Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 2 (1840-1841)
- Issue
- Heft 17 (31.1.1841)
- Date
- 1841-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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66 Thalmudisten aber behaupten, daß unter dem Worte „zerrissen" jede gefährliche Verletzung verstanden werde, die ein Thier, wenn auch von selbst, an sich bekommen habe, wie z. V. wenn sich eine Oeffnung an der Lunge oder dem Magen befinde (die Zahl dieser Verletzungen belauft sich, nach Mainonides, auf 70). Wie läßt sich aber hiermit das Wort: »auf dem Felde" vereinigen? Die thalmudische Exegese weiß diese Schwierigkeit leicht zu beseitigen. Die Schrift wollte nämlich damit andeutcn, wenn eine trächtige Kuh geschlachtet werde, und das Kalb während des Schlachtens mit einem Fuße herausgetreten, dasselbe besonders geschlachtet werden müsse. — (Chulin 53). In der Stelle (Deuteron. 14,21): »Du sollst kein Aas (ntaa) essen" bedeute das Wort »Aas" das Fleisch eines Thieres, das nicht nach thalmudischer Vorschrift geschlachtet worden sey, das ist thalmudische Exegese; sie ist es, welche das Leben der Juden mit so vielen albernen Gebräuchen beladen und verunstaltet hat. Und einer solchen Exegese will man den Anstrich der Wissenschaftlichkeit und Vernunftmäßigkeit vindiciren? Wir können es nur bedauern, daß ein Mann von Geist seinen Fleiß einer solchen Arbeit zugewendet. Frankfurt a. M. im Dec. 1840. vr. M. H e ß. P rüfung der von Dr. M. Creizenach dargestellten Lehren des frommen Israeliten. (Eingesandt.) In M. 6. zweiten Jahrganges dieser Blätter legt Herr vr. Creizenach „des ftommen Israeliten Lehren und Leben," allen Bekenncrn der mosaischen Religion zur Prüfung und Beherzigung vor. Dieser Aufsatz sollte die Fragen beantworten, was für die Juden Pflicht und was für dieselben Wahrheit sep. Der Herr Verfasser fügt den heißen Wunsch hinzu, es möchte bald möglich werden, diese aufgestellten Sätze dem Religionsunterrichte in Schulen und auf der Kanzel zu Grunde zu legen. Dieser noch nicht ganz motivirte Wunsch (denn diese Sätze sollen ja erst zur Prüftmq vorgelegt werden) kann durch den edlen Unwillen, daß"jedes Jahr die Anzahl derjenigen vermehrt, welche dem Veralteten unmuthig den Rücken zukehren, ohne auf das Hervorrufen einer neuen Gestaltung bedacht zu sepn, vollkommen entschuldigt werden. Der Herr Cr. wird es mir aber nicht verargen, wenn wir nicht jeder der von ihm aufgestellten Sätze einleuchtet, und zwar aus folgenden Gründen: Nr. 1 behauptet: „Der Mensch kann sich — ohne eine übernatürliche Offenbarung, vom Dasepn Gottes überzeugen." Da wir unter Gott hier doch wohl den einigen, ewigen, unkörperlichen, gütigen Gott, den der fromme Israelit allein anbeten darf, verstehen, so widerspricht diese Lehre tnt Allgemeinen der Geschichte, nach welcher die Menschen auch an das Daseyn anderer Götter glaubten. Auch Nr. 7. „Gott hat vor noch nicht 6000 Jahren der Welt in 6 Schöpfungstagen ihre jetzige Gestalt gegeben", scheint nicht ganz absolut wahr; denn es ist wohl erlaubt anzunehmen, daß der Schöpfungstag kein gewöhnlicher Tag von vierundzwanzig Stunden war. Vergl. Cahen in der Anmerkung zu Gen. 1, 5. in der Bibel mit französischer Uebersetzung und Kaiser in der Vorrede zur Schrift: Ueber die Ursprache (Erlangen 1840). Nr. 11 findet sich nicht bestätigt, und gegen Nr. 22 läßt sich einwenden, daß sich nicht Nachweisen läßt, daß Isaak und Jakob aus Schwäche gesündigt haben. Wäre Nr. 25 begründet, so würde man fragen müssen, warum sollten sie denn ihre Grenzen über viele andere Königreiche ausdehnen. Ad 28 ist zu bemerken, daß das Gebot Exod. 12, 1—20 auch den Israeliten anfangs zugedacht war. Zudem läßt sich bei göttlichen Geboten nichts von anfangs zugedacht sepn denken, da Gott im Voraus ja alles wußte. Ad 34. Sind denn Purim und Chanuka keine Pflichten für Israeliten? Nr. 35 involvirt eine Läugnung des mündlichen Gesetzes, welches nach dem Gesagten überflüssig wäre, und kann daher nicht als die Lehre eines frommen Israeliten gelten; überhaupt ist dieser Grundsatz eben so oft widerlegt, als behauptet worden. Nr. 36 steht im Widerspruch mit 5. B. Mos. 17, 10 u. 11. (Fortsetzung folgt.) Geschichte des Tages. Bereits haben wir unfern Lesern den projektirten neuen Tempelbau in Lemberg gemeldet. Erhebend ist aber die fromme Begeisterung, welche sich bei diesem Unternehmen ausspricht. Lauter und freudiger Beifall ward schon bei den ersten Versammlungen denen zu Theil, welche für das Gotteswerk sprachen. Bereits find 20,000 fl. C. M. zusammengebracht, und man rechnet noch auf die Unterstützung vieler edlen Häuser aus Brody. Ohnehin unterstützen schon den neuen Tempelverein die angesehensten Familien, und selbst die mittlere Klasse tritt ihm großtentheils bei. Ja sogar einige Chafidim haben anständige Beiträge gegeben. So wird denn die neue Gemeinde kräftig blühen, da in ihr fich ein regsames Leben und wahres Streben zum Heile der Gesammtheit zeigt. Nächsten Sommer gedenkt man den Grundstein zum Neubau zu legen, und bis dahin wird man ein besonderes Local zum Gottesdienste miethen. Sulzer in Wien, der mit seinem musikalischen Talente den dortigen Gottesdienst so sehr verherrlichte, wird selbst nach Lemberg kommen, um den Chor einzuüben. Hingegen klingt es ganz komisch, was aus dem benachbarten