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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-03-07 · Heft 22 (7.3.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 22 (7.3.1841)
Date
1841-03-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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88 thätigkeit, die ihm zur Ehre gereicht und mächtigen Eindruck auf unsere Jugend ausübt, von der er allgemein verehrt wird. Seine Gegner wissen jetzt gar nichts gegen ihn aufzubringen, und ihre Anzahl verkleinert sich mit jedem Tage. — Freudig muß es das Herz eines jeden Bessergesinnten bewegen, daß auch Polen jetzt den Pulsschlag der Zeit empfindet und immer rüstiger ihren Anforderungen zu entsprechen strebt. So hat die Gemeinde in Wilna jetzt an ihre polnische Schwestern eine Proklamation erlassen, in welcher sie als die drei Hauptartikel bezeichnet: Daß die religiöse Macht in den Händen ungebildeter Rabbinen liege, Daß der größere Theil der Jugendlehrer unwissend und fanatisch scy, und Daß die Faktionen der Befchtanim rD) noch immer ihr verderbliches Wesen trieben und falsche Begriffe unter das Volk verbreiteten. Zur Abhülfe dieser Uebel schlage sie daher vor: 1. Daß eine jüdisch-theologische Fakultät, ähnlich dem Collegium rabbinicum zu Padua, errichtet werde, 2. Daß inzwischen, bis russische Israeliten sich auf einer solchen Anstalt befähigt haben, wissenschaftlich gebildete, deutsche Rabbinen zu Kreisrabbinen einberufen werden, und 3. Daß btefe Rabbinen an dem Orte der Fakultät ein Confistorium kreiren. Zur Verbesserung des Jugendunterrichtes wird die Errichtung von ordentlichen Elementarschulen, und zur Einführung der bürgerlichen Gewerbe die Errichtung von Industrieschulen bezeichnet. Gegen den Unfug der chassidäischen Secten will man aber die Hülfe der Regierung und das Einschreiten des künftigen Consistoriums in Anspruch nehmen. Purim. Molto: Jim m *722 onipni na:*? mn onyitwi Wer mit männlichem Stolz, mit gottbegeiftertem Mu'the, Wer, ein würdiger Kamp', Israels Fahne noch schwört; Wem die starrende Kälte der frostig spöttelnden Selbstsucht Nicht mit eisiger Rind' Lieb' und Erinn'rung umzog: Schließe nicht Lippe und Ohr des Purimfestes Gesängen. Denn die im düsteren Grab' schlafen den ewigen Schlaf, Deren vermoderte Hülle schon sanft die Cppresse umschattet. Singen das H all el nicht Iah, haben nicht Stimm und Gesang.*) Sieh'st in sabbathlicher Stille die Beter du heute versammelt, Wie sie mit thränendem Aug' fastend die Seele kastei'n, Doch in dem Doppelgefühl der schmerzlich freudigen Wehmuth Jubelnd den Abend empfah'n, ahnend das nahende Fest: Wohl so blickst du entschleiert in unverkennlichen Zügen Jsrael's Lebensgeschick in dem gelungensten Bild. Und wenn heut' der muntere Knabe, das scherzende Mädchen Froh, mit entzügeller Lust lauschen dem heiligen Wort, Klopfet in rascherem Schlag das Herz des sinnenden Jünglings In der beengeten Brust lauter für Freiheit und Recht. ■») Psalm 115- Freiheit war ja das Gut, sie war die prophetische Losung, Der das geknechtete Volk weihete Odem und Kraft! Und das allmächtige Recht es brach dem Dulder die Fessel, Brachte, vom Feinde entweih't, Uri m und Tu mim zurück! Was ein entnervter Tpranne dem feilen Höfling willfahret. Fiel auf des Frevelers Haupt, und das bereitete Grab Schlang die crgrimmete Rotte, es athmeten freier die Armen, Die zum Opfer erseh'n seufzten in folternder Qual! Zwar es schwangen nicht mehr hamanisch-teuflische Dränger Ueber der Hülflosen Haupt drohend das zuckende Schwert; Zwar der gebeugete Nacken erhob sich vom Joche entblößet; Doch wit dem einzigen Feind waren nicht alle besiegt! — O daß nimmer dem Menschen hienieden die freundliche Göttinn Lächelnder Freude allein, ungetrübet sich zeigt; Daß beim Pokale, dem festlich bekränzten, die bittere Mermuth Banger Erinn'rung sich mischt, heut in ambrosischen Trank! Wie auf brausender Fluth von keinem Sterne erhellet Schwankend in feindlicher Nacht hülflos irret der Kahn, Dann des Donners Geröll von zuckenden Blitzen gefolget, Mit der erzürneten See kämpfend den Schiffer betäubt; Wie in entkräftendem Schweiß der Pilot sich sträubet und stemmet, Doch der zitternden Hand auch noch das Ruder entfällt, Aber die tröstende Stille der sanfter fließenden Welle Ihn aus dem schlüpfrigen Pfad hebet an's rosige Licht: So auch Jsrael's Volk. In allen Zeiten und Zonen Trieb es ein eisern Geschick fort in'zerschmetternden Sturm! Schlaget mit prüfendem Blick, mit unbestochenem Urtheil Auf die Annalen der Welt, die der Vergangenheit Geist Wie im versiegelten Buch mit ewiger Treue bewahren; Und von dem trüben Gemäld' wendet sich schaudernd der Geist! Traun! wer kann es beschreiben, wer kann das Gräßliche schildern, Sprache hier bist du zu arm, Worte hier seid ihr zu kalt! Aber wenn kühn ein grauses Geschick die Ruhenden schreckte, Wenn sich ein furchtbares Loos drohend dem Juden gezeigt, Wenn ihn fanatische Wuth aus süßen Umarmungen schleppte. Wenn dann der Dränger Befehl selbst zu seufzen verbot: War's der Glaube allein, der arme verachtete Glaube, Der, wie kühlendes Oel, heilte das blutende Herz! Drückten sich gleich auch die Narben der hart geschlagenen Wunden, Selbst bis jetzt noch erkannt, ein in der Kämpfenden Fleisch, Tauchen gleich immer empor aus lang verschollenen Zeiten Schatten begangenen Gräul's, schwarz wie der Hölle Geburt: Sey's! Die Narben sie krönen den Helden, der tapferen Sinnes Froh des geretteten Schilds, zeigt die zerfleischcte Brust! Spurlos weichen die Schatten dem blendenden Glanze der Wahrheit, Die sich dem modernden Schutt laut triumphirend enthebt! Sind wir doch, immer als Knechte der Herrscher geächtet, gefehmet, Glieder des großen Vereins, sicher der nährenden Lust! Ja wir rufen's im Taumel der Freude, beim Jubel des Festes, Nah' ist der rettende Tag — nah' ist das himmlische Licht; Das mit bezauberndem Schlage erstickende Nebel zertheilet Und aus den göttlichen Höh'n dringt in der Sterblichen Hütt'! Juda du darfst sie betreten die Wege des Ruhm's und der Ehre, Reiß aus der Scheide das Schwert, folge dem göttlichen Ruf! Und in dem heiligen Kampfe für mehr, denn die Güter der Erde, Leite Dich Mardachai's Geist, Esther's demüthiger Sinn. Laß die zerstreueten Reihen sich einen im friedlichen Bunde. Wahrheit besiegle ihn neu, Wahrheit in Wort und in That, Treue im Leben und Tode der Väter heiligem Glauben, »Das ist zum Herrn die Pfort, 's ziehen Gerechte hinein." Heidelberg. A. F. stud. jur. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zu Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schaffer in Kassel.

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