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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-02-14 · Heft 19 (14.2.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 19 (14.2.1841)
Date
1841-02-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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74 zum Lebensziel, zur Lebensaufgabe gemacht hat. Darum sehet ihr ihn auch immer so tief bewegt, darum schauet sein Auge bald froh entzückt gegen den Himmel, bald trübe und müde zur Erde, weil die Pulsschläge der Zeit sich unruhig in seinem Innern wiederholen, weil dieses entweder heranschwillt in himmlischer Freude, oder zerrissen wird durch heiligen Schmerz. Zn dem Schmerze der Zeit liegt aber auch die Bürgschaft ihrer Wiedergenesung; denn dieser Schmerz beweist, daß sie ihre Krankheit fühlt, daß sie fühlt, wie die Verkehrtheiten der Vorzeit die Krankheit verursacht, den edlen Mark unseres Lebens verunreinigt hat. Und so ist es auch, lieber Leser! Die Lehre unseres Gottes gleicht einem Baume, dessen Wurzel gesund ist, dessen Stamm und dessen Aeste, wie sie aus der Wurzel sich entwickeln, auch Mark haben und Lebenssaft, aber die unedlen Reiser, welche man auf die Zweige gepfropft, die haben seine Säfte verdorben, seine Blüthen zerknickt, seine Früchte verunstaltet. — Darum giebt es auch kein anderes Heilmittel, als das fremde Pfropfreis von dem eigentlichen Stamme wieder loszureißen, als den gesunden Kern seiner krankhaften Hülle, die süße Frucht ihrer bitteren Schaale zu entkleiden. Das ist auch das Bestreben unseres Creizenach, er sieht keine andere Heilung für die Wunden seines Volkes, als auf dem Wege der heiligen Kritik, auf dem Wege der -Sichtung und Scheidung dessen, was als ein Falsches und Verkehrtes sich unserer Lehre beigemischt, von dem was ihren reinen Kern und die ächte Entwickelung dieses Kernes bildet. Von der Idee dieser heiligen Kritik erfüllt, hat er zuerst in seinem „Geist der pharisäischen Lehre" nur so kleine Ausflüge auf dem Gebiete der israelitischen Religionsgcschichte gethan und in der Werse, wie er sie erzählte, den denkenden Leser schon auf die Usurpationen der Rabbinen aufmerksam gemacht; in seinem „Thar rag" tritt er aber damit stärker hervor. Hier legt er die sämmtlichen Theile der israelitischen Lehre anatomisch auseinander, damit man es augenscheinlich sehe, welche gesund und welche krank sind, welche Lebensmark besitzen und welche nur aus verdorbenen unreinen Säften sich entwickelt. — Um indeß dem Kranken seine Krankheit zu erleichtern, um dem, welcher nun einmal von dem Zrrwahne des starren Rabbinisinus sich nicht losmachen kann, doch einigermaßen das Drückende derselben zu benehmen, verfährt er gleich dem klugen Arzte und reicht den Rabbinisch-kranken in seinem „Schurath Haddin" Palliütive und Linderungsmittel, indem er da zum Behufe einer freieren Lebensbewegung die thalmudische Interpretation von denthalmudischen Erschwerungen scheidet. Aber damit giebt sich sein feuriger Geist noch nicht zur Ruhe. Die Gegenwart tritt ihm entgegen und mahnet ihn, in reicherem Maaße ihr heiligstes Bedürfniß, das Bedürfniß einer religiösen Umbildung zu erfüllen, und die Forderungen, welche sie deßhalb stellt, den Zeitgenossen darzulegen, und nicht nur ihre Bedeutung zu predigen, sondern auch ihre rechtliche Begründung nachzuweisen, was denn auch in dem „Cbissuk Hathorah" mit dem glücklichsten Erfolge geschieht. Aber noch ist die Aufgabe nicht ganz gelöst, noch fehlte es, sozusagen an einer Krankengeschichte, an einer fortlaufenden und pragmatischen Darstellung des mosaischen Gesetzes, wie es durch die rabbinischeo Satzungen ausgebildet, oder vielmehr entstellt worden ist, dieser Aufgabe hat sich Creizenach in seinem neuesten Werke unterzogen, und wie er sie erfaßt hat, mögen am besten seine eigenen Worte beweisen. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Die Wiener Zeitung enthält aus dem »Echo de rOrient« folgenden Firma» des Großsultans, an dessen Eingang Se. Maj. der Sultan eigenhändig die Worte schrieb: "Was in diesem Firma» vorgeschrieben wird, soll ausgeführt werden." »Eine alte Meinung war in Betreff der Israeliten vorherrschend. Der gemeine Mann glaubte, daß die Juden zur Zeit ihrer Ostcrfciertage einen Menschen zu opfern und Menschenblut zu gebrauchen pflegen. In Folge dieser Meinung sind die Juden vomDamaskus und von Rhodus, welche zu meinem Kaiserthume gehören, von andern Nationen verfolgt worden, die Berläumdung, deren Gegenstand sie gewesen, und die Verationen, die sie unlängst zu bestehen hatten, sind bis zu meinem kaiserlichen Throne gelangt. Vor geraumer Zeit wurden einige Juden von der Insel Rhodus nach Konstantinopel gesendet; sie wurden den neuen Reglements gemäß abgeurthcilt; ihre Unschuld ist erwiesen I worden, und demzufolge ward gegen dieselben verfahren, wie cs das Recht und die Billigkeit erforderten. Ucbcrdies weisen 1 die von Gelehrten in den Büchern der hebräischen Religion geschöpften Belehrungen nach, wie es den Juden strenge untersagt ist, nicht nur Mcnschenblut, sondern sogar das.Blut von Thiercn zu gebrauchen, woraus hervorgeht, daß die denselben zur Last gelegten Sachen, reine Verläumdung sind. — Es darf also, und meine Liebe zu meinen Unterthanen erheischt es auch, nicht gestattet werden, daß die jüdische Nation, deren Unschuld äugen scheinlich ist, auf Anklagen hin, welche nicht den mindeste, Grund haben, verirt und gepeinigt werde, sondern es ist noch wendig, daß dem, in Gülhane publicirten, Hattischerif gemäß auch die jüdische Nation der Vortheile und Vorrechte genieße deren die meiner Oberherrschaft unterworfenen Nationen genie ßen, und daß sie beschützt und vertheidigt werde. — Ich Hab zu diesem Ende die gemessensten Befehle 'crtheilt, auf daß die in der gesammten Ausdehnung meines Reichs ansässige, jüdisch Nation, gleich den übrigen Unterthanen meiner erhabenen Pforte vollkommen beschützt werde, und auf daß sie von Niemandei ohne gerechten Anlaß, in irgend einer Weise, weder in der Aus Übung ihres Cultus, noch in dem, was ihre Sicherheit und Ruh anbelangt, belästiget werde, und diesem nach ist gegenwärtiger im Eingänge mit meinem Humajun gezierter, und von meine Kanzlei ausgegangener Firma», der jüdischen Nation ausgefer tigt worden. Sobald also Ihr, obbenannte Richter, erfahre, werdet, um was es sich handelt, werdet Ihr Euch beeilen, i, der oben vorgeschricbenen Weise sorgfältig zn verfahren, und da

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