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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-03-21 · Heft 24 (21.3.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 24 (21.3.1841)
Date
1841-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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96 der zur Stadt führenden Brücke aufgestellt find, und jedem Juden den Zutritt mit Stockhieben verweigern. Die hämische Bosheit hat es hier so weit getrieben, daß den Juden in der Abendzeit de- Sommers — wenn zwischen aufgeblasenen Stutzern auch zerlumpte Bettler und niederes Gefindel fich ergehen — nicht einmal vergönnt ist, die öffentlichen Spaziergänge zu besuchen; und eS jammert Einen in der Seele, einen Israeliten, im Fall daß ihn sein Weg durch eine Allee führt, einen Nebenweg einschlagen zu sehen, um den Menschenfeinden, fich wohl bewußt, daß er ihnen ein Stachel im Auge sey, und den Hieben der Gerichtsdiener zu entgehen. So ist es uns nicht vergönnt, die nämliche Lust mit den hiefigen Christen zu athmen, und der größte polnische König genirte fich wohl nicht, ein jüdisches Mädchen (Esterka) öffentlich für seine Gemahlin zu erklären; heute aber, in der großsprecherischen Zeit der Humanität, hat man hier ein tteues Bild von den Judenverfolgungen im Mittelalter in den hellsten Farben; die vielbesprochene Toleranz, die man an manchen Orten schon wenigstens als Kind der Mode austlimmt, genießt hier nicht des mindesten Schutzes. Sogar von den öffentlichen Gebäuden und Museen, zu deren Verbesserung und Verschönerung man nie an die Konttibution der Jsraelüen vergißt, jagt man fie zurück,» Da zeigt fich wahrlich noch wenig von dem beglückenden Einflüsse, den ein Correspondent der Allg. Ztg. der Stiftung des Christenthums auch auf die politische Stellung der Israeliten zuschreibt. „Ja! (so äußert derselbe) die Juden, die fich der milderen Weisen unserer Zett fteuen und Achtung vor ihren Menschenrechten von uns verlangen, wie könnten fie es, wie dürsten fie so kühne Hoffnungen wagen, wie fie die neuere Zeit hat entstehen lassen, wenn nicht der mild-starke Geist des Christenthums schon lange die Völker überwältigt und zu Werken der Liebe erzogen hätte." In Krakau aber, mein Herr! in dem christlichen Freistaat Krakau, gewahren Sie nichts von jenem mild-starken Geiste, noch von den Werken der Liebe gegen die unglücklichen Israeliten.— In Straßburg treibt fich, wie die öffentlichen Blätter melden, seit einigen Tagen ein Individuum herum, welches fich als den neuen Propheten Israels ankündigt und L. Albrecht heißt. In einem derselben ist des Hauses Rothschildt gedacht und der Beweis geführt, daß solches dem Stamme Levi entsprossen. Unter den Büchern, deren baldiges Erscheinen der neue^Prophet verspricht, befindet fich eine Geschichte des Menschengeschlechts 100,000 Jahre vor Adam. — Abraham's Grab. *) Was das Innere des Gebäudes bettifft, dem die Andacht der Christen und Israeliten bis jetzt fich noch vergeblich zu nahen bemüht, so kann ich bei dem, was ich von ihm erwähne, nur die Berichte ftemder Augenzeugen geben, deren letzter und jüngster für mich unser arabischer Knecht Mohamed war, der mehrmalen in die Moschee hineinging, und auf mein Ermahnen Alles so genau als möglich betrachtete. Der älteste Beschreiber jenes Innern ist der jüdische Geschichtsschreiber Josephus, der die Grabstätte der Erzväter besuchte und sähe. — Zwar stand zu seiner Zeit noch kein Tempelgewölbe über der zwiefachen Höhle, fie selber aber hatte die Verehrung, schon der jüdischen Herrscher, mit Marmor ausgetäfelt und bekleidet. So sah dieselbe noch der Kirchenvater Hieronpmus, und auch die Kaiserin Helena, da fie das Scepter, in welchem Orpheisch bauende und gestaltende Kraft lag, auf diese ehrwürdige Stätte wendete, fand das Innere, so wie jene beiden es sahen, noch unverletzt. Selbst die Bekenner des Islams, da fie fich gewaltsam in das Amt der Erhalter und Wächter der heiligen Stätten des gelobten Landes eindrängten, haben am Grabe auch ihres Erzvaters nichts zerstört. Die eigentliche Höhle, deren Eingang, nach der Beschreibung unsers Arabers, gegen Südwest zu liegen scheint, ist zwar sehr vergittert und verwahrt, oben drüber aber sah der Engländer Monro, der unter Ibrahim Pascha's Schirm und Schutz, zuerst wieder unter allen abendländischen Christen, das Kirchenschiff bettat, eben so gut als unser Knecht Mohamed, jene „hüttenartigen" Kenotaphien in türkischem Geschmack, deren jedes einem der Erzväter gewidmet ist. — Hat doch die überflüssige Sorgfalt der Moslemen, hier selbst des Bruders des Erzvaters Jakobs, des Esau, gedacht, denn auch für diesen (nicht für Jsa oder Jesus wie unser Mohamed meinte) ist, ein wenig seitwärts von den andern, ein Kenotaphium errichtet. **) *) Aus Schubert's Reise in das Morgenland. **) Mv. Kv- Räumers Palästina, ate Aufl. S. 199 in der Anmerkung. — Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghauseu und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer in Kassel.

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