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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-03-07 · Heft 22 (7.3.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 22 (7.3.1841)
Date
1841-03-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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87 Werk, eine Zeitschrift, wie gut auch ihre Tendenz sep. betrachten sie nur als Anweisungen, die auf ihr Haus ausgestellt find, und erweisen ihnen selten Ehre, besonders, wenn sie weder von der Börse noch von Eisenbahnen handeln. Geben sie sich einmal Mühe, sich das Motiv ihrer Lauheit zu erklären, so sagen sie: «Dergleichen wird doch unsere Stellung nicht ändern«. Sie sind im Jrrthume, meine Herren! Wenn jemals die Scheidewand, welche die Israeliten von den Christen trennt, vordem gerechten Sinne der deutschen Negierungen schwindet, so sind es vorzüglich die von euch zu ermuthigenden Anstrengungen der Gelehrten, welche dieses glückliche Resultat hervorgebracht haben werden. Doch ihr seid nicht so gleichgültig als es scheint! Diese Anstrengungen sind euch vielleicht zuwider; denn in dem gegenwärtigen Zustande könnet ihr euch durch euer Vermögen auszeichnen; einst wenn vollkommene Gleichheit herrschend ist, werden sich die Pforten der Casino's einem anständigen Gelehrten eben so öffnen, als einem Financier, und die höhere Gesellschaft wird einen Jost, einen Zunz, einen Geiger, manchem Neichen vorziehen. — Es ist auch diese Claffe, wo man Fromme, nach einem bestimmten Tage, oder einer gewissen Stunde antrifft;• sie beobachten weder den Sabbath, noch die Festage; aber am Neujahr und Versöhnungstag ordnen sie ihre Rechnung mit dem lieben Gott. So erzählt man sich, daß ein Mäkler einst am zweiten Neujahrstage, welcher auf einen Freitag siel, sich zu einem Banquier begab, um ihm ein Geschäft vorzuschlagen. Der Banquier schickte ihn aber fort, indem er zu ihm sagte: Sie wissen doch wohl, daß ich heute keine Geschäfte mache. Der Mäkler ging weg und kam des Abends in derselben Absicht wieder. Der Banquier fuhr ihn laut an: Sie wissen, daß ich heute keine Geschäfte mache! Jener erwiderte: Aber der Sabbath hat bereits angefangen. Wenn das ist, war die Antwort, so ist es etwas Anderes! — Die zweite Classe der Israeliten in Frankfurt besteht aus Geschäftsleuten, unter denen sich öfters Liebhaber der hebräischen Philologie, der deutschen Literatur, geschickte Rechner u. s. w. und öfters Männer von großem Verdienste, befinden. Die dritte Classe bilden die Gelehrten, die öffentlichen Lehrer und die Erzieher. Ihre Anzahl ist sehr beträchtlich. Wenn man in diesem Luftkreis lebt, so ist man an den Titel: Herr Doctor! so gewöhnt, daß man sich fast versucht fühlt, denselben einem Hausverwalter, einem Kellner und mit noch größerem Rechte einem Barbier zu geben, in dessen Bude ihr eine Bibliothek antrefft, denn die Barbiere find Chirurgen, und da sie nicht auch mit dem Geschäfte eines Friseurs sich befassen, so haben sie etwas Schwerfälliges in ihren Manieren; sind sie doch Deutsche! (Fortsetzung folgt.) (Schluß der Erwiederungsrede von Cremieur an die Wiener Gemeinde) *). «Ja, Sie werden das Vaterland erhalten, Juden vonOestreich, denn Oestreich hat in jener denkwürdigen Angelegenheit von Damaskus gezeigt, daß es keinen Unterschied des Glaubens kennt, wenn die Menschlichkeit spricht. Oestreich reichte zuerst den Unterdrückten eine helfende Hand. Ach, seine Macht reichte nicht soweit, Die dem Leben wiedergeben zu können, welche die Folter gemordet hatte, aber es trat zwischen die Henker und die noch für den Tod bestimmten Opfer; es protestirte edelsinnig gegen das Blutverfahren. Mit Freuden rufe ich, ich, ein Franzose, in dieser Hauptstadt des östreichischen Kaiserstaates: Ehre sep Oestreich! Ehre sep Ihnen, Fürst Metternich, dessen ebenso thätige als großmüthige Macht Diejenigen wie mit einem Schilde deckte, welche jenseit des Meeres schmachteten; Ehre sep Ihnen, die Sie bei diesem letzten Kampfe der Vorurtheile gegen die Vernunft einen erhabenen Geist, eine hohe Philosophie bewiesen, und ohne Rücksicht auf die Politik, die immer der Gerechtigkeit so fremd ist, vor den Augen der Welt die Fahne der Menschlichkeit entfalteten! Würdig hat sich Ihrer auch der Generalkonsul Laurin gezeigt, der im eignen Herzen den Abscheu vor der Ungerechtigkeit fand und zuerst in jenes blutige Drama das Licht seines hellen Verstandes, die Hingebung seines eveln Herzens brachte. Er hat seinen Lohn in Ihrer Billigung gefunden, aber unser ewiges Andenken sep ihm ein angenehmes Opfer, und Gort vergelte ihm seine Ausdauer, denn er hat Unschuldige geretter. Ehre sep auch Merlato, der auf dem Schauplatze der schrecklichen Hinrichtungen selbst bis zum letzten Tage kämpfte, sich nicht scheute, alle Geheimnisse dieses Werkes der Finsierniß zu enthüllen, und sich mit unermüdlichem Esser dem Gedanken seines Generalkonsuls anschloß. Sein Name sep für uns ein verehrter Name! Meine Herren, auch die Presse hat uns mächtig unterstützt, die deutsche, die französische, die engliche Presse; sie versetzte der religiösen Intoleranz die kräftigsten Schläge. Die Presse hat ihre Fackel; das Licht erschreckt den Fanatismus und die Verfolgung. Die Morde der ägpptischen Folter werden die letzten Justizverbrechen, die Märtyrer von Damaskus werden unsere letzten Märtyrer sepn. Das Abendland dringt mit seiner Civilisation in das Morgenland ein, nicht blos bei politischen Fragen, die so vielen Ungewißheiten und Täuschungen unterworfen sind, sondern auch bei socialen Fragen, als Garantie der Zukunft der Völker. Tank, meine Herren, tausendmal Dank für dieses kostbare Pfand Ihrer Achtung, Ihrer Freundschaft! Ich werde es als kostbaren Schatz aufbewahren, als Erbe für meinen geliebten Sohn. Und jetzt möchte ich alle Gefühle aussprechen können, die mir die Brust erfüllen. Verstände ich Ihre so reiche, so gelehrte, so malerische Sprache, so fände ich vielleicht einige Ausdrücke würdig der Rede, die Sie an mich gerichtet haben. Aber nein, meine Herren, es würden sich meinen Lippen keine Worte bieten; eine zu große Freude hat keine Worte. Zum Glück ist die Sprache des Herzens überall dieselbe, und Sie Alle werden mich verstehen, wenn ich Ihnen sage, daß mein ganzes Leben lang die Erinnerung an diesen Tag für mich die süßeste, die kostbarste Erinnerung sepn wird.« — Aus Breslau. In unserer Gemeinde ist alles ruhig. Dr. Geiger fährt fort, seine Zuhörer durch herrliche Vorträge zu erbauen, und kotz der strengsten Kälte ist der Tempel stets zahlreich besucht. Glänzend war besonders seine Predigt am wo er mit Begeisterung gegen die Schwäche der hiesigen Israeliten, die Weihnachtsgebräuche der Christen nachzuahmen, eiferte und daö Unsinnige einer solchen Nachahmungssucht auf eine Weise schilderte, die tiefen Eindruck machen mußte. Dieser würdige Rabbiner entwickelt überhaupt eine Berufs- •) S. die vorige Nr.

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