Sensation hervorgebracht haben soll. Er sprach darin von den Heuchlern, welche sich jeder Verbesserung widersetzen und von den wahrhaft Frommen, welche eine heilsame Reform wünschen. Ein Herr Wahl (ein blinder Fanatiker) glaubte in jener Rede Anspielungen auf seine Person zu finden, und um ihn zu rächen, giebt einer seiner Söhne dem Rabbiner beim Herausgehen eine — Ohrfeige.— Auch erzählt ein französisches Journal viel von der Ordnung und Anständigkeit, die trotz der großen Masse von christlichen Zuschauern bei einer israelitischen Trauung geherrscht, und von der ergreifenden Rede, die der Rabbiner dabei gehalten habe. Ehedem, fügt jenes Journal hinzu, hätte eine solche Zeremonie nur im Geheim, und vielleicht auch da nicht ohne Gefahr, vollzogen werden können. Jetzt müsse man aber den Geist der Toleranz und der Freiheit loben, welcher unsere Zeit charactcrifire, und der jedem gestatte, Gott nach seiner Weise, und wie sein Gewissen es ihm eingebe, zu dienen. — Doppelt schmerzlich ist es, wenn man mit dieser Toleranz in Frankreich das vergleicht, was einem öffentlichen Blatte über die Behandlung der Israeliten in der Freistadt Krakau berichtet wird: -Die Zahl der hiesigen Juden beläuft sich etwa auf 6000 Individuen, denen zum Nahrungszweig überhaupt der Handel und die Wechselgeschäfte dienen; einen untern Nahrungszweig verschaffen sich Viele leider durch — Schacher und Bettel. Sie wohnen ganz abgesondert von den Christen, und zwar nicht genug, daß man ihnen nicht allein einen Winkel der Stadt als Gheto, oder vielmehr einige der elendesten Vorstädte, cingeräumt hat, sondern man hat auch dahin getrachtet, sie durch eine natürliche Grenzlinie von der eigentlichen Stadt zu trennen. Man hat ihnen daher einen Wohnort diesseits eines Armes der Weichsel, die den Kafimierz vom Stradom trennt, angewiesen. Außer einem Studenten, der seine Studien bereits im Gymnasio zurückgelegt, und einem praktischen Arzte, darf kein Jude jenseits wohnen, vielweniger noch ein Grundeigenthum sich ankaufen; ebenso dürfen sie weder in den schönsten Vorstädten (Przedmiescia rogatkowe), noch in den Dörfern des ganzen freistädtischen Gebiets, Wohnungen oder Wirthshäuser nicht einmal miethen; so mußte ein jüdischer Gutsbesitzer — der durch seine Tracht und Vermögens-Umstände dies seyn durfte — recht viel ausstehen, ehe er es dahin bringen konnte, einen jüdischen Wirthshäuser auf seinem eigenen Gute zu halten. Seine Waaren darf der Jude nur in seinem Stadtviertel ausbringcn; und weil sie Alle — wiewohl sie hauptsächlich zum hiesigen merkantilischen Flor beigetragen haben und noch beitragen — nicht zum kaufmännischen Konföderationssystem gehören, so darf kein Jude sich in der Stadt mit neuen Waaren erwischen lassen, denn dann hat jeder gemeinste Ladendiener das Recht, das Amt eines Gerichtsdieners auszuüben, und nicht allein ohne Weiteres ihm die Waaren wegzunehmen, sondern der arme Jude, der wohl nicht so lange warten kann, bis ein Käufer in den entlegensten Gegenden sich sehen läßt, muß noch einer polizeilichen Strafe unterliegen. Aber nicht blos wo es der Störung ihrer Geschäfte gilt, suchen die hiesigen Christen alle Mittel anzuwenden, um die Juden ihren Augen zu entziehen, selbst in ihrem allgemeinen Leben haben sie bei der Regierung auf alle mögliche Weise mit Hülfe erdichteter Lügen auszuwirken gesucht, keinen Juden am Sonntage und an ihren sonstigen Feiertagen in der Stadt zum Vorschein kommen zu lassen; wer aber ein Haar brett von dieser Vorschrift abweicht, unterliegt einer polizeilichen Verhaftung. So wird dies Gesetz seit Jahren schon ausgeübt, und wahrlich! das Herz eines nur einigermaßen denkenden Menschen empört sich beim Anblick solcher Polizeibeamtrn, die an je- *) Nach den Arch. Iir.

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