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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-12-27 · Heft 12 (27.12.1840) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 12 (27.12.1840)
Date
1840-12-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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46 seine Mitbürger und bereitwillig seinem Vaterlande mit Gut und Blut zu dienen. 46) Er ehrt seine Vorgesetzten und erfüllt mit unverdrossener Gewissenhaftigkeit seine besondern Pflichten gegen diejenigen, denen er untergeordnet ist. 47) Er ist sanft, wohlwollend und milde gegen die ihm untergeordneten Personen und sucht ihnen die Härte ihres Standes möglichst zu erleichtern. 48) Er begegnet unbescholtenen Greisen mit Achtung und schonender Rücksicht, und trägt geduldig ihre Schwächen, welche gewöhnlich mit einem hohen Atter verbunden sind. 49) Er ist erkenntlich und dankbar gegen Wohlthater, und glaubt sich der Dankbarkeit nicht entledigt, wenn er Gelegenheit gehabt, ihnen nützliche Dienste zu leisten. 50) Gegen Personen, die Wohlthaten von ihm erhalten haben, benimmt er sich mit Zartgefühl und erinnert sie nicht an die von ihm empfangenen Wohlthaten. 51) Er nimmt sich mit inniger Theilnahme seiner Glaubensgenossen an; er sucht das Seinige zu thun, um ihr Loos zu mildern, ihren sinkenden Muth aufrecht zu erhalten und seine Religion in Ansehn und Achtung zu bringen. 52) Er sorgt für die Erhaltung seines Lebens, als des ersten Geschenkes, das er von Gott erhalten hat, und begibt sich nur dann freiwillig in eine Lebensgefahr, wenn die Erfüllung einer höher« Pflicht, die Ausübung seines Berufs, oder Erwerbzweiges, die Rettung eines Menschen, oder der Dienst des Vaterlandes es nöthig macht. 53) Er entstellt und schwächt seinen Körper auf keine Weise und ist für die Erhaltung seiner Reinlichkeit eifrig besorgt. 54) Auch innerlich verunreinigt er seinen Körper nicht durch den Genuß unreiner Speisen und unreiner Thiergattungcn, sowie durch den Genuß von gefallenem und zerrissenem Vieh, jedoch ohne eine das Leben und die Erfüllung anderer Pflichten erschwerende Aengstlichkeit. 55) Er beobachtet überhaupt in der Befriedigung seiner sinnlichen Bedürfnisse eine weise Mäßigkeit; er verjagt sich manchen Genuß, von dem er fürchten muß, er möchte ihn zur Wollust und zur Weichlichkeit verleiten. 56) Er ist eiftig in der Ausübung seiner Erwerbsbefchästigungen, um sich und seiner Familie eine befriedigende Wohlfahrt zu verschaffen; aber im Vertrauen auf den göttlichen Beistand ist er dabei ohne nagende Sorge wegen der Zukunft. 57) In der Verwaltung seiner Habe ist er eben so entfernt von leichtsinniger Verschwendung als von verächtlichem Geize, und ist stets bemüht, die göttlichen Gaben auf eine Weise zu benutzen, die den Absichten des erhabenen Gebers entspricht. 58) Er ist demüthig gegen Gott, und bescheiden im Umgang mit andern Menschen; aber er achtet auch sich selbst, als ein Wesen, das Gott nach seiner Aehnlichkcit erschaffen hat. 59) Diese Selbstachtung hält ihn fern von feiger Menschenfurcht, von Schmeichelei, von Heuchelei, vom Verläugnen seiner innern Ueberzeugung und überhaupt von allen Handlungen und jedem Umgang, deren sich ein ehrbarer Mensch zu schämen hat. 60) Die Selbstachtung verleitet ihn indessen nicht zu Stolz, Hoffahrt und Hochmuth; er meidet wohl den Umgang der Schlechten und Verächtlichen; begegnet aber allen andern Menschen mit Achtung und Wohlwollen. 61) Seine Ehre ist ihm theuer; er setzt sein Glück darin, daß alle gute und vernünftige Menschen ihn achten und seinen Lebenswandel billigen; aber er ist dabei möglichst frei von Eitelkeit und Gefallsucht und sucht auch nicht durch äußere Auszeichnungen zu glänzen und Andere zu verdunkeln. 62) Er bemüht sich alle Gaben, die ihm Gott verliehen hat, auszubilden und nützlich anzuwenden; er glaubt nie vollkommen genug zu seyn, um stehen bleiben zu dürfen. Er flieht daher auch den Müßiggang und widmet die Stunden, in denen er unbeschäftigt ist, großen Theils seiner weitern Ausbildung. 63) Er suchtdurch Anwendung seiner Vernunft seine religiösen Begriffe zu vervollkommnen und zu berichtigen, und sich dabei zugleich von den entgegengesetzten schädlichen Verirnmgcn der Schwärmerei und. der Zweifelsucht frei zu halten. 64) Auch gegen die Thiere ist er mitleidig, quält sie nicht, sorgt für die Nahrung seiner Hausthiere und legt ihnen keine übermäßigen Anstrengungen auf. 65) Er genießt das Fleisch der Thiere nicht nach der Art verwilderter Menschen, sondern sorgt dafür, daß die Thiere, deren Fleisch er genießen will, regelmäßig, womöglich nach dem üblichen jüdischen Ritus, geschlachtet werden. Auch genießt er kein Blut in flüssigen Zustande. 66) Wenn er ein Vogelnest aushebt, entläßt er die Mutter, bevor er die Jungen tödtet.

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