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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-01-17 · Heft 15 (17.1.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 15 (17.1.1841)
Date
1841-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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60 wie in wissenschaftlicher und politischer Hinsicht, damit sie der vollständigen Emancipation würdig sep *) — das ist die Aufgabe der Väter, das das Ziel der Jugend. Das Licht aber, vor dem sich scheu nur Käuze verkriechen, wird ewig leuchten, alles Nebels ungeachtet, der dasselbe verhüllt, denn es ist der Urquell des allwaltenden Weltgeistes, die Gabe des Allvaters. — Wir verdanken es dem weisen Mendelssohn, seinen cdeln Jüngern und ihren Schülern, daß die Kette, in welche uus religiöser Haß, grausamer Spott, Verachtung-und barbarische Verfolgung aller Jahrhunderte geschmiedet haben, größtcntheils gesprengt worden find. Wir verdanken es ihrer Bemühung, daß die Bande, worin uns thalmudisch-rabbinischcr Autoritätsglaube gefesselt hielt, zerrissen wurde, daß ein neuer, besserer Geist, ein würdigeres Streben unsere Gemeinde erfüllt, unsere Schul- und Erbauungshäuser leitet. — Die unabweislichen Forderungen der Zeit haben sich nicht nur allgemein geltend gemacht, sondern selbst streng fromme gelehrte Juden sind bei der Erziehung ihrer Kinder darauf eingegangen, um nicht hinter ihrer Zeit zurückzubleiben. Sie setzten sich die Aufgabe, die neuen Leistungen mit dem Judenthum zu vereinigen, und hierzu bietet Ihnen, meine Herrn, die isr. Freischule den geeigneten Raum dar. Die Hausväter wollen doch gewiß eine Schulanstalt begründet sehen, die entschiedene jüdische religiöse Richtung, mit wissenschaftlichem Unterricht vereine, und nur ein mäßiges Schulgeld fordere; das werden sie durch enie neue Anstalt, deren Organisation sich erst in der Zukunft bewähren soll und kann, keineswegs leicht bewirken können, aus Gründen, die ich in der Beilage gründlich und einleuchtend erörtert habe; wohl aber läßt sich dieser Wunsch durch, die Freischule, die sich schon Ihres und der Gemeinde Wohlwollen und Schutzes zu erfteuen hat, vollkommen befriedigen. Diese wohlthätige Anstalt hat sich in einem Zeitraum von 25 Jahren, als wohlorganisirt herausgcstcllt; öffentliche Examina haben die Vortrefflichkeit ihrer Lehrer und ihrer Leistungen erwiesen, in der Schule selbst herrscht wohlgeordnete strenge Disciplin und Sittlichkeit, dabei macht sie es jedem Stande möglich, wie keine andere Anstalt, für ein geringes Schulgeld seine Kinder in ihr auszubilden. Sie braucht also kein neues Gebiet zu betreten, wenn sie auf Ihre Vorschläge eingchen wird. Jüdische Religion und Sittlichkeit waren ihrja immer heilige Momente ihrer Wirksamkeit! — Die isr. Freischule würde demnach durch Erweiterung des hebräischen Unterrichts nach der Weise, wie Sie ihn wünschen, und den Unterricht in der jüdischen Religion, wie Sie ihn für geeignet und zweckdienlich halten, um eine religiös-sittliche, jüdische Jugend zu bilden, Ihren Forderungen vollständig entsprechen können, und ich wiederhole es, sie allein kann dies zur Zufriedenheit aller Gebildeten und wahrhaft Frommen."" — „ Ob der Vorstand die Vorschläge des Hrn. Michaelis be- Hier können wir nicht mit dem Vers, übcreinstlmmcn. Die Emancipation ist ein Necht, das jedem Unterthan unbedingt werden muß, ohne Rücksicht auf den Grad seiner Bildung. Red. rncksichtigen und einen weisen Gebrauch von denselben machen wird? Wer weiß? Agamus et speremus." (Corresp.) (Wir erwarten noch von unserm geehrten Correspondenten den Plan des Hrn. M., bis dahin wir unser Urtheil über diese Sache suspendiren wollen. Von hoher Wichtigkeit ist dieselbe um so mehr, als das Verhältniß in Hamburg auch in andern großen Gemeinden angetroffen wird. Redaktion.) — Die öffentlichen Blätter erzählen von den eignen Taufscheinen , welche die Kinder des Königs von Belgien erhalten. Nach dem dortigen Gesetze müssen nämlich die Taufscheine von dem Vater, dem taufenden Geistlichen und dem Bürgermeister untere schrieben sein. Daher ist der Taufschein des Kronprinzen von Belgien .'von einem protestantischen Vater, einem katholischen Cardinal und dem jüdischen Bürgermeister von Laeken unterzeichnet. — Die Arclnves Israelites beklagten sich vor einiger Zeit darüber, daß nicht ein einziges israelitisches Journal in Deutschland dem von ihnen bevorworteten Projekt der Errichtung eines Denkmals für Mendelssohn Aufmerksamkeit geschenkt hat. „Ist es deßhalb, (fragen sie), weil die Idee von einem Franzosen ausging?" Uns trifft dieser Vorwurf nicht. Wir haben vielmehr diese Idee mit dem wärmsten Eifer unterstützt und wünschen nur, daß sie bei unseren deutschen Brüdern gleiche Theilnahme finden möge. — Einer unbeschreiblichen Theilnahme 'erfreut sich Mannheim er's Bearbeitung der Liturgie, des Siddurs sowohl, als der Festgebete nach der gottesdienstlichen Ordnung im iSrael. Bethause zu Wien und in mehreren anderen Gemeinden. Nur die tiefe Begeisterung Mannheimer's, die sich so ganz in die fromme Anschauung der Vorzeit zu versetzen weiß, und die gewandte Sprache desselben , mittelst deren er den Klang des Originals stets wiedergiebt', ja mitunter noch übertrifft, konnte auch ein solches Meisterwerk schaffen. Seltsamer Gebrauch. Burkhardt berichtet in seinen "Reisen in Syrien," daß die Juden in Liberias, einer der vier heiligen Städte des Talmud, einen seltsamen Grbrauch beim Gebete beobachten. Während der Rabbiner die Psalmen Davids verliest, oder die Gebete, die aus denselben gezogen sind, ahmt die andächtige Versammlung durch die Stimmen und durch die Geberden den Sinn einiger bemerkenswerthen Stellen nach; wenn z. B. der Rabbiner die Worte ausspricht: Lobet den Herrn mit Trompetenschall," ahmen sie den Klang der Trompeten durch die geballten Fäuste nach. Wenn ein „gräulicher Sturm" vorkommt, so blasen alle mit Anstrengung, um den Sturm darzustellen; wird „das Geschrei des Gerechten in der Roth" erwähnt, so beginnen alle ein entsetzliches Geschrei, und es ist nicht selten, daß während einige noch blasen, um den Sturm nachzuahmen, andere bereits das Geschrei des Gerechten begonnen haben, und so ein Conzert entsteht, das schwerlich andere als Hebräer anhören und dabei ernst bleiben können. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zn Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und «chäffer.

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