Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 20 (21.2.1841)
- Date
- 1841-02-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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79 Möchte unser geschätzter Verfasser nicht ermüden, den Faden der heiligen Kritik immer weiter zu spinnen. Alle Einsichtsvollen würdigen schon jetzt sein frommes Streben, und der Segen der Nachwelt ist ihm gewiß! Geschichte des Tages. wenn jenem reinmcnschlichen Verlangen keine Gewährung ge« schieht. Daher ist uns jetzt, in unserer gegenwärtigen Lage und Stellung, da wir alle Gaben der Gesittung in uns ausgenommen, der religiöse Gedanke in edler Verjüngung in uns aufgelebt, d.'r Bürgersinn in uns fteudig erwacht, die Liebe und Anhänglichkeit an Fürst und Vaterland in uns aufgeblüht, jeglicher Haß, jegliches Borurtheil längst verschwunden, die Brust erweitert, das Herz erwärmt, die Arme geöffnet, mit denen wir unsere Brüder des gemeinsamen Vaterlandes umsaffen möchten, nichts wünschenswerther, als uns völlig und rückhaltlos aufgenomincn zu sehen in den Schooß des thenern Vaterlandes als seine treuen Söhne, Selten hört man wohl in Synagogen und Kirchen so tröstende Worte, wie sic von dem Rabbiner Hold he im in Frankfurt a. d. O. (jetzt Landcsrabbiner in Schwerin) bei der gottesdienstlichen Feier zum Andenken des verstorbenen Königs von uns von ihm erkannt zu sehen als seine natürlichen Kinder; uns Preußen gesprochen worden sind. Nachdem der Redner über den! ausgenommen zu sehen in den innigen Verband des gemeinsamen Gegenstand der Trauer und der Hoffnung der preußischen Unterl Vaterlandes, deffen Wohl und Wehe wir mitfühlen, deffen Lust thanen im Allgemeinen gesprochen, fuhr er mit besonderer Be-! und Schmerz, Hoffnung und Trauer wir redlichtheilen; nichts ist Ziehung auf die Interessen der Juden also fort: »Und auch wir Israeliten dürfen uns der freudigen Erwartung hingeben, daß unser König, im Geiste der Weisheit und Gerechtigkeit seines verstorbenen Vaters, uns als seine treuen Unterthanen anerkennen und uns im Besitze der Rechte lassen wird, deren Zugeständnis aus jener denkwürdigen Epoche herrührt, in welcher der Staat in edler Verjüngung sich crkrästigte, und mit dem Großen und Rühmlichen zusammenhängt, was jene Zeit des edeln Aufschwunges geistiger Kraft kennzeichnet. Sein geschärfter Blick wird wohl erkennen, daß wir uns seitdem der königlichen Wohlthatcn nicht unwürdig bezeigten, und seine menschenfreundliche Milde, die das Verdienst in jedwedem Unterthan ehrend anerkennt, wird die Grenzen jener Befugnisse allmälig erweitern, damit wir, durch freie Entfaltung unserer besseren Kräfte, uns einem größeren Gemeinwesen nützlich machen und dem Ziel eines veredelten Bürgerthums uns immer mehr annähcrn. Denn es strebt der wohlgesittete Mensch im gebildeten Zustande nach freier, ungehemmter Entwickelung seiner innern Kraft; es will die Bewünscherswerther, als uns geöffnet zu sehen einen ausgedehnter» Kreis von Pflicht und Recht, eine erweiterte Bahn der Ehre und des Ruhmes. Denn nicht die Theilnahme am größeren Recht ist es allein, wonach wir streben, wiewohl auch dieses: für den Menschen keiner Rechtfertigung bedarf, sondern auch und vorzüglich: die Theilnahme an größern Pflichten, die aus dem Recht uns erwächst, die unbeschränkte Theilnahme an des Vaterlandes Ehre und Ruhm, des Vaterlandes, dem wir nicht nur mit unserm Gut und Vermögen, mit unserm Blut und Leben in den Tagen der Gefahr, sondern auch mit unserm Geist und Herz dienen wollen in den Tagen des Friedens, das wir lieben, rückhaltlos lieben wollen als seine leiblichen Kinder, mit unseres Geistes besten Kräften, mit unseres Herzens edelsten Trieben. Gleich Moses, nach der sinnigen Darstellung unserer Alten, sehnen auch wir uns nach dem gepriesenen Lande der Verheißung eines unverkummerten Rechts, nicht sowohl um dessen Früchte mit Behaglichkeit zu genießen, als vielmehr um der Pflichten theilhaftig zu werden, die in jenem Lande auf dem Baume des Rechts für gabung, wie sie Gott in des Menschen Brust gelegt, frei und j uns wachsen, um die Gaben der Gesittung, die wir dem Vaterungehindert dem Herzcnszuge folgen in alle Kreise menschlichen! lande verdanken, seinem eignen Gedeihen zu widmen, um so zu Thuns und Strebcns, in alle Bahnen freien Wirkens und! beweisen, daß unsere Sehnsucht nach erweitertem Recht in edler Schaffens. Es will die Religion dem Menschen das ewige Leben,! Gesinnung, in dem Verlangen eines verhältnißmäßig erweiterten das ewige Heil sichern, aber auch im Zeitlichen ein veredeltes Kreises der Pflichterfüllung wurzelt. So ist unser Streben, daS Daseyn ihm nicht mißgönnen. Im irdischen Paradiese stand neben! unser Hoffen, un,cr Ziel!« — dem Baume der Erkenntniß auch der Baum des Lebens in voller I lrin ichönes Seitcnstuck zu Charlestown (rs. Rr. 10 dieser Blüthcnpracht aufgepflanzt. Daher muß der Mensch auch gcistig-sitt-! Blätter), licfett New-:?,ork. Auch in der dortigen Gemeinde lich verkümmern, wenn die Schwungkraft seiner Seele gelähmt wird, j ^urd am 26. Sept. eine Predigt in dcuticher Sprache gehört, wenn der Grundtrieb seines Geistes nach größerer Entfaltung! und die Zeitungen versichern, daß sich dabei selbst in den Zügen seiner ihm von Gott verliehenen Begabung überall auf Hinder-!m älteren Juden Andacht und tiefe Rührung ausgesprochen. - nisse und Hemmungen stößt. Es muß ihm selbst die Religion, J Auch der Ehacham (Oberrabbine) von Constan.tinopel die allein den Menschen in seinen Bekümmernissen aufrecht hält,; hat einen Hirtenbrief erlassen, worin er alle israel. Gemeinden gleichgültig, ja vollends zuwider werden, wenn er in ihr die! auffordcrt. Schulen zu errichten und besonders die türkische Feindin scules Rechtes, die einzige Wehr seines geistig-sittlichen j Sprache mit Fleiß und Eifer zu betreiben. — Fortschritts erblicken muß. Man wende nicht ein. es habe Js- Auch in Rctzndegg (Großh. Baden) ward von dem Rabrael in seinen größten Bedrängnissen und Bedrückungen in der l biner Schott die Religionsweihe der Juden auf eine erhebendere Religion einen festen Stützpunkt gewonnen; damit hat es eine | 2Seife, vor einer zahlreichen Versammlung gefeiert.— andere Bewandtniß. So lange es den Menschen gelungen, den | Der Reform-Ordonnanz-Entwurf .des israel. Centralconfi» Bürgersinn in uns zu lähmen, daß Gefühl für Freiheit und Recht, storiums in Paris, macht noch immer einen Gegenstand heftiger in uns zu tödten, da konnte die Religion noch Trost und Er-j Debatten aus, ohne daß darum die Angelegenheit eineu «esentbebung gewähren. Mit der Auflebung des Bürgersinns, mit > lichen Schritt weiter gekommen. — der Erweckung des Rechtsgefühls muß selbst die Religion leiden, j In den Annalen tritt ein sonst noch streng an den rituellen