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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-01-11 · Heft 14 (11.1.1841) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 14 (11.1.1841)
Date
1841-01-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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55 beim öffentlichen Gottesdienste noch beanstandet würde, die häusliche Erbauung, besonders bei denr bisher so vernachlässigten weiblichen Geschlechte, fördern. Wir scheiden daher mit der innigsten Hochachtung von dem Verfasser, der sich durch seine Schrift den Rabbinen, welche für die innere Veredlung unseres Gottesdienstes zu wirken streben, so fr e imüthig, aber auch so fromm und gottbegeistert angeschlossen hat, und sehen der Erscheinung der andern Hefte, in welchen er die übrigen Fest- und Feiertage auf gleiche Weise zu behandeln verspricht, mit Verlangen entgegen. Geschichte -es Tages. Mit Freuden räumen wir heute folgendem Berichte aus Hamburg den ersten Platz in der Tagesgeschichte ein: „Ob es wahr ist, daß man hier einen größeren Tempelbau beabsichtige? Allerdings. Und dank sei es dem aus sehr wackeren Männern bestehenden Comitö, daß die zum Aufbau eines größeren Tempels erforderliche Summe von 100,000, sage hunderttausend Mark Banco, m wenigen Tagen und zwar aufActien zu dritthalb Procent baar da sein wird. Die Mitglieder des Tempelvereins haben auch bei dieser Gelegenhenheit einen musterhaften Geist kund gethan und aufs unwidersprechlichste bewiesen, daß Gottesdienst und Predigt auf Alt und Jung, auf Reiche und Unbemittelte aufs heilsamste gewirkt; es bleibt keiner zurück, und mit fteudkgem Herzen werden die größeren und mindergroßen Summen und Beiträge gezeichnet, und bald wird man, wie bei der Anfertigung der ehemaligen Stiftshütte (2 Mos. 36, 6u.7) eine Bekanntmachung ergehen lassen, daß es keiner Spenden mehr bedarf. Das hat die sogenannte alte und orthodoxe Parthei nicht erwartet, und, wie verlautet, möchte sie gern den Bau auf irgend eine Weise zu verhindern suchen. Indessen, dank sei es dem Vater des Lichtes und der Wahrheit! es findet sich kein Tobia und kein Sanbalat, die dem heiligen Bau Hindernisse in den Weg zu legen im Stande sind; die Herrlichkeit des neuen Hauses wird größer sein, denn die des früheren, und wir werden, ganz im Geiste unserer Weisen, „in der Heiligkeit steigen und nicht fallen." (n*?7 tJHpa P-PT)»}. Nehmen Sie heute fürlieb mit meinem kurzen Berichte. Nächstens mehr. ^*72." Die Rückreise von Cremieur gleicht einem wahren Triumphzuge; alle israelitische Gemeinden beeifern sich, ihm ihre Verehrung zu beweisen. In Wien und Fürth wurden ihm zu Ehren große Feste veranstaltet, und in Frankfurt a. M. *) richteten viele Gemeindeglieder eine Adresse an ihn, aus welcher wir folgende Stellen entnehmen: "Sie kehren von einer Reise wieder, deren Zweck zu den edelsten gehört, welche Biedermänner sich vorsetzen, welchen Freunde der Menschheit nachstreben können. Es galt', dem Fanatismus und der Bosheit ihre Beute zu entreißen, eine Verläumdung zu beschämen, die, so unsinnig sie auch ist, doch die blutigsten Folgen hervorgebracht hatte, die Unschuld zu befteien, der Wahrheit den Sieg zu erkämpfen. Es galt, eine schwache Minderzahl zu vertreten, veren Schicksal es seit Jahrtausenden zu sein scheint, als erstes Opfer zu fallen, wenn Finsterlinge die Dummheit zur Hülfe der Bosheit aufrufen, um die blinden Leidenschaften der Menge aufzuregen. Es galt, gegen die Barbarei für das Recht, gegen den Wahnsinn für die Vernunft, gegen die Finsterniß für Licht und Wahrheit, gegen Lieblosigkeit für Menschenliebe zu streiten. Es galt, diesen Kampf in Landen zu führen, wo die Folter das Recht in Unrecht zu verwandeln weiß, und die schüchternen Anfänge einer von Europa eingebrachten Bildung von Leidenschaften bekämpft und erstickt werden, die, nicht minder von Europa eingebracht, leichter Wurzel fassen, als die zarte Pflanze der Cultur und Humanität. Sie haben diesem Siege des Rechts und der Wahrheit den Sieg der Civilisation beigefügt. Unfern Glaubensgenossen in Egypten fehlte die beste Waffe gegen die Ungerechtigkeit, der kräftigste Schild gegen die Ungebühr: Bildung nnd Wissenschaft, welche der Gerechtigkeit eine Sprache verleihen, dem Unrecht den Spiegel Vorhalten, der Wahrheit den Sieg versichern, die Lüge vor sich selbst erröthen machen. Sie kamen, ein Kämpfer für das Recht, und Sie gingen, nachdem Sie zugleich dw Saat der Bildung und der Erkenntniß ausgestreut. Wir können uns nicht versagen, Ihnen den innigsten Dank auszusprechen für das, was Sie gefördert, gewirkt und gewollr, für Ihre edle Sorgfalt für Licht und Wahrheit, für Fortschritt und Recht. Gott, der Vater alles Guten, lohne Ihnen durch Verbreitung des Guten. Mögen die Vorürtheile, welche den Geist so vieler Menschen umdüstern, die Lieblosigkeit, welche das Herz so Vieler verhärtet, der fortschreitenden Einsicht und Bildung weichen! Möge es nie wieder solcher Opfer, solcher Kämpfe bedürfen, um dem Unsinn zu begegnen, die Bosheit zu besiegen! Möge der Geist der Liebe, der Geist wahrer Religiosität, die Menschheit immer mehr durchdringen, und Rückschritte fortan zur Unmöglichkeit machen!" Die Freimaurer-Loge zum Frankfurter Adler hat aber auch durch einem edlen Act der Wohlthätigkeit sich ausgezeichnet, indem sie Herrn Cremieur als einen Beitrag zu der von ihm in Eairo gegründeten Schule die Summe von tausend Franken hat zustellen lassen. In dem deßfallsigen Schreiben sagte sie u. A. „Aber nicht zuftieden, Bertheidiger der Unterdrückten, Schutzengel der ^Verfolgten, Retter der Unschuldigen zu sein, haben Sie diesem schönen Titel, der Ihnen in den Herzen der Wohlgesinnten und auf den Tafeln der Geschichte für alle Zeiten gesichert ist, den noch fchönern Titel: „Verbreiter des Lichts" hinzufügen wollen. Indem Sie in Cairö eine Schule gründeten, indem Sie einem in geistige Finsterniß gehüllten Lande eine Quelle des Lichts eröffneten, haben sie Ihrem edlen Werke die Krone aufgesetzt. Ihr Name wird den spätesten Geschlechtern ein gesegneter fein! Denn in einen Boden, der bis dahin nicht urbar gemacht worden war, haben Sie mit wohlthätiger Hand den Saamen der Belehrung ausgestreut und die Keime der Civilisation getragen. *) Dasselbe geschah neuern Nachrichten zufolge auch ia Mainz.

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