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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-02-14 · Heft 19 (14.2.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 19 (14.2.1841)
Date
1841-02-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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75 mit zu keiner Zeit, dem gegenwärtigen Firma» entgegengehandelt werde, sollt Ihr solchen in die Archive des Gerichtshofes eintragen lassen. Ihr werdet ihn sodann den israelitischen Nationen zustellen lassen, und auf die Ausführung meiner Befehle und meines kaiserlichen Willens alle Sorgfalt anwenden.. — Gegeben zu Konstantinopel den 12. des Ramazan 1256 (den 6. Nov. 1840)." Obiger Firman wurde Sir Moses Montefiore in Folge einer Privataudienz ausgefertigt, wobei der würdige Vertreter seiner Glaubensgenossen dem Sultan folgende Adresse überreichte: "Möge es Ew. kaiserl. Maigefallen! Im Namen meiner Brüder, welche mich abgeordnet haben, komme ich, ihren ehrerbietigen Dank zu den Füßen des Thrones Ew. kaiserlichen Mai. zu legen. — England, mein Vaterland, und andere erleuchtete Nationen der Erde hörten den Hülferuf der leidenden und verfolgten Juden zu Damaskus und Rhodus und beeilten sich, den Leidenden ihre Theilnahme zu bezeigen. Aber Gott, der Herr, der Alles lenkt, machte ihre Hülfe zu Rhodus üderflüsssg und erfüllte das Herz Ew. kaiserl. Maj. mit Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe zur Wahrheit. Durch Ihre gerechten Maßregeln wurden die Unterdrücker beschämt, die Bösewichter entlarvt und die Unschuldigen befreit. Ich bitte daher um Erlaubniß, Ew. kaiserl. Maj. die innigste Dankbarkeit auszudrücken, die tief im Herzen meiner Glaubensgenossen lebt, und unsere Gebete hinzuzufügen, daß Gott in seiner Gnade Ew. kaiserl. Maj. segnen möge mit langem Leben, mit Weisheit und Ehre und Reichthum, und daß Er alle Ihre Handlungen so lenken wolle, daß Ihr Name in goldenen Buchstaben für die Ewigkeit eingeschrieben bleibe, und das Andenken Ihrer Thatcn süß dufte, wie ein Rosengarten. In alten Zeiten führte Gott der Herr die Vorfahren der Juden aus Egypten, und lange Zeit wohnten sie in Palästina. Ihnen waren die lebendigen Aussprüche Gottes anvertraut, und jetzt, da sie über die ganze Erde zerstreut sind, werden sie unter die friedfertigsten und treuesten Unterthanen gerechnet, und haben durch ihren Fleiß den Reichthum und das Glück der Länder befördert, in welchen sie leben. — Sie blicken mit Liebe und Verehrung aufdaS Land, wo ihre Voreltern wohnten, sie beten, daß Alle, die dort leben, don Schatten des erhabenen Schutzes Ew. kaiserl. Maj. genießen mögen, und den Gott ihrer Väter in Frieden verehren dürfen. Ihr Gebet steigt zu ihm empor, dessen Weisheit unbegränzt, dessen Rathschlüsse fest und unwandelbar, dem Niemand widerstehen kann. Möge er Ihre Feinde in den^ Staub werfen, daß sie vergehen wie Morgenthau, zerstieben wie Spreu vor dem Winde, möge der Thron Ew. kaiserl. Maj. ewiglich bestehen und alle, die unter Ihrem Scepter leben, friedlich unter ihren eigenen Weinstöckcn sitzen und unter ihren eigenen Feigenbämen; Niemand sie zu schrecken wagen oder wünschen!" — Hierauf antwortete der Sultan: »Ich bin mit der Mitthcilung und den Gefühlen, welche die Deputation ausgesprochen, vollkommen zufrieden. Ich bin von den Ereignissen, die zu Damaskus stattgefundcn, lebhaft ergriffen worden; aber ich habe mich bemüht, den Israeliten einige Genugthuung zu geben, indem ich befahl, daß zu Rhodus in ihrer Sache Gerechtigkeit geübt werde. — Die Israeliten werden sich von mir immer desselben Schutzes und derselben Begünstigungen zu erfreuen haben, wie alle andern Unterthanen meines Reichs. Ich will der Deputation den Firman erthcilen, um den sie gebeten hat. Ich weiß, meine Herren, die reine Menschenliebe zu schätzen, welche Sie in diese Hauptstadt führte." — Die Preßburger hatten eine Deputation nach Wien gesendet und dort Cremieur folgende Adresse überreicht: "Wiewohl uns zu unserm größten Leidwesen nicht das hohe Glück zu Theil wird. Sie in unserer Mitte zu begrüßen, und Ihnen unsere unbegrenzte Hochachtung und Verehrung auf eine so eklatante Weise auszudrücken, als wir es wollten und wünschten: so können wir dennoch nicht umhin, Ihren Aufenthalt in unserer Nähe zu benutzen, um Ihnen in schwachen Worten das Opfer unseres tiefgefühlten, aufrichtigsten Dankes darzubringen. Wir und mit uns alle ungarischen Israeliten fühlen uns dringender, denn unsere übrigen europäischen Brüder berufen und verpflichtet, den langgehegten Dankgefühlen unseres Herzens Wort und Ausdruck zu leihen; denn wir haben nicht nur, wie die Israeliten aller Welttheile, die Qualen und Martern unserer unschuldigen und unglücklichen Brüder zu Damask mitgcfühlt und mitempfundcn, nicht uur hat jene schändliche Anklage uns, gleich jeden besseren Menschen im Innersten der Seele empört; sie hat zugleich unsere höchsten, bürgerlichen Interessen auf die empfindlichste Weise zu gefährden, und unfern Himmel, da er am heitersten war, zu trüben gedroht. — Denn als von den furchtbaren Verfolgungen im Oriente die erste Kunde kam, war die Emancipationsfrage der Israeliten in den gesetzgebenden Versammlungen unseres Vaterlandes noch schwebend, und jüdischer Glaube und jüdische Sitte waren mehr denn je der Gegenstand öffentlicher Diskussion geworden. — Wohl müssen wir es nunmehr zum Ruhme dieser edlen Versammlungen bekennen, daß die gehässigen Insinuationen der auswärtigen Presse nicht den geringsten Einfluß auf ihre Stimmung ausgeübt; wohl müssen wir es zum Ruhme der ungarischen Presse bekennen, daß kein öffentliches Organ jene Anklage der geringsten Beachtung würdig gesunde»»'; ließe sich aber diese Unbefangenheit, diese edle Haltung der Legislatur wie der Presse erwarten, nachdem jene schändliche Anklage unseres Glaubens und Stammes selbst in dem erleuchteten Frankreich, M dem aufgeklärten Deutschland, offene Ohren, vorurtheilvolle Herzen, und böswillige Verbreiter gefunden hatte? Darum haben uns die Schreckensscenen zu Damask doppelt schmerzlich ergriffen, und in dem demüthigenden Bcwußtseyn, daß es uns an Männern des Wortes und der That fehle, haben wir unseren hoffenden Blick auf jene edlen Männer Israels in Frankreich und England gerichtet, die sich bei ihrer ehrenvollen sozialen Stellung die Anhänglichkeit an ihre väterliche Religion, und bei ihrer unbegrenzten Vaterlandsliebe die Sympathie für ihre Brüder im Glauben zu bewahren wissen. — Unsere Hoffnung hat uns nicht getäuscht. Sie, hochzuverehrender Herr, immer der Erste in den Reihen, wo es den Kampf für Israels Glauben gilt, und für Israels Ehre, ließen keinen Augenblick auf sich warten, und haben gleich den Weisesten und Edelsten Israels, gleich einem Menasse ben Israel und Moses Mendelssohn, durch Wort und Eid die freche Anklage von unserer heiligen Religion zurückgcwiesen. — Und als der Gang der Ereignisse und des Resultates einer orientalischen Prozedur ein unmittelbares Einschreiten erforderten, waren Sie

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