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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1841-01-03 · Heft 13 (3.1.1841) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 13 (3.1.1841)
Date
1841-01-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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50 ihrem Herzen die frommsten Empfindungen und ihrem Munde die begeistertsten Töne entlockten. — Nirgends wird aber das mehr empfunden, als beim Gottesdienste; denn beim Gottesdienste treten die besonderen Anschauungen und heiligen Erinnerungen eines Volkes am lebendigsten hervor; beim Gottesdienste sieht cS sich besonders vereint und ftägt nach dem Grunde dieser Vereinigung und fühlt sich erhoben und inniger an einander gekettet, wenn ihm in frommen, heiligen Tönen die Geschichte seines Daseyns aufgerollt wird, und ihm Rechenschaft gegeben wird über seine Berufung, über das was cs war, und was es ferner seyn soll in der Reihe der Völker. Es haben daher diejenigen Unrecht, welche alle unsere alten Festgebete ganz uus unserm Gottesdienste, verbannen und an ihre Stelle sogenannte rationelle, moralische, die recht nüchtern sind und kühl, setzen wollen; sie werden nicht weit damit kommen. Das Volk wird dieser Gebete bald überdrüssig werden; denn das Volk ist mit einem unauflöslichem Bande an seine Geschichte geknüpft; das Volk will warme und lebendige Erinnerungen an dieselbe, und fühlt sich hohl und leer, wenn ihm diese nicht bei seinem Gottesdienste gegeben'werden. Die Aufgabe der Gegenwart kann daher nur seyn, die wirklich schönen Piutim dem Volke in der Landessprache zugänglich zu machen, hiermit aber auch selbstständige deutsche Gebete und Gesänge, welchen eben sowohl der fromme, demuthsvolle Sinn'der Vorzeit, als der humane und sittlich-hohe Geist der Gegenwart eingehaucht ist, zu verbinden. Genauer spricht sich hierüber Hr. Rabbiner Stein in dem Vorworte zu seiner Schrift aus: ,/Es ist gewiß, sagt er, daß, früher oder später, die Synagoge dem deutschen Gebete ihre Hallen wird öffnen müssen, wenn der göttliche Dienst darinnen für die Dauer eindringlich, anziehend und beseligend werden soll. Ist nun auch bei allen alten Originalausgaben der hebräischen Sprache ihr wohlerworbener Platz zu vindiziren, um dadurch nicht nur ihr heilsames Verständniß unter uns zu einer gegebenen Nothwcndigkcit zu machen, sondern ganz vorzüglich das öffentliche Gebet seines altehrwürdigen Gewandes nicht zu entkleiden: so sollte doch bei Allem, was eine spätere Periode lediglich zur Ausfüllung der Gebetzeit hinzugethan, eine Sichtung in der Art statt finden, daß das Ungeeignete völlig ausgeschieden, das Geeignete aber in deutscher Ucbersetzung dem Sinne und dem Herzen der Andächtigen näher gebracht werde. Wie Wenige von unseren Synagogenbcsuchern, die Vortragenden miteingerechnet, fassen den Sinn und Wortverstand der Piutim! und wie ermüdend ist bei einer besseren Gottesdienstordnung der Vortrag längerer Piutstücke, wenn Einer spricht, und Alle vernehmen, was sie nicht fassen können! Nur Nesponsorien, wie sie in dem Siddur vom Neujahr und Bersöhnungstage häufig verkommen, sollten beibehalten, alle zusammenhängenden Piutim aber deutsch vorgetragen, und an Stellen, wie z. B. bei der heiligen Handlung des Schopharblasens, wo uns alte, entsprechende Gesänge fehlen, und wo dennoch entweder das Bedürfniß darnach fühlbar, oder ihr Borhandenseyn wenigstens erwünscht wäre, sollten neue 'Produkte religiöser Poesie gegeben und zur Anregung des religiösen Sinnes cingeführt werden." „Ich habe gefunden (fährt er fort), daß in den Poesieen unserer alten Paitanim, deren Sinn und Herz heilig von Gott umfangen und in das Göttliche versenkt war,-eine Fülle tiefen, religiösen Gefühles lebt, wovon in unseren neueren, sich fast nur in der kühlen Region des Begriffes ergehenden, Gebeten keine Spurzu finden, und woran sich das jetzige Geschlecht wohl erwärmen und erbauen kann und soll. Besonders hat hierin unser deutsches Machsor einen Vorzug vor dem s e p h a r d isch en, welchem es an Form und Klarheit nachsteht, daß es reicher ist an innigen nationellen Beziehungen, welche, zur reinen Anschauung gebracht, das Selbstbcwußtseyn des Israeliten sehr stärken und heben." (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. - Es ist zweifelsohne von Interesse, daß jetzt ein berühmter Schriftsteller auftritt und ganz andere Ansichten über das Haus Rothschild, das man bisher als einen Feind der gesellschaftlichen Entwickelung (für Israeliten besonders die Bürgschaft einer glücklicheren Zukunft) zu betrachten gewohnt war, aufstellt. Man handle, meint derselbe eben so ungerecht, wie thöricht, wenn man das gedachte Haus wegen seiner politischen Bedeutung mit so vielem Zngrimm anfcinde. Es gebe keine stärkere Beförderer des gesellschaftlichen Fortschrittes als eben die Nothschilde. Namentlich sei dieses der Fall bei dem Manne, der unter dem schein - losen Namen Baron James bekannt sei, und in welchem sich jetzt nach dem Tode seines Bruders in London die ganze politische Bedeutung des Hauses resumire. Dieser Imperator der Finanz, der sich in der Nue-Lafitte seinen goldncn Pallast erbaut habe, und von dort aus als unumschränkter Imperator die Börse beherrsche, wäre in Wirklichkeit der Förderer der edelsten Interessen. Einst als er mit unserem Schriftsteller in den Straßen von Paris umhcrflankirte, setzte er ihm ziemlich klar auseinander, wie eben er selber durch sein Staatspapierenspstem für den gesellschaftlichen Fortschritt in Europa überall die ersten Bedingnisse erfüllt, gleichsam Bahn gebrochen habe. Zu jeder freien Entwickelung von Zuständen, sagte er — gehöre ein Zusammenfluß von bedeutenden Menschen, die sich mit diesen Zuständen gemeinsam zu beschäftigen haben. Dergleichen Menschen lebten ehemals vom Ertrage ihrer Güter, oder ihres Amtes und waren deßhalb nie ganz frei, jetzt aber gewähre das Staatspapierenspstem diesen Menschen die Freiheit, jeden beliebigen Aufenthalt zu wählen; dort von den Zinsen ihrer Staatspapierc, ihres portativen Vermögens geschäftslos zu leben und von diesen sellstgewählten Orten aus, der Menschheit jeden nützlichen Impuls zu geben. Der Leipz. Mg. Zeitung wird u.A. Folgendes aus London geschrieben:

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