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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-01-11 · Heft 14 (11.1.1841) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 14 (11.1.1841)
Date
1841-01-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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56 und dieserSaame wird fortwirken und sich verbreiten und Früchte tragen zum Heile der Menschen und zur Freude ihres himmlischen Vaters. Das Licht der Aufklärung wird die mächtigste Schutzwehr des Rechts und der Wahrheit sein. Wir aber, die Mitglieder der Freimaurer-Loge zum Frankfurter Adler, von Liebe und Verehrung für Sie durchdrungen, von dem Wunsche beseelt, ein ftommes gottgefälliges Werk fordern zu helfen, und Ihnen noch einen besonder» Beweis davon zu geben, wie mächtig Ihre edlen Bestrebungen für Recht und Menschenwohl in unfern' Herzen wiedertönen, wir bitten Sie, die Summe von tausend Franken, als einen kleinen Beitrag für die von Ihnen in Cairo gestiftete Schule, gütigst annehmen zu wollen. Möge der allgüttge Vater, der Wohlgefallen findet an den Gebeten, die aus reinem Herzen zu ihm emporsteigen, Ihren Pfad mü Freuden bestreuen, ünd das Füllhorn seiner reich-' sten Segnungen über Sie ausgießen." Während die Roeskilder Ständeverfammlung sich für die unbeschränkte Emancipation der Israeliten ausspricht, ja, obgleich der verstorbene König von Dänemark ihre Bitte um Wählbarkeit der mosaischen Glaubensgenossen abgewiesen/dennoch eine solche Bestimmung wieder in den neuen Constituttonsantrag aufnahmen, zeigen sich die übrigen Stände in den Herzogthümern Schleswig und Holstein gegen die Aufhebung der vielen Beschränkungen der mosaischen Glaubensgenossen höchst bedenklich. Woher kömmt nun diese Verschiedenheit der Ansichten auf einem und demselben deutschen Boden? An den Israeliten kann sie nicht liegen, da dieselben in einem Lande nicht so verschieden in ihrer geistigen und moralischen Bildung seyn können; sie kann also nur in den Ständen selbst ihren Grund haben, nur daher zu erklären sepn, daß die einen bei dieser Angelegenheit den Grundsätzen der Gewissensfteiheit und des Menschenrechtes mehr Einfluß gestatten, als die anderen. — Unsere Leser erinnern sich, daß bei der Rabbinenwahl in Posen die sogettannte orthodoxe Parthei, den Sieg davon getragen. Wie groß aber das Bedürfniß nach einer besseren Erbauung bei dem gebildeteren Theile der dortigen Gemeinde sepn muß, geht daraus hervor, daß derselbe einen gewissen rc. Wiener ersuchte, am letzten Versöhnungstage in einem engeren Zirkel von wenigen D\3\3B deutsche Vorträge zu halten, die mit großer Rührung und Erbauung angehört wurden. Bald folgte auch eine andere Gemeinde in der Provinz, die in Schwerfen;, dem Beispiele der Hauptstadt, und selbst die strengsten Orthodoxen erbauten sich an den gehaltvollen Vorttägen des Herrn Wiener. Hingegen soll es leider in Proßnitz wieder rückwärts gehen. Der Gesangunterricht in der Thalmudthoraschule hat aufgehört, und die Aussicht auf eine baldige Reorganisation des Gottesdienstes ist auch wieder in den Hintergrund getreten. Da wollen wir denn, um in unfern Lesern keine trübe Stimmung zurückzulassen, ihnen die erfteuliche Nachricht mittheilen. daß endlich das israelitische Schullehrerseminar in Berlin, dem vr. Zunz als Direktor vorstehen wird, feierlich eingeweiht worden .ist. Möge dieses der Anfang zu noch andern dringenden Verbesserungen in der Gemeinde sepn! — Aus Herders Schriften. Die Nation der Juden selbst ist seit ihrer Zerstreuung den Völkern der Erde durch ihre Gegenwart nützlich und schädlich worden, je nachdem man sie gebraucht hat. In den ersten Zeiten sähe man Christen für Juden an, und^verachtete oder unterdrückte sie gemeinschaftlich, weil auch die Christen viel Vorwürfe des jüdischen Dölkerhasses, Stolzes und Aberglaubens auf sich luden. Späterhin, da Christen die Juden selbst unterdrückten, gaben sie ihnen Anlaß, sich durch ihre Bewerbsamkeit und weite Verbreitung fast allenthalben des innern, insonderheit des Geld- Handels zu bemächtigen; daher denn die roheren Nationen Europa's freiwillige Sclaven ihres Wuchers wurden. Den Wechselhandek haben sie zwar nicht erfunden, aber sehr bald vervollkommnet, weil eben ihre Unsicherheit in den Ländern der Ma° homedauer und Christen ihnen diese Erfindung nöthig machte. Unläugbar also hat eine so verbreitete Republik kluger Wucherer manche Nation Europa's von eigener Betriebsamkeit und Nutzen des Handels lange zurückgehalten, .weil diese sich für ein jüdisches Gewerbe szu groß dünkte, und von den Kammerknechten der heiligen römischen Welt diese Art vernünftiger und feiner Industrie eben so wenig lernen wollte, als die Spartaner den Ackerbau von ihren Heloten. Sammelte Jemand eine Geschichte der Juden in allen Ländern, in die sie zerstreut find; so zeigte sich damit ein Schaustück der Menschheit, das als ein Natur- und politisches Ereigniß gleich merkwürdig wäre. Denn kein Volk der Erde hat sich wie dieses in allen Klimaten so kenntlich und rüstig erhalten. Uebrigens wird Niemand einem Volke, das eine so wirksame Triebfeder in den Händen des Schicksals ward, seine großen Anlagen absprechen wollen, die in seiner ganzen Geschichte sich deuttich zeigen. Sinnreich, verschlagen nnd arbeitsam wußte es sich jederzeit, auch unter dem äußersten Druck anderer Völker, wie in einer Wüste Arabiens mehr als vierzig Jahre zu erhalten. Es fehlte ihm auch nicht an kriegerischem Muth, wie die Zeiten Davids und der Makkabäer, vorzüglich aber der letzte, schreckliche Untergang seines Staats zeigen. .In ihrem Lande waren sie einst ein arbeitsames, fleißiges Volk, das, wie die Japaner, seine nackten Berge durch künstliche Terassen bis auf den Gipfel zu bauen wußte, und in einem engen ^Bezirk, der an Fruchtbarkeit doch immer nicht das erste Land der Welt war, eine unglaubliche Anzahl Menschen nährte. Berichtigung: S. 42, Z. 2 v. «., muß es heißen „penn nach den Andeutungen». S. 43, Z. 1. v. o. »sich vereinen". Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen von dem Postamte in Meiningen und der Kesselring'schen Hofbuchhandlung zn Hildburghausen und Meiningen. Preis, einschließlich des ganzen Porto, 1 Thlr. 16 gr. C. M. od. 3 fl. rhein. jährlich. Druck von Döll und Schäffer.

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