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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-01-31 · Heft 17 (31.1.1841) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 17 (31.1.1841)
Date
1841-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des „cimzchnttn tzahrhundcrls. Ein Wochenblatt für die Kenntniß des israelitischen Lebens, besonders in religiös-kirchlicher Beziehung. Herausgegeben vr. HeH, Land-Rabbinen zu Stadtlengsfeld, im Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Nr. 17. Sonntag den 31. Januar 1841. II. Jahrgang. Motto: Entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr. Der Geist der thalmudischerr Auslegung der Bibel. Erster Theil. Halachische Exegese. (Don vr. H. Hirsch feld. Berlin 1840.) Dieses Werk ist eine betrübende Erscheinung. Ein geist- und kenntnisreicher Mann wendet seine Kenntnisse und seinen Scharfsinn dazu an, dem Thalmud den Schein einer Wissenschaft zu geben. Eregese des Thalmud? Kann bei den wunderlichen mikrologischen Spitzfindigkeiten, in welche die Nabbinen bei ihren Grübeleien über die Ausübung des Ceremonialgesetzes geriethen, und die sie dann in die Bibel hineinzudeuten suchten, von einer Eregese die Rede sein? Können Deuteleien, die auf Wortsi'nn, Grammatik, innern Zusammenhang des Textes, Alterthumsknnde, Chronologie und alle sonstigen Erfordernisse einer Schrifterklärung gar keine Rücksicht nehmen, jemals zu einer Eregese erhoben werden? Der Thalmud ist eine merkwürdige Erscheinung, in welche Verirrung der menschliche Verstand gcrathen kann, wenn er, ohne die Stütze der Wissenschaft und des philosophischen Geistes, es wagt, sich ein aus uralter Zeit überkommenes dunkles Buch zu deuten, das, wie er glaubt, von der Gottheit wörtlich diktirt ist — eine Erscheinung, deren Erklärung Geschichte und Psychologie sich zur Aufgabe machen möge; aber als ein Mißbrauch der Wissenschaft und'als eine Versündigung an dem Wohl der Israeliten erscheint cs uns, wenn ein mit der Beschaffenheit und dem unheilbringenden Einflüsse des Thalmud vertrauter Gelehrter cs versucht, ihn in die Reihe wissenschaftlicher theologischer Werke zu stellen, und Ausgeburten des Aberwitzes mit wissenschaftlichen Phrasen zu überkleiden. Der Verfasser befindet sich übrigens nicht auf dem Standpunkt der Thalmudisten, wenn er die Begriffe von Erbsünde, Versöhnung und Erlösung der Menschheit in das Iudenthum hineinträgt. Er geht ferner von der Ansicht aus, der Thalmud habe blos eine Begründung der bereits durch die Tradition bestehenden Gebräuche in der Bibel gesucht; dieses ist aber keineswegs der Fall. Der Pentateuch selbst war in den Zeiten des ersten Tempels in Vergessenheit gerathen, und in dem kurzen Zeitraum, der seit Esra verstrichen war, hatte sich selbst über die wichtigsten Fragen noch keine feste Tradition gebildet und bilden können. So stritten die Sadducäcr mit den Pharisäern, ob das Wochenfest an einem Sonntag oder immer am 6. Siwan gefeiert werden müsse, ob jemand für körperliche Beschädigungen mit Geld oder mit gleichen Beschädigungen bestraft werde und dergleichen mehr. Man war noch in den spärern Zeiten des zweiten Tempels über die Art der Ausübung der meisten Gebräuche in Ungewißheit, und erst durch den Einfluß der Thalmudisten hat sich ein übereinstimmendes Verfahren gebildet, so daß die meisten Gebräuche erst durch dieselben eingeführt worden sind. Um mm den mit dem Thalmud unbekannten Lesern eine Probe thalmudischer Eregese zu geben, wählen wir zwei Beispiele, welche auf das jüdische Leben von großem Einfluß wurdem Im Pentateuch heißt es: „Fleisch, das auf dem Felde zerrissen worden, sollt ihr nicht essen." (Erod. 22, 31.) Der Sinn des Wortes „zerrissen" ist ganz klar, und bedeutet offenbar: von einem Raubthiere getödtet. Die

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