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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-02-07 · Heft 18 (7.2.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 18 (7.2.1841)
Date
1841-02-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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70 geschichte der vergangenen Jahrzehnte unternehmen, was heut und bei diesem Anlaß meine Absicht nicht scyn kann; um aber aus dem Vielen Eines hervorzuheben, will ich, nicht unterlassen, eines vielvcrbrciteten Jrrthums zu erwähnen, dessen nähere Beleuchtung eine immer wünschenswerthe Verständigung herbeiführcn möge. Es ist nämlich vielfach behauptet worden, daß den Juden die Gründung eigener Schulen überhaupt versagt werden müsse, weil man die Absonderung derselben von ihren christlichen Mitbürgern auf keine Weise befördern dürfe; und nicht allein christliche Staatsbürger, auch Juden haben diese Ansicht getheilt und aus solchen Motiven gehandelt. Ich behaupte aber, daß selbst die Möglichkeit einer Absonderung in unfern Tagen nicht mehr vorhanden sey. Der Geist der Zeit hat bei seiner ungeheuren Arbeit so sehr jede einzelne, geistige und materielle Kraft berufen, daß er eine Verschmelzung der scheinbar widerstrebendsten Elemente herbeifiihrt, die jeder willkührlich aufgerichteten Schranke spottet, die aber auch kaum einer Nachhülfe von unserer Seite bedürfen wird; es ist dies die Verschmelzung aller sittlichen und geistigen Kräfte, die unser allgeliebter König und Herr als eine Einheit an Haupt und Gliedern, als ein Streben aller Stämme und Bekenntnisse nach Einem schönen Ziele bezeichnet hat. Ein anderes aber ist gesellige und politische Absonderung, ein anderes das gleichgültige Ineinanderwerfen der verschiedenen Bekenntnisse, das in Beziehung auf den Unterricht der Jugend von keinem Standpunkt aus gebilligt werden kann." Die Rede von Zunz bildet, wie alle Gedanken seines Geistes, nur eine Reihe kräftiger Kernsprüche, die werth sind, in Stein und Erz gegraben zu werden. Folgende mögen hier eine Stelle finden: „Vergönnen Sie mir, den feierlichen Moment, zu welchem Ihre Anwesenheit diese Stunde erhebt, anzuknüpfen an die tiefere Bedeutung unseres Daseyns überhaupt; denn ich möchte für unser Streben und Hoffen den Wiederklang in Ihrer Seele wecken, daß ein einziger Ton gehört werde von Allen, daß aus der Geltung unseres Gesammtlebens der Werth der heute eröffneten Anstalt begriffen, und die Anstalt selber geachtet werde als Zeichen gemeinsamen Verständnisses und gehütet als das Unterpfand eines religiösen Bundes. Wodurch fühlen wir uns aber als Glieder einer großen Gesammthcit, und wie heißt der Ausdruck für dieses gemeinschaftliche Seyn? Die Gebäude sind es doch nicht; denn diese sind Holz und Stein, und zu Holz und Stein könnten wir selber werden, lassen wir Lebensfragen von den Forderungen des Tages übertäuben, lassen wir die Sehnsucht der Seele in einer Fluch sinnlicher Regungen verschmachten. Ja selbst das Gotteshaus würde ein todtes Sinnbild werden und aufhören, der Herzschlag unseres höheren Lebens zu seyn, wofern nicht eine Seelenspeise bereitet wird, die die Adern der Gemeinden mit geistiger Wärme erftischt; für diesen großen Erhaltungsprozeß bedarf es der Anstalten und lebendiger Institutionen. Allerdings, Schule und Synagoge sind solche Anstalten, und die Voraussetzung liegt nahe, man dürfe sie für diejenigen erachten, die allem Bedürfnisse genügen, selbst höheren Wünschen entgegenkommcn. Aber wer sucht die Synagoge auf? Der, welcher gewöhnt worden, den Glauben der Gesammtheit als den seinigen anzucrkcnnen, Gott zu lieben mehr als Alles, und seine Lebenstage hindurch stets an derselben Quelle Trost zu suchen und Freudigkeit aus ihr zu schöpfen. Was Elternliebe, was Lehrerwort dem Kinde gewährt haben, das soll das Gotteshaus dem Erwachsenen erhalten; den guten Grund, den die Schule gelegt, soll die Synagoge zu dem weitern Bau verwenden. Dennoch muß die eine gründen und die andere bauen können; zu beidem sind Baumeister nöthig; diese aber liefert weder die Schule noch die Synagoge. Kümmern wir uns daher um kein drittes, so werden beide zusammen einstürzen, und mit ihnen muß das gemeinschaftliche Bewußtseyn Hinsterben, welches für unsere Existenz eine Lebensbedingung ist. Die Puls- und die Blutadern schützen uns nicht vor dem Tode, wenn wir kein Herz, keine Leben ausgießende Kammern haben. — Nein, nicht das Mitleiden rufe ich an, sondern die Theilnahme, nicht die schwachen, sondern die starken, die ausdauernden Empfindungen. Denn dabei dürfen wir uns nicht beruhigen, daß doch nun ein Seminar dasteht, und nun habe weiter Niemand sich darum zu kümmern. Wenn es nicht Wurzel faßt in dem kräftigen Boden gemeinsamer Gesinnung, bis daß es seine Wipfel erhebt, so wird es vergessen fortkriechen auf dünnem Acker, und die Leute werden danach fragen, wenn es längst verdorrt ist. Wahrlich, es ist uns nicht um den Namen Seminar zu thun, um eine neue Anstalt mehr, die nur heißt, nicht ist. Aber an den Früchten möge erkannt werden, was für ein Baum das jüdische Seminar der hiesigen Gemeinde ist. — Darum bitte ich für diesen Baum um eine paffende Stelle, um helfende Hände zu seiner Pflege, um theilnehmende Fürsorge für die Zeit seines Wachsthums." Möchte diese Bitte volle, reichliche Erhörung finden, und so die neue Anstalt der Berliner Gemeinde wieder den Rang verschaffen, den sie ehemals unter ihren Schwestern eingenommen! Geschichte des Tages. Goldne Worte sind es, welche eine neue Schrift über die Bibel und das Schicksal der Israeliten äußert. -Welch ein Buch! groß und weit wie die Welt, wurzelnd in die Abgründe der Schöpfung, und hinaufragend in dieblauen Geheimnisse des Himmels .... Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Verheißung und Erfüllung, Geburt und Tod, das ganze Drama der Menschheit, Alles ist in diesem Buche . . . Es ist das Buch der Bücher, Biblia. Die Juden sollten sich

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