Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 19 (14.2.1841)
- Date
- 1841-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des ycmizchnkm tzahrhundcrkS. Ei« Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben vr. M. Heß, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. 19. Sonntag de» U. Februar 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. nimn Dorsche Ha-doroth, oder Entwickelungsgefchichte des mosaischen Ritualgesetzes von den ältesten Zeiten bis nach Erscheinung des Thalmuds. Von vr. M. Creizena.ch. (Frankfurt a. M., Andräische Buchhandlung.) Kennt ihr den Verfasser dieser Schrift? Habt ihr ihn schon gesehen von Angesicht zu Angesicht; gesehen wie sein ganzes Wesen in steter Aufregung ist, wie immerfort das Herz pochet und schlägt, und unruhig das große schöne Auge sich bewegt? Habt ihr gesehen, wie dieses Auge sich verklärt, wie es noch schöner und freundlicher leuchtet, wenn es schöner wird und freundlicher am Horizonte Israels, wenn das Bessere mehr Fortschritte macht, das Rechte mehr Anerkennung findet, das wahrhaft Edle und wahrhaft Heilige mehr Verehrer gewinnt in seiner Mitte? Habt ihr aber auch gesehen, wie der Blick in diesem Auge wieder sinket, und das sonst so ftcundliche Gemüth trübe gestimmt wird und bitter, wenn entgegengesetzte Erscheinungen sichtbar werden, wenn der Himmel Israels sich trübet, Werke der Finsterniß und des unächten Glaubens zum Vorschein kommen? Dieses Herz, das jetzt so laut für den religiösen Fortschritt im Judenthum schlägt, hat einst mit gleichem Eifer dem Gegentheile angehangen, hat, wie die meisten unserer Volkslehrer, in früher Jugendzeit sich ganz indierabbinischen Studien versenkt, und keinen größeren Ruhm gekannt, als groß zu werden in ihnen, als mit ihnen Heil zu verbreiten und Segen. Da kam eine hellere Zeit und lud unfern rabbinischen Jünger ein, sich auch mit ihrem Geiste, mit dem hellen Geiste der Wissenschaft zu befreunden, und nachdem er dieses gethan, da fühlt er sich auf einmal wie umgewandelt, da bricht in seinem Innern der heftigste und heiligste Kampf aus, da kommen sie hervor, die Urideen des Großen, Wahren und Schönen, die ein heiliger Gott in unsere Brust gelegt, und kämpfen gegen den starren Geist des Rabbinismus und halten ihn nieder, und verscheuchen ihn und überwältigen ihn. — Ein ähnlicher Kampf ist aber auch der, welcher überhaupt unsere Zeit bewegt. Alle Fortschritte in der Kirche und im Staate, wie sie von den europäischen Völkern gewünscht und von ihren Regierungen ausgeführt werdm, worauf beruhen sie anders, als auf den zu einem lebendigeren Bewußtseyn gekommenen Urideen des Menschengeschlechtes, welche die Vergangenheit trübte, welchen die jetzigen Zustände noch nicht entsprechen. Nirgends ist aber dieser Kampf stärker, als auf israelitischem Gebiete; denn nirgends hat der Druck der Zeiten, haben Leiden und Verfolgungen von außen den Geist so niedergedrückt und seine göttlichen Ideen, die Ideen der Wahrheit und der Liebe, welche er am Sinai einathmete, so verfinstert, als auf israelitischem Gebiete. Darum fühlt auch der dm Schmerz der Zeit, ihr Sehnm nach einem besserm Zustande, am tiefsten, in welchem der heilige Kampf der Wahrheit mit heiligem Ernste begonnen, der ihn, wie unser ehrwürdiger Creizenach