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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1840-12-20 · Heft 11 (20.12.1840) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
2 (1840-1841)
Issue
Heft 11 (20.12.1840)
Date
1840-12-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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42 Hunderts findet, in der Zeit der Biurim und Measphim, fie stehen da und wollen da verbleiben. Aber, wie es immer geht, ihre Nacheifcrer sehen den Punkt, bis zu welchem jene gekommen, als den Wende- und Scheidepunkt an. Man kann allerdings sich weigern den Weg der forschenden Vernunft einzuschlagen; aber hat man ihn einmal betreten, dann vernimmt man ihre Stimme, die unaufhörlich ruft: Vorwärts, vorwärts! — Kein rednerischer Fluß und kein poetischer Schwung -vermag diese Stimme zum Schweigen zu bringen. Wenig hängt von unserer Zuneigung, oder von unserer Abneigung ab. Es lebt da oben ein unwiderstehlicher Impuls, welcher uns hintreibt auf den Weg, welchen Mendelssohn cröffnete, und welcher ganz verfolgt werden wird. Ihm verdanken wir jetzt, und ihm werden wir in der Zukunft unsere sittliche Emanzipation verdanken, die Fortschritte, welche wir gemacht, und die, welche unsere Nachkommen nach uns machen werden. — Mit einem Worte, Danken allein ist nicht Altes, wix müssen unsere Dankbarkeit durch die That beweisen! Und wie sind wir bis jetzt dieser Pflicht nachgckommen? Wie? —Durch die vollständigste Gleichgültigkeit! Welches Denkmal zeugt, daß ein Befreier, daß ein Messias in dem alten Sinne unter uns geboren ward, im Jahre 1729, in der kleinen Stadt Dessau? Welche würdige Grabstätte verräth, daß, die Gebeine eines großen Mannes seit 1786 unter dem Boden von Berlin ruhen? Keines! Es ist Zeit, dieser schändlichen Undankbarkeit ein Ende zu machen. Als Deutscher geboren, gehört Mendelssohn dennoch dem ganzen Israel an, und am ganzen Israel ist es, chm ein Denkmal zu setzen. — Alle unsere auf dem Erdenrunde zerstreuten Glaubensbrüdcr müssen hiezu beitragen. Der Plan ist sehr schnell und leicht auszuführcn; hier sind die Grundlinien: — In allen Hauptstädten Deutschlands, Englands und Italiens werden bestimmte Comite's errichtet, um das Ergebniß der Subscriptioncn einzufammeln. Das Hauptcomite wird mit Recht seinen Sitz in Berlin nehmen und die Sammlungen aller europäischen Cormte's in Empfang nehmen. Die Communikation ist heutigen Tages so leicht, daß man Verbindungen mit den Israeliten der vier andern Welttheile anknüpfen kann. Eben dieses Comite von Berlin wird sich unterziehen, den Plan des Denkmals, welches die Asche Mendelssohns bedecken soll, zu entwerfen. Man könnte folgende Inschrift wählen: Die Israeliten aller Welttheile, HEXBELSIOHX 184 — Geboren zu Dessau im Jahre 1729, gestorben zu Berlin im Jahre 1786. Ich habe nicht von Frankreich gesprochen, unsere sieben Consistonen sind die gebornen Comite's für dieses edle Unternehmen. Es ist eine Handlung, durch welche ein jedes von ihnen sich wird auszeichnen wollen. Empfangen Sie u. f. w. Paris, 22. Jan. 1840. Wir tragen gern dissen Auftuf in die Spalten unseres Blattes über, nicht zweifelnd, daß er bei allen deutsche» Israeliten die lebhafteste Theilnahme finden werde. Mendclssohn's Name wird von allen Partheicn mit Hochachtung und Liebe genannt. Können auch unsere strenggläubigen Brüder in seinen Lehren nicht-die Grundsätze des ewigen Fortschrittes im Judcnthnme, die Grundsätze des reinen Mosaismus finden, so danken sie ihm doch — so weit ist gottlob! die Aufklärung gekommen! — die gläubig-philosophische Auffassung des Judcnthumö, die kritisch-philologische Auslegung seiner Urkunden, und die wissenschaftliche Bildung, welche seit jenem Weisen auch von den Gottesgelehrten des mosaischen Glaubens gesucht und geliebt ward. Nicht minder verdanken wir ihm alle das lebendigere Bewußtsepn unserer Menschenwürde und unseres Menschenrechtes; denn lange zuvor, che die französische Revolution die persönliche Freiheit des Menschen ohne Unterschied seines Glaubens proklarnirte und verwirklichte, hatte Mendelssohn in seinem Jerusalem die erleuchteten Grundsätze der Gewissensfreiheit aufgestellt, hatte er die innere Achtung vor dieser heiligen Idee bei den deutsch-» Negierungen, und die Anerkennung ihres hohen Werthes bei den deutschen Israeliten vorbereitet. Lange zuvor, ehe jener erleuchtete Staatsmann ausrief: Liberte religieuse et polUique pour tout le mondc! (Religiöse und politische Freiheit über die ganze Welt) hatte Mendelssohn das politische und religiöse Vekenntniß aller Erleuchteten in den Worten ausgedrückt: „Wer die öffentliche Glückseligkeit nicht störet, wer gegen die bürgerlichen Gesetze, gegen euch und seine Mitbürger rechtschaffen handelt, den lasset sprechen, wie er denkt, Gott anrufen nach seiner oder seiner Väter Weise, und sein ewiges Heil suchen, wo er es zu finden glaubet. Lasset niemanden in euren Staaten Herzenskündigcr und Gedankenrichter scyn; niemanden ein Recht sich anmaßen, das der Allwissende sich Vorbehalten hat! Wenn wir dem Kaiser geben, was des Kaisers ist: so gebet ihr selbst Gott, was Gottes ist! Liebet die Wahrheit! Liebet den Frieden!"*) Das Andenken des bescheidenen Weisen aus Dessau ist daher uns allen heilig, und an uns allen liegt es, dieses durch ein großartiges äußeres Zeichen auszudrücken. Nicht um jenes Weisen willen, dessen Geist da oben erhaben ist über jedes Denkmal von Staub, sondern um unserer selbst willen, damit wir uns seines Geistes und seines Segens erinnern, damit wir unfern Kindern, wenn sie uns morgen ftagenwerden: Was ist das? sagen können: Mit der starkenKraft seines Wortes und seines Geistes hat uns Dieser aus der Knechtschaft geführt, hat er uns erlöst als Menschen und als Israeliten. (Vergl. 2. B. M. 13, 14.) Und so mögen demnach die Andeutungen, welche unser ftanzösischer Mitbruder gibt, unsere deutschen Brüder *) Jerusalem S. 141.

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