Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 18 (7.2.1841)
- Date
- 1841-02-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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71 leicht trösten, daß fie Jerusalem und den Tempel und die Bundeslade und die goldenen Geräthe und Kleinodien Salomonis eingebüßt haben . . . Solcher Verlust ist doch nur geringfügig in Vergleichung mit der Bibel, dem unzerstörbaren Schatze, den sie gerettet. Wenn ich nicht irre, war es Mahomed, welcher die Juden „das Volk des Buches" nannte, ein Name, der ihnen bis heutigen Tag im Oriente verblieben und tiefsinnig bezeichnend ist. Ein Buch ist ihr Vaterland, ihr Besitz, ihr Herrscher, ihr Glück und ihr Unglück. Sie leben in den umfriedeten Marken dieses Buches, hier üben sie unveräußerliches Bürgerrecht, hier kann man sie nicht verjagen, nicht verachten, hier sind sie stark und bewunderungswürdig. — Versenkt in die Lektüre dieses Buches, merkten sie wenig von den Veränderungen, die um sie her in der wirklichen Welt vorfielen; Völker erhoben sich und schwanden, Staaten blühten empor und erloschen, Revolutionen stürmten über den Erdboden ... fie aber, die Juden, lagen gebeugt über ihrem Buche und merkten nichts von der wilden Jagd der Zeit, die über ihre Häupter dahinzog! Ich .habe wieder (äußert der Verf. jener Schrift in einer andern Stelle) iu dem alten Testamente gelesen. Welch ein großes Buch! Merkwürdiger noch als der Inhalt ist für mich diese Darstellung, wo das Wort gleichsam ein Naturproduct ist, wie ein Baum, wie eine Blume, wie das Meer, wie die Sterne, wie der Mensch selbst. — Das sproßt, das sprießt, das funkelt, das lächelt, man weiß nicht wie, man weiß nicht warum, man findet alles ganz natürlich. Das ist wirklich das Wort Gottes, statt daß andere Bücher nur Menschenwitz zeugen. Im Homer', dem andern großen Buche, ist die Darstellung ein Product der Kunst, und wenn auch der Stoff immer ebenso wie in der Bibel, aus der Realität aufgegriffen ist, so gestaltet er sich doch zu einem poetischen Gebilde, gleichsam umgeschmolzen im Tiegel des menschlichen Geistes, er wird geläutert durch einen geistigen Prozeß, welchen iwir Kunst nennen. In der Bibel erscheint auch keine Spur von Kunst; das ist der Stpl eines Notizenbuchs, worin der absolute Geist, gleichsam ohne alle individuelle menschliche Beihülfe, die Tagesvorfälle eingezeichnet. Ueber diesen Styl läßt sich gar kein Urtheil aussprechen, man kann nur seine Wirkung auf unser Gemüth konstatiren, und nicht wenig mußten die griechischen Grammatiker in Verlegenheit gerathen, als sie manche frappanten Schönheiten in der Bibel nach hergebrachten Knnstbegriffen dcfinircn sollten. Longinus spricht von Erhabenheit. Neuere Ästhetiker sprechen von Naivität. Ach! wie gesagt, hier fehlen alle Maßstäbe der Beurtheilung ... die Bibel ist das Wort Gottes." — Die von uns erwähnte Dankadresse der Wiener Israeliten an Cremieur lautet folgendermaßen. „Die Gemeinde der Israeliten zu Wien, beseelt von der regsten Theilnahme für die heiligen Interessen und Rechte ihres Volkes und Glaubens, durchdrungen von der innigsten Hochachtung und Bewunderung für die edeln Männer des Wortes und der That, die sich für die Interessen und Rechte herausgeftellt und im heiligen glorreichen Kampfe bewährt haben, ergreift mit aller Bereitwilligkeit die Gelegenheit, die sich ihr bietet. Ihnen, hochverehrter Herr, der sich in diesem Kampfe in die vordern Reihen hat gestellt und siegreich den Lorbeer hat errungen, ihre innigste Hochachtung und Bewunderung zu bezeigen. Wenn wir die Gabe des Wortes und die Kraft und Gewalt der Rede, die Ihnen Gott in Fülle verliehen hat, um sv mehr bewundern, je umfassender und eindringlicher ihr Erfolg ist, und darin die Gnadenwaltung Gottes erkennen, daß er in einer Zeit, wo Geist und Talent sich zur herrschenden Macht erheben, auch in unfern Reihen hat Männer aufstehen lassen, die des göttlichen Geistes voll sind, und das Wort in Wahrheit und Klarheit, mit Freimuth und siegender Kraft zu führen wissen; wenn wir mit einem Worte das Talent bewundern, das Ihren Ruf gegründet, Sie als Redner und Anwalt den Gefeiertsten Ihres Standes gleich gestellt hat: so achten und ehren wir doch mehr noch die edle Gesinnung, den heiligen Eifer für das Recht, der Sie in der Erfüllung und Ausübung Ihres göttlichen Berufes und der Veredlung dieser unschätzbaren Geistesgabe bisher so glücklich hat geleitet. Sie haben das Recht vertreten, wo und wann cs gefährdet war. Sie haben dem Mächtigen Ihren Schutz angcdcihcn lassen, als ihn das Glück verlassen, und der gefallenen Größe sich ritterlich angenommen. Sie sind für Ihre Glaubensgenossen in die Schranken getreten, als man ihnen Eid und Schwur, und somit Treue und Glauben in Israel verdächtigen wollte, und haben die Schmach von ihnen abgewälzt, den letzten Schimpf getilgt, der ihnen noch anhing, in dem Lande, wo man ihnen alle Schranken geöffnet, aber nicht das Vorurtheil besiegt hatten, dem Juden Besitz und Recht, Amt und Würde hatte vergönnt und eingeräumt, und dennoch den Zweifel und Verdacht an seiner Rechtlichkeit und Treue nicht hatte beseitigen und überwinden können. Sie haben seine Ehre gerettet, und gezeigt, daß von Abraham und feinem Saamen, der zuerst hat die Hände emporgehoben zu dem allgewaltigen Gotte, der Himmel und Erde hat geschaffen, der Glaube ist ausgezogen, der die Welten füllet, und sie auf die Grundsäulen des Gesetzes, des Rechtes und der Sitte fest und sicher stellt. Diese edeln Bestrebungen haben Sie nun, hochverehrter Herr, gekrönet, und Ihren Namen in die Jahrbücher der Geschichte unseres Volkes, die so alt ist, als die Geschichte der Welt, unvergänglich eingetragen, indem Sie für die unglücklichen Schlachtopfer der Tyrannei und der Glaubenswuth, deren furchtbares Geschick nicht nur alle Stämme Israels, sondern auch alle Edeln und Wohldenkenden in der Welt mit Grausen und Entsetzen füllt, ritterlich und brüderlich sind in die Schranken getreten. Sie haben Haus und Heimath verlassen, wie einst die Propheten der alten Zeit, sind übers Meer gezogen hin ins alte Egyptenland, wo Seuchen wüthen, Krieg und Zerwürfniß das Leben bedrohen; Sie haben vor dem Gewaltigen das Wort geführt, und für Ihr Volk und Ihren Glauben, und wie Moses einst zu den Pharaonen gesprochen: „Gieb mir heraus die gefesselten Söhne meines Volkes, daß sie mir dienen." Sic haben dieZessel gebrochen an der Hand der Gefesselten, die Eingekerkerten erlöset aus ihrer Haft, wie der Prophet es als einen göttlichen Beruf bezeichnet. Sie haben die bereits Geächteten frei und ungebunden dem Leben wieder gegeben, das Schwert in seinem Falle aufgehalten, das bereits an einem Haare über ihrem Haupte geschwebet, und haben diejenigen, welche Sie nicht retten konnten, die bereits unter Martern sind aus der Welt gegangen und in einer höheren Welt und vor einem höheren Richterstuhl und Thron, als