Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-02-07 · Heft 18 (7.2.1841) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 18 (7.2.1841)
Date
1841-02-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2566751-2566752-2566771--0095-2567668
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

7S die ein Mensch errichten kann, ihre Unschuldserklärung und Rechtfertigung gefunden haben, die haben Sic von der Schmach erlöset, die ihnen noch in den Tod gefolgt, und haben ihre Namen unbefleckt ihren Lindern und Lindeskindcrn wieder gegeben. Gottes Segen über Sie! Sie haben ein göttlich Gebot erfüllt, welches das heiligste ist in Israel, Sie haben geheiligt den Namen Gottes, Sie haben das Gebot der Liebe erfüllt, das das Höchste ist. Sie haben wohlgethan den Todten und den Lebenden. Wenn der Name Damaskus, der sich auf den ersten und ältesten Blättern der Geschichte verzeichnet findet, in neuester und letzterer Zeit wieder eine trübselige Berühmtheit erlangt hat, Erinnerungen zurückläßt, die für uns eben so unvergeßlilch als schmerzlich sind, so werden die Namen der Edeln, die in dem Kampfe gefallen und ihr Leben geopfert haben, für die Heiligung des göttlichen Namens, und der Name der edeln Kämpfer, die den Kampf zu Ende gebracht, und den Gemarterten den Frieden, den Gefesselten die Freiheit errungen haben, mit ihm unvergänglich und unvergeßlich sepn. Das wicdergewonnene Selbstgefühl und das freudige Dewußtseyn, daß wo Israel in Noth und Bedrängniß ist, und sein Name geschändet, und sein Glaube geächtet, Gott immer ihm aus seiner eigenen Mitte seine Helden und Kämpfer erwecket — das tröstet uns für die schmerzliche Erfahrung, die wir neuerdings gemacht, und deren wir in unserem Jahrhunderte nimmer mehr gewärtig waren. \ Mit diesen Gesinnungen begrüßen wir Sie als einen der Vorkämpfer in dein heiligen Kampfe, und wenn unsere Stimme nicht so weit reicht, daß sic auch Ihren edeln Mitkämpfer, den hochherzigen Sir Moses Montefiore erreiche, gegen den wir dieselbe Verehrung hegen, so möge Ihnen wenigstens, da uns das Glück vergönnt ward. Sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen, dieses Bekenntnis, das das erste ist, das Sie auf deutschem Grund und Boden empfangen, ein Zeugniß sepn der Würdigung und Anerkennung, die Ihr Streben und Bemühen unter Ihren deutschen Glaubensgenossen 'gefunden, und wie sehr Sie in Ihren weiteren Bestrebungen auf ihre Spmpathicen werden rechnen können. nöN 12“! 231 ITC2 rufen wir Ihnen zu mit den Worten der Schrift; schreiten Sie muthig und rüstig fort auf der betretenen Bahn, es wird das Ihr Ruhm sepn und Ihre Ehre. Empfangen Sie unfern Dank mit der Versicherung, die gewiß Ihr schönster Lohn ist, daß Ihr edles Beispiel an uns und an unfern Kindern nicht wird verloren sepn! Wir werden es in einer dankbaren Erinnerung bewahren, als ein Beispiel hochherziger Gesinnung und edler Thatkraft, das uns zu edler Aufopferung und Hingebung ermuthigen soll.,, Aus Kalkar's Vorlesungen über biblische Geschichte.*) „Was sucht der Mensch, wenn er zum Bewußtsepn erwacht? Was suchten die alten Völker anders als Gott und seine Offenbarung? Sie suchten ihn auf verschiedenen Wegen', verwirrten sich aber in ihrem Suchen, sie spürten den ältesten Erinnerungen der Menschheit nach, ihre Gedanken aber konnten ihn nicht finden. Ein sonnderbar Zersplittertes findet sich in dieser Beziehung im Leben der Heiden. — Wie ganz anders gestalten sich die Erscheinungen, welche uns in der heiligen Schrift entgegentreten? Hier bezieht sich Alles auf Einen Endzweck, die Offenbarung des einen lebendigen Gottes; hier hören wir überall einen Ton, erst schwach und leise, dann höher und tiefer, bis der Klang der Posaune mächtiger und stärker wird und alle Völker zusammenbeberuft zu einem heiligen Berge, zu einem Reiche Gottes." — Weiter unten: „Und dieses sollte nur ein schönes Gedicht sein? Die Weltgeschichte bezeugt das Gegentheil, überall begegnen uns Ruinen, welche anzeigen, daß cs hier einst anders gewesen ist. Das Volk Gottes ist nicht nur durch die Wüste gegangen, in der der Sand spurlos verfliegt, es ist aufgetreten auf dem Schauplatze der Welt und hat sich tiefe Furche in der Bahn der Völker gegraben." Dann wieder wie schön und trefflich, was der Verf. von der ethischen Bedeutung der Bibel und ihrer Geschichte sagt: „Aber indem die biblische Geschichte den Namen einer heiligen führt, während die übrige Geschichte eine weltliche ist, hat sie dadurch ihr eigenes Gepräge erlangt, daß sie Geschichte des menschlichen Herzens ist, ein Tagebuch, geschrieben vom Geiste Gottes über die Geheimnisse des Herzens. Will man den gewöhnlichen Maßstab an diese Geschichte legen, dann erscheint uns Alles kurz, unvollkommen, lückenhaft. Vergebens sucht man hier äußere Großthaten, Handlungen, die ein ganzes Jahrhundert in Erstaunen setzen. Wir sehen nicht den schäumenden Fluß der Zeit mit Brausen hervorstürzen und Alles mit sich fortreißen, einen still rieselnden Bach erblicken wir, der sich in einem fremden Lande durch einsame Thälcr schlängelt, unbekannt dem größten Theile der damaligen Welt. Jedoch sammeln sich alle Ströme der Zeit in diesem Einen. — Großartig und ehrwürdig beginnt diese Geschichte mit dem Werden aller Dinge durch die schöpferische Macht Gottes, und eben so feierlich endigt sie mit der Zeit, da ein neuer Himmel und eine neue Erde sepn wird. Wir werden durch die idpllischen Scenen des Familienlebens geführt; wir sehen das leidenschaftliche Toben eines jugendlichen Staates, eine ganz eigenthümliche Bildung, ganz verschieden von der, welche die erleuchtetsten Nationen der Welt damals Bildung und Kultur nannten. Sehr Vieles, das wir Großes nennen würden, wird nur angedeutet, übergangen, während kleine häusliche Auftritte, ausführlich erzählt werden. Worin besteht also das Eigenthümliche dieser Geschichte? Offenbar darin, verehrte Zuhörer, daß es überall nur eine Regel gibt, nur ein Maßstab angelegt wird, nämlich wie das Verhalten des menschlichen Herzens gegen den Willen Gottes ist; diese eine Betrachtung überwiegt alle Talente, alle glänzenden Eigenschaften. — Dadurch aber wird uns auch die heftige Schrift in hohem Grade lehrreich, anziehend." — (Fortsetzung folgt.) •) S. Nr 1 dieses Blattes. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zn Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schaffer in Kassel.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.