Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-01-17 · Heft 15 (17.1.1841) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 15 (17.1.1841)
Date
1841-01-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2566751-2566752-2566768--0079-2567649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

59 alles daselbst befindliche Wasser ausschüttet, wird im Ceremonialbuche Colbo erwähnt, wo folgende zwei Ursachen angeführt werden: „Erstens, um dadurch der Nachbarschaft anzuzeigen, daß Jemand gestorben sey, ohne solches mündlich mittheilen zu dürfen. Zweitens, weil der Würgengel Malach hamaveth in dem Wasser dieser sieben Häuser sein Würg- und Schlachtmesser abwäscht, wodurch von demselben tödtende Blutstropfen im Wasser Zurückbleiben O." In späterer Zeit, als der Aberglaube unter dem Schutze der Kabala bei den Israeliten die Oberhand erhielt, wurde die zweite Ursache als die wahre angenommen, und es wird noch heute von Manchen eine solche Vergiftung gefürchtet. Jedoch erlaubt R. Abraham Klausner (WnbaKim) solches Wasser zum Kneten der Mazoth zu verwenden, da (sagt dieser) das Ausschütten desselben nur den Todesfall anzeigen soll Daß übrigens die für diesen Gebrauch angegebenen Gründe vor dem Forum der Vernunft nicht bestehen können, braucht wohl nicht erst des Ausführlichern entwickelt zu werden. Aelter als dieser Gebrauch scheint der zweite, nämlich das Waschen der Hände nach einem Leichenbegängnisse, zu sein; denn schon der 6aon R. Paltai sagt, dieser Gebrauch habe keinen Grund; der 6aou R. Nachschan berichtet, daß nur die Leichenträg er die Hände sich gewaschen hätten 4J. Hingegen glaubt der Verfasser des Colbo diesen Gebrauch dadurch zu rechtfertigen, daß er angiebt, das Händewaschen geschehe, um das mosaische Gesetz der Reinigung mit der Lauge aus der Asche der rochen Kuh CnDl78 775) nicht zu vergessen 5), woran heut zu Tage wohl Niemand bei diesem Waschen denkt." Geschichte -es Tages. Aus Hamburg erhalten wir von sehr achtbarer Hand folgende Mittheiluug: »So viel israelitische Schulen hier auch vorhanden find, so entspricht doch keine einzige den Erwartungen derjenigen Hausväter, die da wünschen, daß ihre Söhne, wenn fie als Jüngirownir?2i8Lk Dp *?2'Tistrb jman ^28 'N 12^2 (' niD mpn 12 727 ijm? p'D7 :n:Dn ojpi 8"7 '"121 727 »'ine rrni 732 j?hid nvp 871 ♦man D7 hsd D'D2 tbo pion yövv '37 D8 p) :p8"77D dbq mn 8'D '7 7'"77d (' NlLDN 'D na 7isp7 P8 mp 1N182 ND P'D 72 '8!77'D 'D10737 p« 817 72in p87 D7'7127 1D22'2t D7ipD7'7' 1LN7'Lt 7D1 : DP 1272 0 •72JTD7 '7P 17'D 7p'J) 17 p8P 7“r 7D73 '7 7D8 ♦7DD7 WU 878 13TO 87P '2 ppro '71 (4 7D17 dh*1 NL'N71 73y map oj?7 um yy\ :pp c* '738 01pD2 735) 1Np71 Nt 727 72NP7 87P linge die Schule verlassen, die heilige Schrift ("p rO in der Ursprache nebst irgend einem rabbinisch-hebräisch geschriebenen Commentar, einen Traktat in der Mischna u. s. w. zu lesen und zu verstehen im Stande sein mögen. Und in der That ist keine einzige der hiefigen Schulanstalten dazu geeignet, nach diesem Ziele Hinzusteuern. — Es haben sich daher im November mehrere Familienväter zu einer Consultation vereinigt, wie dem Uebel wohl abzuhelfen sep, denn ein Uebel ist es allerdings, unsere Zugend heranwachsen zu sehen, die so viele fremde Zungen redet, nur in derjenigen Sprache unbewandert bleibt, in welcher die Bibel und fast alle unsere Religionsschriften verfaßt sind. Bei der Berathung, der auch einer der ältesten Direktoren der hiesigen Freischule, unser verdienstvoller Michaelis beiwohnte, ergab es sich indeß, daß die Meisten in ihren Anforderungen ertravagirten, und viele eine ehemalige polnische Schule im Sinne hatten, in welcher man in allen Ungezogenheiten die Zagend aufs Anschaulichste unterwies und diese Unterweisung wohl gar Religions-Unterricht nannte. Es ist natürlich, daß bei solchen Diskussionen der Weisere schweigt und sich zurückzieht. Das that denn auch unser wackerer Michaelis, fand sich aber in seinem Gewissen späterhin bewogen, dem Vorstand der Gemeinde seine gutgemeinten Rathschläge schriftlich zu communiciren, die er mit einem Briefe begleitete, aus dem ich Zhnen für ihr'treffliches Blatt einige Auszüge mittheile: t. '»„'Meine Herren! Wenn die menschliche Natur, die ein irdischer Abglanz des höchsten Geistes ist, nur in selbstständiger, sreithätiger und harmonischer Ausbildung aller Seelenkräfte bestehen kann, um jenem erhabenen Vorbilds immer näher zu kommen: so sind diejenigen, welche, wenn auch nur aus Unklarheit der Begriffe, dies unveräußerliche Recht der Selbstständigkeit beschränken, die Geister mit Netzen des verjährten Wahnes und mit Ketten der Willkühr umstricken wollen, — als F e ind e der Menschheit zu betrachten, und die Pflicht gebietet es, den Umtrieben derselben, wo und in welcher Gestalt sie sich zeigen mögen, mit Offenheit und Geradheit in den Weg zu treten. — Es mag bequem sepn für unsere thalmudistisch tief gelehrten Chachams und Rabbinen und die Herren Claus ner und Schriftgelchrten, auf dem Lottcrbette des Herkommens auszuruhen, die eigene Unbehülflichkeit, Schwäche und Unwissenheit hinter das Aeußere der alt überkommenen Satzung und ihrer eigenen Autorität zu verstecken; es mag Einigen Bortheil bringen, wenn diese Herren, statt Licht und Klarheit in ihren Gemeinden zu verbreiten, ein Ehrfurcht gebietendes, religiös-mystisches Dunkel um ihre Wirksamkeit herumziehen, und die unsicher tappende, unwissende und ungebildete Menge am Gängelband dessen leiten, was fie religiös und heilige Zwecke nennen; wo aber der Geist, durch höheres Licht erleuchtet, aus dem stagnirenden Sumpf aufgctaucht und zu eigenem Bcwußtseyn gelangt ist, da wird er durch kein Gegenstreben, durch keinen Spott, kein Ereifern wiederum zurückgebannt, er wird vielmehr für jetzt und immer gegen alle Beschränkungen laut und fest protestiren. — Die Bequemlichkeit, die Trägheit soll zu Grunde gehen! denn rastlose Thätigkeit für die Ausbildung unserer Jugend für das deutsche Vaterland, wo unsere Wiege stand, unsere Gräber sind — für die heutige europäische Civilisation in sittlich religiöser,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.